Welzheim

Unhaltbare Zustände bei Schassberger

schassberger hotel ebnisee
Außen hui, innen pfui: Wenn die Gäste des Hotel Ebnisee geahnt hätten, wie es in der Küche aussieht, hätten sie dort wohl kaum etwas gegessen. © Palmizi / ZVW

Schorndorf/Kaisersbach. Verschimmelte Tortenstücke in der Auslage, stark keimbelastete Kartoffeln im Kühlraum oder verdorbenes Fischfilet, das auf den Tellern der Gäste landete: Systematisch wurde in der Küche von Ernst Ulrich Schassberger Gammelware verarbeitet. Weil sich das trotz mehrfacher Lebensmittelkontrollen nicht änderte, wurde der 70-Jährige nun vom Amtsgericht Schorndorf zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

„Ungeeignet und ekelerregend“ seien die Lebensmittel gewesen, voll mit Laktobazillen, Hefepilzen, Pseudomonaden oder Darmkeimen. „Eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher“ – und auch die Räumlichkeiten seien „nicht zur Zubereitung von Lebensmittel geeignet“ gewesen. Wer die Berichte der Lebensmittelkontrolleure hört, kann sich nur wundern, dass in der Küche des Hotel Ebnisee überhaupt noch gekocht werden konnte.

Eine kleine Auswahl der unappetitlichen Zustände

Hier nur ein kleiner Auszug dessen, was die Kontrolleure im Hotel Ebnisee bei wiederholten Kontrollen vorfanden: Verschimmelte Kalbshaxe, Sauerbraten, der ungekühlt in der Küche lagerte, eine mit Keimen verseuchte Schneidemaschine, Mäusekot auf dem Kellerboden, mit Pseudomonaden kontaminierte Forellenfilets, rote Grütze mit stecknadelgroßer Hefepilzschicht oder verschimmelte Mango-Maracuja-Torte in der Auslage. Außerdem: Lebensmittel, die neben Putzmitteln gelagert wurden, eine schwarz verschimmelte Deckenkonstruktion und eine Toilette direkt neben der Küche, von der einer der Kontrolleure berichtet: „Da konnte man nicht mehr hingehen.“ Kurzum: Unhaltbare, unappetitliche Zustände, von denen die Gäste nichts wussten. Doch hätten sie davon gewusst, so hätten sie dort wohl kaum etwas gegessen.

Bewährungsstrafe nach Verständigung

Nachdem Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung eine Verständigung erzielten, wurde der geständige Gastronom am Dienstag vom Amtsgericht Schorndorf zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt – ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre. Außerdem muss der 70-Jährige 2100 Euro an das Schorndorfer Familienzentrum zahlen. Dass er in einem Fall Kontrolleuren zudem den Zutritt verweigerte, wertete das Gericht als Ordnungswidrigkeit – und verhängte dafür ein Bußgeld in Höhe von 1800 Euro. Wie Schassberger selbst bei der Gerichtsverhandlung mitteilte, ist der Restaurant-Betrieb im Hotel Ebnisee seit 1. Mai eingestellt.

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Das Ende einer Dynastie: 2012 wurde das Romantikhotel Schassberger am Ebnisee verkauft. Nachdem der Betrieb 256 Jahre in Familienhand war.

Wenige Monate zuvor verließ der Sternekoch Ernst Karl Schassberger den Familienbetrieb: Überm Ebnisee sinkt ein Stern.