Welzheim

Viel zu verzagt

Kommentar_Breitband_Winterling_0
Ohne schnelle Internetverbindungen können künftig weder Landwirte noch Handwerk, Industrie und Handel vernünftig schaffen. © Schneider/Montage Mogck

Bis 2025 sollen alle Gewerbegebiete im Rems-Murr-Kreis schnelles Internet bekommen und mindestens die Hälfte aller Wohngebiete. Die Initiative dafür haben die Landkreise und die Region Stuttgart ergriffen, weil sie vom Bund, Land und den Telekommunikationsunternehmen im Stich gelassen werden.

Schnelles Internet ist Voraussetzung für modernes Wirtschaften

Die Rede ist zu Recht von Marktversagen, weil Telekom, Vodafon & Co. als private Unternehmen natürlich nur die lukrativen Gebiete aus dem Kuchen picken. Die Telekom würde am liebsten ihre gedopten Kupferkabel so lange nutzen, solange sie Gewinne abwerfen. Nach dem Kabel die Sintflut.

Dass Deutschland den Anschluss an den internationalen Wettbewerb bereits verpasst hat und bei Glasfaseranschlüssen zu den Schlusslichtern in Europa zählt, spielt in der privatwirtschaftlichen Logik keine Rolle.

Was früher einmal die Eisenbahn, gute Straßenverbindungen und Stromleitungen waren, ist heute ein gut funktionierendes Glasfasernetz. Schnelles Internet ist schlicht Voraussetzung für modernes Wirtschaften. Ohne schnelle Internetverbindungen können künftig weder Landwirte noch Handwerk, Industrie und Handel vernünftig schaffen.

Eine Investition in die Zukunft

Die Diskussion im Umwelt- und Verkehrsausschuss hat leider gezeigt, dass nicht alle Kreisräte die Dimension der Digitalisierung erfasst haben. Allen voran die CDU-Kreisräte Hermann Beutel und Christoph Jäger. Sie mäkelten und moserten zunächst an Kleinigkeiten des geplanten Ausbaus des Breitbandnetzes herum, statt die Chance beherzt beim Zopf zu packen.

Am Ende stimmten sie den Ausschreibungen für die ersten Teilabschnitte des sogenannten Backbone-Netzes zu. Gut so.

Selbst wenn der Rems-Murr-Kreis und die Region es tatsächlich schaffen, die Datenautobahnen zu bauen: Es ist nur eine Etappe auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen Digitalisierung. Die eigentliche Mammutaufgabe erwartet die 31 Städte und Gemeinden, die diese Auffahrten auch nutzen und die Glasfasernetze in ihrem Gebiet ausbauen müssen. Dafür wäre allerdings Aufbruchstimmung notwendig nach dem Motto „Packen wir’s an!“

Die Große Koalition könnte sich sogar als Vorbild hervortun. Statt in den nächsten Monaten und Jahren über Steuersenkungen zu streiten und die „Schwarze Null“ im Staatshaushalt wie eine Monstranz vor sich herzutragen, könnte die Bundesregierung den Ausbau des schnellen Internets vorantreiben und nicht bloß als eine Floskel im Koalitionsvertrag betrachten. Es ist wie Bildung gut angelegtes Geld. Nämlich eine Investition in die Zukunft.