Welzheim

Welzheim: Steffen Rentschler ist mehr als ein IT-Experte an der Bürgfeldschule

Computer AG
Zu sehen sind Steffen Rentschler (Bild rechts), Alexander Rackwitz (Bild links), ein ehemaliger Schüler, und Marcel Wolff (Bild Mitte), auch ein ehemaliger Schüler, der 2017 seinen Abschluss an der Bürgfeldschule gemacht hat. © Privat

Schulleiter Michael Huy kann seine Begeisterung nur schwer verbergen, wenn er von der Ausstattung der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule mit Computer-Hardware und dem dazugehörenden Fachwissen spricht. Er gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er auf die Kapazitäten im Elektronikbereich verweist, die Lehrern, Schülern und Eltern mittlerweile schulintern zur Verfügung stehen: ein Speicher mit über achtzig Terabyte auf dem Server im Haus, dazu extern angemietete Serverkapazität für die schuleigene Cloud, die Möglichkeit, jedem Schüler und jeder Schülerin der Klassen 5 bis 10 ein Tablet oder Notebook zur Verfügung zu stellen, das mit nach Hause genommen werden darf, ein eigener Chatroom, der sowohl Lehrern und Schülern zur Verfügung steht, um ständig Kontakt miteinander zu halten, und virtueller, auf jeden Schüler individuell zugeschnittener Unterricht über das Open-Source-Webkonferenzsystem BigBlueButton.

Das Computerzeitalter hat in den 1964 errichteten ehrwürdigen Räumen der Schule in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre angefangen. Seine ultimative Bewährungsprobe erlebte es allerdings in den vergangenen zwei Jahren, als die Klassenzimmertüren verschlossen blieben und den Kindern und Jugendlichen der Zugang in ihre Schule und das Zusammensein mit ihren Klassenkameradinnen und -kameraden untersagt waren. In diesen Monaten des Lockdowns erwies es sich als ausgesprochener Glücksfall, dass es der Schule und den Lehrern möglich war, wenigstens virtuell mit ihren Schützlingen und deren Eltern in Kontakt zu bleiben, ihnen Arbeitsblätter, Texte und Lernvideos zukommen zu lassen, in Echtzeit anzuleiten, zu korrigieren und zu erklären.

Wie geht es in den nächsten zwei, drei Jahren weiter mit den digitalen Medien?

Um acht bis zehn Jahre, schätzt Michael Huy, habe die Pandemie die virtuelle Entwicklung in der Schule vorangebracht. Dafür habe der Staat zu Recht viel Geld in die Hand genommen. Die spannende Frage sei nun, wie es in den nächsten zwei, drei Jahren weitergehe mit den digitalen Medien, auf den Plattformen und wenn die Endgeräte, die man den Schülern zur Verfügung stellen könne, nach und nach ersetzt werden müssten. Ein überraschendes Phänomen, mit dem man während des Lockdowns konfrontiert war, sei, abgesehen von der bisweilen recht mangelhaften Infrastruktur auf dem Schwäbischen Wald, dass viele Familien überhaupt nicht mehr über einen Festnetz-Telefonanschluss verfügten. Alles laufe bei ihnen mittlerweile übers Smartphone. Dies bedeute aber, dass die Möglichkeiten der Kinder eingeschränkt seien, übers Internet am virtuellen Unterricht teilzuhaben und das dafür notwendige Datenvolumen einzusetzen.

In den Klassenzimmern in der Bürgfeldschule hat jedes Kind mittlerweile seinen eigenen Laptop, mit dem es arbeitet und mit seinen Lehrern in Kontakt steht. Dabei handelt es sich nicht immer nur um High-End-Neugeräte, sondern oftmals auch um Tauschgeräte, die vom Hersteller oder in der hauseigenen Werkstatt repariert und wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt wurden. „Dadurch können wir die einzelnen Rechner teilweise zum Preis von 250 Euro beschaffen und sie kosten nicht 600 bis 800 Euro“, erklärt Schulleiter Huy. Natürlich gibt es nach wie vor Tafeln an den Wänden der Klassenzimmer, kommen Schwamm und Kreide noch zum Einsatz. Sie stehen allerdings in enger Konkurrenz mit Großbildschirmen, die gerade nach und nach die Deckenbeamer ersetzen, welche ihrerseits in einem künftigen virtuellen Raum Platz finden werden.

Der Eintritt der Bürgfeldschule ins elektronische Zeitalter ist eng mit dem Namen Steffen Rentschler verbunden. Nach dem Studium und nachdem er mehrere Jahre in der Privatwirtschaft tätig gewesen war, kam er Ende der neunziger Jahre als Lehrer an die Bürgfeldschule. Dort fand er seine Lebensaufgabe. „Ein Kind lernt nicht Klavier spielen, wenn es einmal in der Woche in einen Raum geführt wird, in dem sich zwanzig Klaviere befinden und in dem alle Kinder zusammen eine Stunde lang denselben Anschlag üben“, so Rentschler. Dies gelte umso mehr für den Umgang mit Computern. Also, so seine These damals, mussten die Computer ins Klassenzimmer. Zwei Computer pro Klasse seien das erste ambitionierte Ziel gewesen. Dafür galt es, Kabel zu verlegen und Hardware zu beschaffen, Computer und Bildschirme, die in Firmen und Handwerksbetrieben ausrangiert wurden und teilweise repariert werden mussten.

Computerwerkstatt im Untergeschoss der Schule eingerichtet

Dafür richtete Rentschler die Computerwerkstatt im Untergeschoss der Schule ein, mit dem Ziel, einerseits die beschädigten Geräte wieder zum Laufen zu bringen, die Kosten in überschaubarem Rahmen zu halten, und andererseits möglichst in jeder Klasse einen Schüler heranzuziehen, „der weiß, wie es geht“, so Rentschler. Zunächst habe man an die Klassen acht bis zehn gedacht, dann habe man es „auch weiter nach unten gezogen“.

Die Computerwerkstatt habe mittwochnachmittags geöffnet, und in ihr seien auch Ehemalige stets willkommen. Dies habe wiederum den Nebeneffekt, dass über die Generationen hinweg ein Austausch stattfinde und die Schüler bereits einen ersten Einblick in das Berufsleben bekommen. Sechs bis acht Kinder würden regelmäßig die Computerwerkstatt besuchen, dazu zwei bis vier Ehemalige nach der Arbeit.

Schulinterne Kulturrevolution auch dank Steffen Rentschler

Und dann sei Corona gekommen, blickt Rentschler zurück. Dies habe den EDV-Bereich nicht so hart getroffen wie den sonstigen Schulbereich. Stattdessen ermöglichte es die Pandemie, sich über den Jahreswechsel 2020/21 mehrere Wochen lang das Netzwerk der Schule intensiv anzuschauen, es „aufzuräumen, Fehlerquellen zu beseitigen und es insgesamt sicherer zu machen“. Ein Schulnetzwerk sei schließlich viel komplexer als das einer Firma, meint Rentschler. „Hier muss jeder fast alles dürfen, aber es darf nichts kaputtgehen.“ Zudem müsse es offen sein für alle. Die Bürgfeld-Gemeinschaftsschule, ergänzt Michael Huy stolz, biete sogar jedem Gast, der in die Schule kommt, einen freien Internetzugang.

Geschafft hat Steffen Rentschler diese schulinterne Kulturrevolution allerdings nicht im Alleingang. Möglich wurde sie dank der Unterstützung von Alexander Rackwitz und Marcel Wolff, Ehemalige, die auch im Erwachsenenalter von „ihrer“ Bürgfeldschule nicht losgekommen sind bzw. über Rentschlers Computerwerkstatt zu ihr zurückgefunden haben.

Gemeinsam haben sie es bewerkstelligt, dass die der Bürgfeldschule anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht nur während der schwersten Tage der Corona-Pandemie nicht alleingelassen wurden, sondern auch bestmöglich vorbereitet in die Informationsgesellschaft der Zukunft entlassen werden.

Das Team der Freiwilligen, die in der Bürgfeldschule die EDV am Laufen halten, ist aber viel größer. Die schon erwähnten Alexander Rackwitz und Marcel Wolff haben in den letzten drei Jahren über 2000 Stunden ehrenamtlich am Netzwerk gearbeitet. Daneben haben sich auch die ehemaligen Schüler Tobias Elpelt und Andreas Stärk eingebracht.

Ohne den Programmierer Jonathan Fritz, kein ehemaliger Schüler, wäre vieles auch nicht zustande gekommen, ergänzt Steffen Rentschler.

Schulleiter Michael Huy kann seine Begeisterung nur schwer verbergen, wenn er von der Ausstattung der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule mit Computer-Hardware und dem dazugehörenden Fachwissen spricht. Er gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er auf die Kapazitäten im Elektronikbereich verweist, die Lehrern, Schülern und Eltern mittlerweile schulintern zur Verfügung stehen: ein Speicher mit über achtzig Terabyte auf dem Server im Haus, dazu extern angemietete Serverkapazität für die schuleigene

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