Welzheim

Weshalb die Kastell-Apotheke zubleibt und das Reformhaus in Welzheim schließt

Kastellapotheke
Wird dauerhaft geschlossen bleiben: Die Kastell-Apotheke in der Rudersberger Straße. © Gaby Schneider

Wer in den vergangenen Wochen tagsüber durch die Wilhelmstraße gelaufen ist, hat häufiger lange Schlangen vor der Apotheke am Kirchplatz beobachten können. Kein Wunder: Ist doch im Moment von den ursprünglich drei Apotheken in der Stadt Welzheim nur noch eine geöffnet.

Kur-Apotheke soll bald wieder eröffnet werden

Für die Kur-Apotheke, die seit bald einem Monat dicht ist, scheint es aber bereits eine Nachfolgelösung zu geben. Der Laden soll so schnell wie möglich wieder eröffnen. Noch-Inhaber Christian Köstlin arbeitet dem Vernehmen nach mit Nachdruck daran, dass hier bald wieder Medikamente verkauft werden – und das auch mit den gleichen Mitarbeitern wie vor der Schließung. Zumindest wird dies am Schaufenster des Ladens bereits auf einem Aushang verkündet. Ein konkreter Termin für die Wiedereröffnung steht indes noch nicht fest.

Doch wie steht es um die Kastell-Apotheke in der Rudersberger Straße? Dort sind schon seit Ende Juni keine Rezepte mehr über den Tisch gegangen. Wie lange bleibt das Geschäft noch geschlossen? „Für immer“, sagt Inhaberin Petra Ellwanger-Röderer auf unsere Nachfrage. Und sie nennt dafür zwei Hauptgründe: die zunehmende Unwirtschaftlichkeit der Apotheke sowie den verbreiteten Fachkräftemangel.

Weshalb der Apothekenbetrieb unwirtschaftlicher wird

Zum einen habe sich der Standort in der Rudersberger Straße zuletzt verschlechtert. Dass etwa die Praxis von Dr. Klenk innerhalb von Welzheim umgezogen ist, habe zu einem Rückgang an Kundschaft geführt.

Auch sei die Situation für Apotheker in Deutschland zuletzt insgesamt immer prekärer geworden. So sei etwa seit Jahren - trotz Inflation und steigender Löhne - das Honorar für rezeptpflichtige Medikamente nicht mehr angepasst worden. Es wurde von der Politik bei 8,35 Euro eingefroren. Dazu kommt noch ein kleiner Obolus von drei Prozent auf den Einkaufspreis. Doch das war’s dann auch schon.

Mit diesem Apothekenfestzuschlag müssen dann die gesamten Betriebskosten der Apotheke gedeckt werden.

Und weil die Kosten für den Betrieb Jahr für Jahr steigen, die anteiligen Einnahmen aber nicht, müsste theoretisch jedes Jahr der Umsatz steigen, erklärt die Apothekerin weiter. Tut er das nicht, wird der Betrieb irgendwann unwirtschaftlich. Kurzum: „Das Apothekensterben läuft, denn es wird immer weniger verdient“, so Ellwanger-Röderer. Zuletzt lag die Zahl laut dem Apothekerverband bundesweit bei nur noch rund 18 000, Tendenz sinkend.

Fachkräftemangel macht sich auch bei Apotheken bemerkbar

Der zweite Grund ist aber nicht minder entscheidend: Es gebe auf dem Markt im Moment einfach viel zu wenig Fachkräfte, erklärt Ellwanger-Röderer. Weshalb es der approbierten Apothekerin in den vergangenen Jahren auch zunehmend schwer gefallen sei, eine geeignete Person zu finden, die das Geschäft in der Rudersberger Straße betreibt.

Weil zuletzt auch noch ausgesprochenes Pech bei der Personalbesetzung dazukam, habe sie sich im Laufe dieses Jahres schließlich dazu entschlossen, dem Ganzen „besser ein Ende mit Schrecken“ zu setzen, als „Schrecken ohne Ende zu haben“.

Betriebserlaubnis läuft schon nach kurzer Zeit aus

Wichtig ist auch folgender Punkt: Eine Betriebserlaubnis ist nicht nur aufwendig zu bekommen, sie erlischt auch bereits nach kurzer Zeit. Lediglich sechs Wochen darf eine Apotheke deshalb geschlossen sein. Dieser Zeitraum ist längst überschritten, weshalb Ellwanger-Röderer auch nur noch eine Betriebserlaubnis für die Apotheke am Kirchplatz hat.

Eine gute Nachricht: Die ehemaligen pharmazetischen Mitarbeiter der Kastell-Apotheke konnten dort übernommen werden. Sie werden angesichts des momentanen Andrangs durchaus benötigt. Deshalb besteht auch keine Gefahr, dass die Apotheke am Kirchplatz geschlossen wird. „Die bleibt aber auf jeden Fall auch bestehen“, verspricht die Apothekerin.

Wann das Reformhaus seine Pforten schließt

Die Tage gezählt sind hingegen bald für das Reformhaus, das im selben Gebäude wie die ehemalige Kastell-Apotheke seinen Sitz hat. Die beiden Geschäfte sind räumlich eng miteinander verbunden. Voraussichtlich zum Ende des Jahres wird in dem Reformhaus der Betrieb eingestellt, berichtet Ellwanger-Röderer.

Damit geht eine gut 50-jährige Welzheimer Tradition, die auf das frühere Reformhaus Horn zurückgeht, zu Ende. 

"Schon seit Jahren ein Draufzahlgeschäft"

Die Gründe für die Schließung sind auch hier vor allem wirtschaftliche. „Das ist schon seit Jahren ein Draufzahlgeschäft“ sagt Petra Ellwanger-Röderer. Dass die Apotheke geschlossen ist, die sich ja im selben Gebäude befindet und den ein oder anderen Kunden zur Mitnahme von Reformhaus-Waren animiert hat, dürfte den Umsatz nun nicht gerade angekurbelt haben.

Hinzu komme, dass der jüngst eröffnete Rossmann am Feuersee zusätzlich Kundschaft abziehe. Und nicht zuletzt sind es auch die absehbar steigenden Energiekosten, die ihren Teil dazu beitragen, dass sich hier demnächst ein weiterer Leerstand in Welzheim ankündigt.

Wer in den vergangenen Wochen tagsüber durch die Wilhelmstraße gelaufen ist, hat häufiger lange Schlangen vor der Apotheke am Kirchplatz beobachten können. Kein Wunder: Ist doch im Moment von den ursprünglich drei Apotheken in der Stadt Welzheim nur noch eine geöffnet.

Kur-Apotheke soll bald wieder eröffnet werden

Für die Kur-Apotheke, die seit bald einem Monat dicht ist, scheint es aber bereits eine Nachfolgelösung zu geben. Der Laden soll so schnell wie möglich wieder

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