Welzheim

Wetterschäden: Gemeinde bezahlt Feuerwehreinsatz

Unwetter_0
Auch die Gemeinde Alfdorf muss in Zukunft verstärkt mit schweren Regenereignissen rechnen. © Habermann / ZVW / Archiv

Alfdorf. Der Sturzregen vom 11. Juni 2018 schlägt bis heute in der Gemeinde Alfdorf Wellen. Am Montagabend gab es dazu im Gemeinderat ein Stück Aufarbeitung. Die gute Nachricht: Die Gemeinde bezahlt die Kosten für den damaligen Feuerwehreinsatz. Klar ist aber auch, dass die Betroffenen in die Entwässerung ihrer Häuser investieren müssen, selbst wenn die Kommune die Abwasserkanäle auswechselt.



Seinerzeit hat die Feuerwehr mehr als 50 Einsätze gefahren. Es kommen aber, wie zwei Betroffene im Gremium erläuterten, noch mindestens 50 Betroffene hinzu, bei denen die Feuerwehr nicht war beziehungsweise nicht gerufen werden konnte. Oft halfen sich die Menschen selbst.

Betroffen waren überwiegend ältere Wohngebiete

Klaus Heck und Elke Weinmann schilderten dem Gremium die damalige Situation. Am 11. Juni kamen in einer halben Stunde wohl rund 90 Liter je Quadratmeter herunter. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Hochwasser auf dem Berg gibt“, sagte Klaus Heck. So viel Regen in so kurzer Zeit – das war einfach zu viel: für die Einläufe, für die Kanäle und für die Hausanschlüsse. Betroffen waren demnach überwiegend die älteren Wohngebiete in Alfdorf im Bereich Seestraße, Schützenstraße, Teile des Gewerbegebiets Brühl, Farbgasse, Untere Bühlstraße.

Krisenmanagement in Lorch besser als in Alfdorf

In der Seestraße sind laut Heck die Keller zwei- bis viermal im Jahr voll. „So kann es nicht weitergehen.“ Er selbst wohne seit dem Jahr 2005 am Ende der Breitestraße. Seitdem ist bei ihm dreimal der Keller vollgelaufen. Aber so hoch wie letztes Mal stand das Wasser noch nie. „Das lief bei mir durch die Waschmaschine in den Keller rein.“ Ein Teil des Regens ist auch durch die Kellerfenster eingedrungen. Ob bei so einer Lage eine Rückstauklappe im Hausanschluss geholfen hätte, bezweifelt Klaus Heck.

In der Nachbarstadt Lorch, wo die Schäden wesentlich größer waren, sei das Krisenmanagement viel besser gewesen als in der Gemeinde Alfdorf. Der Abfallcontainer im Bauhof in Pfahlbronn sei für viele nicht erreichbar gewesen. „Die Gemeinde muss für solche Situationen einen Krisenplan entwickeln.“

Elke Weinmann: Da sind die Emotionen hochgekocht

„In der Ostlandstraße waren alle meine Nachbarn betroffen“, berichtete Elke Weinmann. Wasser sei durch die Lichtschächte und dann aus den Kanaldeckeln gedrungen. Zu dritt hätten sie in ihrem Haus eineinhalb Stunden mit Eimern gegen das Wasser gekämpft. Zum Schluss habe die Feuerwehr mit Abpumpen geholfen. Das sei auch dringend nötig gewesen, um die neue Heizung zu retten. Bewohner anderer betroffener Häuser seien oft mehr als 80 Jahre alt und hätten einen halben Meter Wasser im Keller gehabt. Da seien natürlich die Emotionen hochgekocht, zumal die Antworten der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung oft als lapidar empfunden worden seien. „Es ist sehr traurig, wie in unserer Gemeinde mit älteren Leuten umgegangen wird.“

Bürgermeister: "Das ist nicht optimal gelaufen"

Bürgermeister Michael Segan entschuldigte sich für das teilweise nicht professionelle und einfühlsame Verhalten seiner Mitarbeiter: „Das ist nicht optimal gelaufen.“ Andererseits sei die Verwaltung nicht untätig gewesen. Ein Fachmann habe sich die Planunterlagen der problematischen Gebäude angeschaut und geprüft. Offensichtlich müsse bei den Hausanschlüssen nachgearbeitet werden. Segan kündigte für Ende Oktober eine Versammlung mit allen Betroffenen an, dann würden auch entsprechende Merkblätter zu dem Thema verteilt.

Verwaltung will künftig besser gewappnet sein

Solche Schadensereignisse würden sich bei so einem starken Regen auch künftig nicht immer vermeiden lassen, selbst wenn die Kanäle erneuert werden. Allerdings will die Verwaltung künftig für solche Ereignisse besser gewappnet sein. Bei den Beratungen für den Haushalt 2019 müsse der Gemeinderat entscheiden, welche Kanäle ausgewechselt werden. „Wir sind ständig an dem Thema dran“, versicherte der Bürgermeister.


Mit den Bürgern solidarisch sein

„Man muss was tun“, sagte CDU-Gemeinderat Horst Metzger zur geschilderten Situation am 11. Juni. Erstmals habe die Gemeinde Alfdorf eine solche „Katastrophe“ erlebt.

Hans-Dieter Folter (Freie Wähler) nahm den Betroffenen die Hoffnung, dass allein mit neuen Kanälen das Problem gelöst werden kann. „Auf die Eigentümer kommen Kosten zu.“ Folter meinte die Verbesserung der Hausanschlüsse an den Kanal und eine verbesserte Regenwasserentsorgung. Notwendig sei eine differenzierte Ursachenforschung: Fehlt die Rückstauklappe, kam das Wasser aus dem Kanal oder von der Oberfläche über Kellertür und Lichthöfe in den Keller?

Die Kosten für den Einsatz der Feuerwehren (außer Alfdorf waren auch Feuerwehrmänner aus Mutlangen und Welzheim im Einsatz) betragen 16 127 Euro. Sie werden nun von der Gemeinde übernommen. Gemeinderat Dr. Freiherr Götz vom Holtz (FW) sieht in der Kostenübernahme einen Akt der Solidarität der Gemeinde gegenüber den betroffenen Bürgern.


Problematisch

Bürgermeister Michael Segan hält die Darstellung in der Karte, die von der Alfdorfer Bürgergruppe vorgelegt und verteilt wurde, für problematisch, „weil sie nicht verifiziert ist“. Der Ersteller der Karten habe selbst vermerkt „soweit bekannt“.

Es würden bei dem Thema immer wieder Dinge in den Raum gestellt, die so nicht richtig seien. Die Zahl von 150 Geschädigten, die genannt wurde, sei ebenfalls nicht belegt.

Auch sei das Starkregenereignis kein Katastrophenfall gewesen. Alle wichtigen Versorgungseinrichtungen wie Strom, Wasser, Telefon haben ohne Unterbrechung funktioniert.