Welzheim

Wie kommt der Breitbandausbau voran?

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Glasfaserkabel werden vorzugsweise dann mitverlegt, wenn ohnehin eine Tiefbaumaßnahme ansteht. © Ellwanger / ZVW / Archiv

Welzheim. Im Vergleich mit anderen ländlichen Gemeinden steht Welzheim in Sachen Internetanbindung nicht schlecht da. Um den Ausbau mit schnellerem Internet voranzutreiben, plant die Stadt, Mitglied eines kreisweiten Zweckverbands zu werden. An zahlreichen Stellen muss die Verwaltung aber selbst aktiv werden – obwohl sie rechtlich dafür gar nicht zuständig ist.

Um alle Haushalte in Welzheim mit Breitband-Internet zu versorgen, müssten 100 Kilometer Hauptleitungen und 47 Kilometer Hausleitungen verlegt werden. Eine Infrastrukturmaßnahme, die aus Sicht der Verwaltung vergleichbar ist mit dem Anschluss an die zentrale Wasserversorgung. „Da kann man nur dankbar sein, dass wir nicht Aufgabenträger sind“, sagte Bürgermeister Thomas Bernlöhr in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend.

Stadt kann nur aktiv werden, wenn niemand sonst ausbauen will

Dort wurde den Räten der aktuelle Stand beim Breitbandausbau vorgestellt. Und bei dem befinde sich die Verwaltung, so Bernlöhr, in einem „ziemlichen Spagat“: Eigentlich sei die Kommune juristisch nicht zuständig, befinde sich aber zugleich in der moralischen Pflicht, den Ausbau voranzutreiben. Selbst aktiv werden könne die Gemeinde aber nur, wenn niemand sonst ausbauen möchte. Also immer dann, wenn der Ausbau aus Sicht der Marktteilnehmer wirtschaftlich nicht lohnend sei. Was bei einer Stadt wie Welzheim mit ihren zwei Dutzend Weilern, Höfen und Häusern durchaus häufiger der Fall sein kann.

In der Region Stuttgart bewegt sich etwas

Immerhin: Welzheim steht vergleichsweise gut da. Mindestens 80 Prozent der Haushalte werden mit Übertragungsraten von mehr als 30 Megabit versorgt (mit Glasfaser sind indes Verbindungen von aktuell tausend Megabit möglich). Und in der Region Stuttgart bewegt sich gerade etwas. Im Juli hat die Deutsche Telekom mit der Region, der Landeshauptstadt sowie den fünf Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis eine Absichtserklärung für eine künftige Zusammenarbeit unterschrieben. Im Kreis soll dazu ein eigener Zweckverband gegründet werden. Insgesamt wären daran 179 Städte und Gemeinden beteiligt.

Klare Aussagen zur Lage in vier bis sechs Wochen

Eine aus Sicht der Verwaltung sinnvolle Kooperation, deren Zustandekommen aber noch nicht sicher ist. „Das hängt von der Entscheidungsgrundlage ab – und die ist noch nicht da“, sagt Bernlöhr. Ein Erstgespräch mit der Kommune habe aber bereits stattgefunden. In vier bis sechs Wochen rechnet die Verwaltung mit habhaften Aussagen zur Lage vor Ort. „Sie sehen, da ist gerade Musik drin“, so der Bürgermeister.

Masterplanung erarbeitet

In Welzheim hat sich in den letzten Jahren bereits einiges getan. Die ersten zwölf Kilometer mit Leitungstrassen sind verlegt und der Betrieb an die Firma Netcom übergeben worden. Auch der Eigenausbau der Telekom mit Vectoring - jener Methode also, mit der die Leistung der bestehenden Kupferleitungen verbessert wird - ist in der Kernstadt bereits abgeschlossen. Der Eigenausbau im Nahbereich der Innenstadt lässt indes noch auf sich warten.

Und auch die Stadt selbst war aktiv: Für die weiteren Maßnahmen wurde bereits eine komplett durch den Bund finanzierte Masterplanung erarbeitet. Die Stadt ist also im Bilde über den aktuellen Stand des Ausbaus – und weiß, wenn Tiefbaumaßnahmen anstehen, wo Leerrohre und Glasfaser verlegt werden können.

Ärger in Steinbruck über Verzögerungen beim Anschluss

Bereits angeschlossen wurden die Teilorte Steinbruck, Seiboldsweiler, Eberhardsweiler und Schafhof, wobei hier auf die Vectoring-Methode zurückgegriffen wird. Leider werden dort erst Ende des Jahres die ersten Breitbandverbindungen möglich sein. Aufgrund von Lieferengpässen beim Betreiber Netcom wurden die Kabelverzweiger bislang nicht freigeschaltet.

Eine unendliche Geschichte

Ein Umstand, der für großen Unmut bei den Bewohnern sorgt, wie Bürgermeister Bernlöhr und Claudia Kuhn, Fraktionsvorsitzende des Bürgerforums, berichten. Eine „unendliche und nicht nachvollziehbare Geschichte“ ist das für Kuhn, die zudem kritisch nachfragte, weshalb manche Bereiche Welzheims nur Vectoring erhalten und andere (wie die Laufen- und Klingenmühle) Breitband ans Haus.

„Es kommt darauf an“, war die Antwort des Bürgermeisters, der auf die Komplexität der Materie verwies. Und dann am konkreten Beispiel klarstellte, dass Vectoring bei einem Ort wie Steinbruck sehr lohnend und ohne große Verluste möglich sei, wohingegen die Laufenmühle auch mit Kabelverzweiger wegen der langen Kupferleitung eine nur geringfügig schnellere Verbindung bekommen würde und eine direkte Hausanbindung daher sinnvoller sei.

Breitband-Ausbau wird großen Teil des Haushaltes einnehmen

Grundsätzlich gab es von Seiten der Gemeinderäte viel Zustimmung für die Ausbauaktivitäten. „Die Versorgung mit Breitband ist heute fast so wichtig wie Strom und Wasser“, befand Claudia Kuhn. „Es tut sich tatsächlich was“, freute sich Alexandra Veit (SPD), aber „wir sollten jetzt schnell Taten folgen lassen“. Auch CDU-Rat Niko Kappel mahnte: „Wir müssen jetzt auf dem Dampfer bleiben.“ Der Ausbau der Breitband-Verbindungen werde auf Jahre einen großen Teil des Haushaltes einnehmen, „aber das ist okay“.

Kosten für Ausbau auf öffentlichen Flächen auf 15,5 Millionen geschätzt

Konkret schätzt die Verwaltung die Kosten für den Ausbau auf öffentlichen Flächen auf rund 15,5 Millionen Euro und für die Hausanschlüsse auf etwa zwölf Millionen Euro. Noch sind das theoretische Zahlen, die auch vom möglichen Gelingen der Kooperationsvereinbarung und Förderanträgen abhängen. Sicher ist aber jetzt schon: Der Anschluss ans schnelle Internet wird eine teure Angelegenheit für die Stadt.


Nächste Schritte

In den nächsten beiden Jahren möchte die Stadt jene Bereiche ausbauen, die durch Marktakteure unterversorgt sind und nicht ausgebaut werden sollen.

Darunter befindet sich das städtische Gewerbegebiet Kernstadt sowie die nördlichen und westlichen Stadtteile. Für den Ausbau hat die Verwaltung bereits Fördermittel beim Land beantragt.