Welzheim

Welche Lehren kann man aus Corona ziehen? Chefarzt Jens Mayer vom Stauferklinikum referiert in Welzheim

Dr. Mayer
Dr. Jens Mayer (links) bekräftigte noch einmal, dass man lernen müsse, mit Corona zu leben. © Jantschik

Welche Lehren kann man aus Corona ziehen? Wie kann man seinen Körper stärken, dass das Immunsystem bei Virusattacken erfolgreich Paroli bietet? Warum sind Routinen im eigenen Alltag so wichtig? Viele Antworten auf viele Fragen hielt Dr. Jens Mayer in seinem Vortrag zu Corona am Sonntag im Biergarten von Thomas Linzmair bereit. Und die Gäste hingen ihm an den Lippen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd hatte gute Laune und den Schalk im Nacken. Den erhobenen Zeigefinger wiederum hatte er zu Hause gelassen. So gab es auf unterhaltsame Art unter den Kastanienbäumen des Welzheimer Biergartens Tipps, Anregungen und Ratschläge, wie man sich selbst eine gute Gesundheit bescheren kann. Denn diese ist unabdingbar, wenn man Viren und Bakterien ausgesetzt ist. Dies gilt auch für die Zeit nach Corona. Eines wurde schnell ersichtlich aus dem Vortrag: Es bringt nichts, der allgemeinen „Angstmacherei“ auf den Leim zu gehen. Im Blick hatte er die Meldungen über ein zusammenbrechendes Gesundheitssystem. Dr. Mayer empfiehlt, dass man sich bestmöglich über eine Erkrankung selbst informiert. Und auf den eigenen Körper aufmerksam hört. Vorsorgen wahrnehmen und den gesunden Menschenverstand gebrauchen.

Oder der Viren-Ursprung: Er selbst verhehlte nicht, dass er die Idee, dass das Coronavirus von Fledermäusen ausgeht, schlicht als Humbug ansieht. „Das kommt aus einem Labor“, ist er sich sicher.

Von Anfang betonte der Chefarzt für Viszeralchirurgie, dass er nicht über die politische, sondern über die medizinische Lage in der Pandemie berichten wolle. Wobei er es sich doch nicht verkneifen konnte, dass die unterschiedliche Handhabung und Vorschriften in Pandemiezeiten der einzelnen Bundesländer nicht förderlich waren und immer noch nicht sind. Lob hält er hingegen für die Entscheidung bereit, dass Deutschland sich gemeinsam mit der EU aufmachte, Impfstoffe zu ordern.

Klar machte Mayer auch, dass es schon immer Pandemien gab. Etwa die Pest, an der 500 nach Christus zwei Drittel der Bevölkerung gestorben sind. Oder auch die Tatsache, dass 90 Prozent der Ureinwohner Amerikas gestorben waren, da sie durch die Eroberer mit „banalen“ Viren in Kontakt kamen, die ihr Immunsystem nicht kannte. Und somit auch nicht bekämpfen konnte.

Allgemein betrachtet, bezeichnete er die Corona-Pandemie als medizinische Erfolgsstory. Denn in Windeseile wurden Tests entwickelt, und nach wenigen Monaten war ein Impfstoff auf dem Markt. In diesem Zusammenhang appellierte er, sich impfen zu lassen. „Das ist nicht schlimm, Corona ist schlimmer.“

Mayer: „Krankenhausbetten sind oft reine Immobilien“

„Was nehmen wir vom Vortrag mit?“, ging er auf die wichtigsten Punkte im Schnelldurchlauf ein: Zwar sei nicht alles rund gelaufen, doch die große Solidarität sei gut gewesen. „Es ging alles wahnsinnig schnell“, erinnerte er an Aufbauten von Testzentren und Ähnlichem. Auch der erste Lockdown habe zur Eindämmung der Pandemie beigetragen. „Und es war nicht die erste Pandemie auf der Welt“, erinnerte er. Klare Regeln seien wichtig. Und es seien zwar bislang 91 000 Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben, aber bei der nächsten Pandemie müsse dafür gesorgt werden, dass die Weiterbehandlung, etwa von Krebspatienten, parallel weiter funktioniert. Und er prangerte an, dass in unserer Gesellschaft „keiner mehr einfach sterben darf“. „Sterben gehört nicht zur Gesellschaft“, stellte Mayer fest. Ein 93-jähriger Patient habe ihm beim Kontaktverbot klargemacht, dass er selbst entscheiden wolle, ob er seine Familie sehen will oder nicht. Mit dem Argument: „Ich sterbe doch sowieso in absehbarer Zeit.“

Mayer machte auch klar, dass Krankenhausbetten reine „Immobilien“ seien, wenn die nötigen Intensivmediziner fehlen. „Die Corona-Krise war eine Personalkrise.“ Aber Fakt sei, dass jeder Corona-Patient in Deutschland, wenn er eine Beatmung brauchte, auch diese sofort erhielt. „Es gab die Situation, dass wir als Personal belastet waren. Aber wir waren nie überbelastet.“ Für die Zukunft wünschte sich der Chefarzt, dass die Gesundheitsämter nicht „allein vor sich hin wurschteln“, jeder für sich. „Das kann nicht sein, da müssen wir Druck machen.“ Die Intensivmedizin habe alle Zeit gut funktioniert. Der Mediziner forderte zudem eine bessere Anerkennung für Pflegeberufe. Machte Werbung für sie, zumal man sich in diesen optimal weiterbilden könne und so die Karriereleiter hochsteigen kann. Und er forderte eine nationale Bevorratung von medizinischen Mitteln wie Mundschutz. Hier monierte er, dass momentan bei allen Heil- und Hilfsmitteln „nur noch das Billigste“ gekauft wird. Sprich, etwa aus China kommt. Was das für Probleme mit der Lieferung geben kann, „hat der querstehende Tanker im Suezkanal gezeigt“.

Was man aber auch von seinem Vortrag mitnehmen konnte, war, dass man selbst auf seinen Körper achten soll. Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Vermeidung von Übergewicht - und man sollte den Konsum von Genussmitteln „mäßigen“ und auch auf die eigene Psyche achten, indem man sich selbst beschäftigen kann, Freundschaften pflegt und Alltagsroutinen hat. Dies alles stärke das Immunsystem. Und biete jedem Virus Paroli.

Welche Lehren kann man aus Corona ziehen? Wie kann man seinen Körper stärken, dass das Immunsystem bei Virusattacken erfolgreich Paroli bietet? Warum sind Routinen im eigenen Alltag so wichtig? Viele Antworten auf viele Fragen hielt Dr. Jens Mayer in seinem Vortrag zu Corona am Sonntag im Biergarten von Thomas Linzmair bereit. Und die Gäste hingen ihm an den Lippen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd hatte gute Laune und den Schalk im Nacken. Den

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