Welzheim

Wie Drohnen dem DRK auch im Welzheimer Wald bei der Suche nach Vermissten helfen

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Michael Linde (links) und Michael Budig demonstrieren am Kirchplatz den Flug der Drohnen. Die Technik ist in Sulzbach stationiert. © Ralph Steinemann Pressefoto

Ein Surren klingt in der Luft. Nicht laut, aber vernehmlich. Auch Passanten auf dem Welzheimer Kirchplatz drehen die Köpfe: Zwei Drohnen schweben über dem Pflaster, scheinen kurz gar in der Luft zu stehen. Michael Linde und Michael Budig zeigen, wie die zwei Drohnen der Drohnengruppe des DRK-Kreisverbands Rems-Murr fliegen.

Je eher ein Vermisster oder eine Vermisste gefunden wird, desto besser

Sonniges Wetter, entspannte Stimmung, ein Testflug: Bei einem echten Einsatz sind die Bedingungen andere. Dann ist die Zeit knapp. Wenn Personen gesucht werden, sie möglicherweise hilflos sind, wenn es kalt ist, dann läuft die Uhr schnell. Je eher ein Vermisster oder eine Vermisste dann gefunden wird, desto besser.

Ende September zum Beispiel wurde eine Frau in der Umgebung des Aichstruter Stausees gesucht. 95 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter auch die Drohnengruppe des DRK-Kreisverbands. Es ist gutgegangen, zum Glück. Die vermisste Frau wurde wohlbehalten gefunden. Die Mitglieder der Drohnengruppe haben zum guten Ausgang beigetragen. Mit ihrer Hilfe konnten nämlich Suchbereiche ausgeschlossen werden, berichtet Michael Budig, der Leiter der Drohnengruppe.

Die Drohnengruppe besteht aus Mitgliedern verschiedener DRK-Ortsvereine. In ihr sind DRK-Aktive aus Alfdorf, Welzheim und Kaisersbach zahlreich vertreten. „Aus unserer Bereitschaft kommt knapp die Hälfte“, sagt Michael Linde, Stellvertretender Bereitschaftsleiter des Ortsvereins Alfdorf, Welzheim/Kaisersbach. Er gehört auch im Kreisverband zu der Führungsgruppe, die gegebenenfalls die Drohnengruppe anfordert. Außerdem sind Mitglieder der DRK-Ortsvereine Murrhardt und Sulzbach in der Drohnengruppe aktiv.

Der Welzheimer Wald als „prädestiniertes Übungsfluggebiet“

Der Welzheimer Wald stellt für die Aktiven der Drohnengruppe nicht nur von Einsätzen her ein bekanntes Terrain dar, sondern auch von ihren Übungen. Zwei-, dreimal im Monat lassen die Aktiven hier die zwei Drohnen fliegen, um für den Ernstfall fit zu sein. Mit seinen Wäldern, Feldern und Seen ist der Welzheimer Wald ein „prädestiniertes Übungsfluggebiet“, weiß Michael Budig.

Um die Drohnen bei Einsätzen fliegen zu können, braucht es nicht nur den Piloten, sondern ein Team aus vier Personen. Dazu gehören ein Luftraumbeobachter, der auf Hindernisse achtet, ein Techniker, der zum Beispiel die Ladung der Akkus und die Bildübertragung im Blick hat, und eine Führungsperson, die mit der Einsatzleitung Kontakt hält. Bei einem Übungsflug beim Aichstruter Stausee im Herbst herrschte zum Beispiel Bodennebel am See. Die Akkus kühlten schnell ab, der Nebel setzte den Sensoren zu. Eine Drohne ging in den Notlandemodus und landete querfeldein in der Wiese. Nur durch den Luftraumbeobachter konnte sie wiedergefunden werden. „Das Team dahinter ist erforderlich“, unterstreicht Michael Budig.

Viel faszinierende Technik steckt in den kleinen Flugmaschinen

Viel faszinierende Technik steckt in den kleinen, zwischen 500 und 600 Gramm schweren Flugmaschinen. Es handelt sich um DJI-Drohnen eines chinesischen Herstellers und das Modell Mavic Enterprise Dual. Sie sind jeweils mit einer Wärmebild- und einer Sichtbildkamera ausgestattet, können am Tag und in der Nacht fliegen, selbst notlanden, wenn der Akku zur Neige geht, sie fallen also nicht einfach vom Himmel, und sie verfügen über Sensoren zur Kollisionswarnung, so dass sie nicht versehentlich gegen eine Hauswand fliegen.

Jede der Drohnen hat vier Rotoren. Auf den Drohnen sind unterschiedliche Aufsätze möglich. Die Drohnen verfügen über eine Positionsleuchte. Auch Suchscheinwerfer oder Lautsprecher sind montierbar. Im unteren Bereich haben die Drohnen eine Beleuchtung, mit der sie den Landeplatz ausleuchten, „wie ein Hubschrauber“, vergleicht Michael Linde.

Die Bilder der Drohnen werden auf einem Monitor an der Fernbedienung angezeigt. Erhält die einen Zusatzsender, können sie kabellos an einen Empfänger übertragen werden, etwa einen Monitor bei der Einsatzleitung.

So kann die Drohnengruppe bei der Suche nach Vermissten wertvolle Informationen liefern. Im November des vergangenen Jahres etwa hat sie einen Sucheinsatz in Kernen unterstützt. Eine ältere, kranke Person war nachts um zwei Uhr unterwegs. Sie hatte den zweiten Schuh verloren. Als sie mit einem Fuß barfuß auf einer Wiese stand, hat sich dieser Platz ein bisschen aufgewärmt. Das half, mit der Drohnentechnik den Suchbereich einzugrenzen, erinnert sich Michael Budig. Die vermisste Person wurde gefunden, schneller und bei besserer Gesundheit als ohne den Drohneneinsatz.

Einsatz bei Großschadensereignissen zur Dokumentation der Lage 

So trägt die Drohnengruppe zur Effizienz bei. Und kann nicht nur bei der Suche nach Vermissten helfen. Möglich ist zum Beispiel auch ein Einsatz bei Großschadensereignissen zur Dokumentation der Lage aus der Luft, wenn es sehr viele Verletzte gibt.

Die Drohnengruppe ist einmal im Monat im Einsatz, nicht nur im Rems-Murr-Kreis, auch in Nachbarkreisen. Mehrmals half sie im Kreis Ludwigsburg, sie unterstützte auch schon im Kreis Heidenheim, wo eine Person vom Wandern nicht zurückgekehrt war.

Im Wald oder bei Regen müssen die Drohnen passen

Doch der Technik sind auch Grenzen gesetzt. Für gewöhnlich fordert die Polizei die Unterstützung der Drohnengruppe an. Hunde können in unwegsamem Gelände eingesetzt werden. Die Drohnen ergänzen bei großen Wiesen und Äckern, zum Beispiel auch in Steinbrüchen, Uferrandgebieten, Weinbergen, überall dort, wo das Gebiet weitläufig ist oder es gefährlich wird für den Hund. Im Wald aber oder bei Regen müssen die Drohnen passen, „bei Nebel wird es kritisch“, wissen die Experten, ebenso in einer Höhe ab 100 Metern.

Die Einsatzmöglichkeiten würden die Mitglieder der Drohnengruppe gern verbessern. Die zwei Drohnen, die derzeit eingesetzt werden, wurden 2020 beschafft und waren „damals das Nonplusultra“, so Budig. Seitdem ist die Technik vorangeschritten. Ein neues Modell kann auch bei Regen fliegen. Gern würden die Aktiven die Ausrüstung auf der Höhe der Zeit halten. Und freuen sich über Spenden. Ein Spendenkonto der DRK-Drohnengruppe gibt es bei der Kreissparkasse Waiblingen, IBAN: DE 49 6025 0010 0000 7078 60, Spendenzweck: Drohne.

Ein Surren klingt in der Luft. Nicht laut, aber vernehmlich. Auch Passanten auf dem Welzheimer Kirchplatz drehen die Köpfe: Zwei Drohnen schweben über dem Pflaster, scheinen kurz gar in der Luft zu stehen. Michael Linde und Michael Budig zeigen, wie die zwei Drohnen der Drohnengruppe des DRK-Kreisverbands Rems-Murr fliegen.

Je eher ein Vermisster oder eine Vermisste gefunden wird, desto besser

Sonniges Wetter, entspannte Stimmung, ein Testflug: Bei einem echten Einsatz sind

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