Welzheim

Welzheimer Klassentreffen nach über 30 Jahren in Montenegro

Klassentreffen
Bei den zahlreichen Ausflügen war die Stimmung der Teilnehmer offensichtlich mehr als gut. © privat

Das Klassentreffen in Montenegro stand lang auf der Kippe. Doch die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Welzheimer Kastell-Realschule waren hartnäckig. Jetzt im Juni hat es geklappt, und die Teilnehmer haben viel von dem besonderen Klassentreffen in Corona-Zeiten zu berichten. Auf jeden Fall bleibt die Erkenntnis: Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Nach dem Start mit dem Flugzeug in Frankfurt ging es zuerst nach Dubrovnik (Kroatien) und dann mit dem Auto den Rest der Strecke nach Tivat (Montenegro).

Direktflug war kurzfristig gestrichen worden

Eine besondere Herausforderung war, dass der Flug nach Podgorica (Montenegro) von der Fluglinie gestrichen worden war und die Teilnehmer kurzfristig auf eine andere Fluglinie mit Ziel Dubrovnik ausweichen mussten. Die Abstimmung lief aufgrund von Corona-Restriktionen überwiegend online über Whatsapp, da persönliche Treffen in der Vorbereitungszeit ausgeschlossen waren.

Weiterhin stellten die unterschiedlichen Regularien zur Einreise in die verschiedenen Länder die Welzheimer immer wieder vor kleinere Fragezeichen. Mittlerweile sind die meisten geimpft bzw. der Testnachweis wurde auf einen negativen Schnelltest reduziert, was das Ganze doch etwas einfacher machte.

Vor Jahrzehnten haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler in der Kastell-Schule in Welzheim gemeinsam bei Klassenarbeiten geschwitzt, Lehrer in den Wahnsinn getrieben und in der Hofpause gespielt. Und jetzt stehen sie gemeinsam mehr als 1600 Meter hoch über dem Meer und genießen einen der großartigsten Ausblicke der Welt vom Jezerski auf die Bucht von Kotor, auf Tivat und die Adria in Montenegro. Und das alles begann mit einem Artikel in dieser Zeitung.

Auf der CMT fing alles an

Es ging um die CMT-Tourismusbörse in Stuttgart im Januar letzten Jahres. Montenegro war das Partnerland, und in dem Bericht ging es um einen „Welzheimer Bub“, der jetzt in dem kleinen Balkan-Land Ferienwohnungen hat und auf der Messe seine Urlaubsregion vertrat. An diesem Stand bekam er nun Besuch: von ehemaligen Klassenkameraden aus der Realschule. Die Überraschung war groß, die Freude noch größer. Ziemlich bald stellten die Klassenkameraden fest, dass sie so viele Geschichten zu erzählen haben, dass ein Abend nicht dafür ausreiche. Und so wuchs der Gedanke, nicht nur ein Klassentreffen zu veranstalten, sondern gleich eine Klassenfahrt, eben nach Montenegro. „Die Gegebenheiten waren einfach perfekt dafür“, so Heiko Geng, der von Welzheim aus die Organisation in die Hand nahm.

Corona stoppte erst einmal die Pläne

Aber dann kam Corona. Wie bei vielen anderen durchkreuzte die Pandemie auch diese Pläne. Und es gab erst einmal genug anderes zu tun. Doch der Gedanke an die Klassenfahrt der Kastell-Veteranen trieb die ehemaligen Schüler weiter um. Im Gegenteil: Im Laufe der Monate mit Corona-Beschränkungen und Lockdowns wurde die Aussicht auf diese Reise immer verlockender. „Immer wieder redeten wir in Video-Chats über aktuelle Reisebestimmungen und mögliche Flugverbindungen, malten uns aus, was wir alles machen, sehen und kosten könnten. Und es fühlte sich genauso an wie in der Jugend, wenn sich die Zeit bis zur Klassenfahrt ewig hinzog und es auf dem Schulhof schon gar kein anderes Thema mehr gab.“

Sieben Mitschüler konnten sich freinehmen

Fast genau 17 Monate nach dem Erscheinen des Zeitungsartikels war es so weit: Sieben Teilnehmer schaufelten alle Termine beiseite und machten sich auf den Weg. Erwin Bauer, Silke Plapp (geb. Möller), Dagmar Böhm (geb. Maier), Stefan Schwarz, Simon Fahrner, Bernd Knödler und Heiko Geng hatten Flüge von Frankfurt aus gebucht, denn andere Verbindungen waren gestrichen worden. Sie mussten Corona-Tests machen und online Einreiseformulare ausfüllen. „Manche von uns waren so nervös, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten.“ Auf der Autofahrt stellte sich bei jedem ein kribbeliges Gefühl ein, spätestens nach dem Sektfrühstück bei der Raststätte.

Auch ein Fernsehteam des ZDF wartete auf die Besucher

Ab jetzt traten die Welzheimer in ihren „Mio Monte Revival-T-Shirts“ auf und machten damit beim Check-in am Flughafen eine gute Figur und kamen bei den Stewardessen der Lufthansa sehr gut an. In Dubrovnik wartete der Gastgeber, und im Kleinbus ging es weiter - über die Landesgrenze nach Montenegro, mit der Fähre über die „Boka Kotorska“,, die Bucht von Kotor, und über die Küstenstraße nach Tivat. Am Ziel angekommen, gab es nicht nur die Apartments, sondern auch traumhafte Ausblicke auf Berge und Meer und ein wunderbares Abendbrot, sondern auch ein Filmteam! Das ZDF-Auslandsjournal will über das Konzept und das Auswanderer-Leben des Mitschülers einen Bericht machen, und die Besuchergruppe war die perfekte Ergänzung, um zu zeigen, dass die Verbindungen nach Welzheim nicht abgerissen sind. Der voraussichtliche Sendetermin ist am 30. Juni im ZDF.

Montenegro ist ein sehr vielfältiges Land

Montenegro gilt als das Land von Bergen und Meer, als Land der Vielfalt. Das konnten die Welzheimer in diesen Tagen ausführlich erleben. Bei einem Segeltörn haben sie die Wasserseite erkundet, das beeindruckende Panorama der schroffen Berge und malerischen Städte vor dem glitzernden Meer genossen. Auf dem Boot zu Balkan-Beats getanzt. Frischeste Meeresfrüchte gegessen. Und sich zwischen zahlreichen Luxusjachten im Porto Montenegro wie ein Teil des Jetsets gefühlt.

Bei einer Tour im Nationalpark im Lovcen-Gebirge kamen die Wanderer zwar etwas aus der Puste, aber sie konnten auch überwältigende Eindrücke von der Natur sammeln. Es eröffneten sich Panorama-Blicke, die unvergesslich sind. Und die auch dadurch besonders wurden, weil alles gemeinsam erlebt wurde.

Eine Neuauflage soll es auf jeden Fall geben

Das Fazit fasste die Gruppe nach der Heimkehr in folgende Worte: „Denn das war natürlich immer wieder das Beste an dieser Reise: Nach mehr als 30 Jahren waren wir hier zusammen, erzählten uns beim Abendessen mit reichhaltigen Balkan-Platten längst vergessen geglaubte Erlebnisse aus der Schulzeit und lachten so sehr, dass die Bäuche wehtaten. Und unsere Welzheimer Jugend war mitten in Montenegro wieder da. Und wir versprachen uns, dass es nicht wieder Jahrzehnte dauern wird bis zum nächsten Besuch.“

Die beiden Welzheimer Igor Djurica (49) und Heiko Geng (48) waren die treibenden Kräfte für das Klassentreffen. Sie ließen sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen. Igor Djurica stammt aus Welzheim, ist aber nach Montenegro gezogen. Im letzten Jahr war er Botschafter für das Land auf der CMT. Sich wiedergefunden haben die beiden, weil die Welzheimer Zeitung über die letzte CMT vor Corona und Montenegro als Urlaubsziel berichtet hatte.

Lebenswege sind sehr unterschiedlich verlaufen

Nach der Realschule in Welzheim sind die Lebenswege der Klassenkameraden zunächst in unterschiedliche Richtungen verlaufen. Igor Djurica hat nach der Mittleren Reife Zahntechniker in Welzheim gelernt, Heiko Geng ging nach dem Realschulabschluss in die Nachbarstadt Schwäbisch Gmünd aufs Technische Gymnasium und hat danach in Aalen studiert. Nach dem Studium hat er Igor nochmals kurz 1998 in Frankfurt/Hanau, in seiner neuen Heimat, getroffen.

Heiko Geng war danach in Brasilien und hat anschließend in München gearbeitet, im Jahr 2000 zog er wieder nach Welzheim. Die ehemaligen Schüler hatten einige Klassentreffen in Welzheim (ohne Igor) organisiert. Was sich mit dem Wiedersehen auf der CMT in Stuttgart im Jahr 2019 bald ändern sollte und nun doch wegen Corona etwas länger gedauert hat. Gut Ding will Weile haben, heißt es, was hiermit bewiesen ist.

Das Klassentreffen in Montenegro stand lang auf der Kippe. Doch die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Welzheimer Kastell-Realschule waren hartnäckig. Jetzt im Juni hat es geklappt, und die Teilnehmer haben viel von dem besonderen Klassentreffen in Corona-Zeiten zu berichten. Auf jeden Fall bleibt die Erkenntnis: Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Nach dem Start mit dem Flugzeug in Frankfurt ging es zuerst nach Dubrovnik (Kroatien) und dann mit dem Auto den Rest der Strecke nach

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