Welzheim

Welzheim: Was Siglinde Hinderer, neue Umweltbeauftragte der Landeskirche, vorhat

Energie sparen
Siglinde Hinderer ist die neue Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche. Unser Bild zeigt sie in der Welzheimer St.-Gallus-Kirche. © Benjamin Büttner

Ihre Investitur erfolgt zwar erst im Februar in einem Gottesdienst in Stuttgart, angetreten jedoch hat Siglinde Hinderer ihr neues Amt bereits: Sie ist seit kurzem Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Württemberg und leitet das Referat für Umwelt im evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart.

Die Welzheimer kennen die 61-Jährige unter anderem als Kirchengemeinderätin, als Mitglied des Umweltteams der evangelischen Kirchengemeinde und als Geschäftsführerin eines Nahwärmenetzes mit Hackschnitzelheizanlage.

Siglinde Hinderer lebt seit 1993 in Welzheim. Ursprünglich stammt sie aus Markt Einersheim im Landkreis Kitzingen, ist auf einem Aussiedlerhof und mit der Landwirtschaft aufgewachsen. „Mich hat es unheimlich geprägt, die Bewunderung für das, was wächst.“ Das Grün im Frühjahr, die Tiere am Hof, der Blick auf Berge, die Veränderung über die Jahreszeiten, der große Garten der Familie mit Blumen und Gemüse, frischen Himbeeren und Erdbeeren: Die Schöpfung bewahren, diesen Gedanken verbindet Siglinde Hinderer damit. „Das Thema Umweltschutz hat mich sehr früh geprägt.“

Erste Berufsjahre führten zu Bauknecht nach Schorndorf 

In Sigmaringen studierte sie Haushalts- und Ernährungstechnik. Ihre ersten Berufsjahre führten die Ingenieurin zu Bauknecht nach Schorndorf in den Bereich Hausgeräte. Sie arbeitete in der Entwicklung daran mit, Wasser und Waschmittel zu sparen. Bei einem Unternehmen in Tübingen kümmerte sie sich anschließend um ähnliche Themen. Es folgte eine Kinderpause, in der sie ihren selbstständigen Mann unterstützte und auch nebenberuflich in der Kirchengemeinde beschäftigt war.

Apropos: Der Umweltgedanke hatte sie einst in die Welzheimer Kirchengemeinde geführt. In der St.-Gallus-Kirche war damals die alte Ölheizung kaputt. Ökologisch dachte man an eine Pflanzenölheizung. Gesucht wurde ehrenamtliche technische Unterstützung, und Siglinde Hinderer nahm sich des Themas an. „So bin ich ins Umweltteam reingekommen.“ Ein weiteres Projekt des Teams folgte mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus. 2005 dann wurde die evangelische Kirchengemeinde für ihr Umweltmanagementsystem erstmals mit dem „Grünen Gockel“ zertifiziert, auch auf Initiative des Umweltteams.

Siglinde Hinderer engagierte sich zusätzlich zum Umweltteam einige Jahre im Vorstand des Solarvereins Rems-Murr. Dieser initiierte verschiedene Gemeinschaftsanlagen und Vorträge. Der Solarverein und die Energieagentur Rems-Murr boten in zehn Orten auch ein Projekt an, in dem es darum ging, CO2-arm zu leben.

Nahwärmenetz als Meilenstein

Einen Meilenstein markiert ein Nahwärmenetz mit Hackschnitzelheizanlage, das unter anderem die St.-Gallus-Kirche versorgt. Treibend für das Vorhaben war das Umweltteam der Welzheimer Kirchengemeinde, Mit-Initiatoren waren Kirchengemeinderäte. Um viele kleinere Projekte kümmerte sich das Umweltteam außerdem.

Vor sieben Jahren wechselte Siglinde Hinderer beruflich ins Umweltreferat der evangelischen Landeskirche. Zunächst arbeitete sie im Bereich Energiemanagement und beriet Kirchengemeinden zum Energiesparen. Anschließend kümmerte sie sich um Klimaschutz-Management, darum, was die Kirchengemeinden in der gesamten Landeskirche für einen Energieverbrauch haben, den CO2-Ausstoß, betrachtete das Thema sozusagen in der Summe, ebenso wie Möglichkeiten für den Klimaschutz. Daraus wurden Maßnahmen erarbeitet. Ein Konzept wurde für die Landeskirche erstellt, die Synode hat daraus ein Kirchengesetz für den Klimaschutz entwickelt, erklärt Hinderer. „Die Landeskirche verpflichtet sich dadurch, bis 2040 klimaneutral zu sein.“

"Ich möchte zu Verantwortung, entsprechend zu handeln, aufrufen"

In ihrer neuen Funktion als Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche berät Hinderer nun die Synode, die Kirchenleitung, ist im Gespräch mit Gruppierungen und Institutionen bis hin zum Umweltministerium, aber sie berät weiterhin auch Kirchenbezirke und -gemeinden.

„Das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist ein extrem breites Thema“, sagt Siglinde Hinderer. Man verdränge es gern aus dem Alltag. Aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus. „Und weil es so komplex ist.“ Die Folgen des Klimawandels für die nächste Generation seien oft nicht bewusst. „Ich möchte niemandem Angst machen“, so Siglinde Hinderer. „Ich möchte zu Verantwortung, entsprechend zu handeln, aufrufen.“

„Die Zukunft ein Stück mitgestalten“

Die Schöpfung bewundern, die Schöpfung bewahren: Diesen Gedanken hatte Siglinde Hinderer zuvor im Gespräch noch einmal aufgegriffen. Man müsse als Gesellschaft und als Kirche mahnen, achtsam mit ihr umzugehen. Stichwort Klimagerechtigkeit zum Beispiel: „Wir produzieren Treibhausgase. Es leiden die Menschen in Bangladesch.“ Und sie verweist auf Dürren in Afrika. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir die Zukunft ein Stück mitgestalten. Die Menschen, die dort nicht mehr die Nahrung haben, werden sich auf den Weg machen.“

Bei dem großen Thema sieht Siglinde Hinderer auch die Kirche in der Pflicht. „Unsere Verantwortung ist auch, was den Klimaschutz angeht, als Kirche Beispiel zu sein, aktiv zu werden und andere zum Mitmachen zu motivieren.“

Ihre Investitur erfolgt zwar erst im Februar in einem Gottesdienst in Stuttgart, angetreten jedoch hat Siglinde Hinderer ihr neues Amt bereits: Sie ist seit kurzem Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Württemberg und leitet das Referat für Umwelt im evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart.

Die Welzheimer kennen die 61-Jährige unter anderem als Kirchengemeinderätin, als Mitglied des Umweltteams der evangelischen Kirchengemeinde und als Geschäftsführerin eines

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