Welzheim

Windräder zwischen Welzheim und Plüderhausen: Anhörung der Gegner

windrad winterbach
Windrad am Goldboden bei Winterbach. © ZVW/Joachim Mogck

Noch in diesem Jahr, so erhofft es sich zumindest die EnBW, könnten die Behörden den Bau von drei Windrädern zwischen Breitenfürst und Walkersbach genehmigen (Hier geht es zu einem ausführlichen Artikel zum Projekt). Ein Teil des Genehmigungsverfahrens war nun an diesem Mittwoch eine öffentliche Erörterung der Einwände von Bürgerinnen und Bürgern. Etwa 50 Menschen waren dazu in der Justinus-Kerner-Halle in Welzheim. Die Themen reichten von großen Fragen bis zu kleinen Details, von den Auswirkungen der riesigen Windräder aufs Landschaftsbild bis zu Folgen für die winzige Haselmaus.

Politische Fragen und Wirtschaftlichkeit interessieren im Verfahren nicht

Insgesamt sind 103 Einwendungen im Landratsamt zum Vorhaben der EnBW eingegangen. Eine Entscheidung über die Genehmigung fällt beim Erörterungstermin nicht, wie Simon Kistner, der Leiter des Amtes für Umweltschutz, vorab einordnet.

Er betont außerdem: „Wir müssen die Genehmigungsvoraussetzungen prüfen, aber auch nur die Genehmigungsvoraussetzungen.“ Zu politischen Fragen oder auch zur Wirtschaftlichkeit des Projektes werde sich das Landratsamt nicht äußern, diese werde man nicht im Verfahren berücksichtigen. Entscheidend sei die Beurteilung anhand von Gesetzen und Normen. Und wenn alle Voraussetzungen erfüllt seien, habe die EnBW Anspruch auf die Genehmigung.

Bauen will die EnBW drei Anlagen des Herstellers Vestas, alle mit einer Nabenhöhe von 166 Metern. Das nördliche Windrad, das dem Welzheimer Ortsteil Breitenfürst am nächsten wäre, hat einen Rotordurchmesser von 150 Metern, die beiden anderen von 162 Metern. Der Energieversorger geht dadurch von 31 Gigawattstunden Stromertrag im Jahr aus. Sollte die Genehmigung noch 2022 erfolgen, peilt die EnBW eine Inbetriebnahme im Jahr 2025 an.

Die Windradgegner sind beim Erörterungstermin freilich schon damit nicht einverstanden, dass sich die Behörden nicht mit der Wirtschaftlichkeitsfrage befassen wollen. „Die Windhöffigkeit ist das A und O“, meint einer. Andreas Schulik vom Amt für Umweltschutz sagt dazu: Die Vorgaben des Umweltministeriums für das Windpotenzial seien erfüllt, das hätten übergeordnete Stellen bestätigt. „Deswegen sehen wir hier keinen weiteren Diskussionsbedarf.“

"Schauveranstaltung"

Im weiteren Verlauf geht es um einen bunten Strauß an Themen von Schallimmissionen über Schattenwurf bis Eisabfall, vom Artenschutz über die Auswirkung auf den Wald bis zum Wasserhaushalt. Und zwischenzeitlich wird es bei der sehr ruhigen, meist sachlichen Veranstaltung dann auch mal emotional. Ein Mann tritt ans Saalmikrofon, spricht von einer „Schauveranstaltung“ und nennt die Energiewende mit erneuerbaren Energien einen „völlig irren Weg“. Ansonsten beschränken sich Gefühlsausbrüche meist auf Applaus für bestimmte Aussagen.

Ein Raunen geht durch die Reihen, als Andreas Schulik die Stellungnahme der Naturschutzverbände vorträgt, die auf das Fazit hinausläuft: „Die beteiligten Verbände befürworten die Durchführung des Vorhabens.“

Sehr viele der Einwendungen drehen sich rund um die Themen Natur- und Artenschutz. Die Behördenvertreter aus dem Landratsamt erörtern dazu, dass das Artenschutzgutachten zwar vier Brutpaare des Rotmilans im Gebiet der Windräder festgestellt habe. Da die Vögel allerdings vor allem im Offenland und nicht im Wald unterwegs seien und die Windräder im Wald stünden, sei „für den Rotmilan eine gewisse Sicherheit da“.

Abschaltautomatik für Fledermausschutz

Was Fledermäuse angeht, müssen die Anlagen eine Automatik eingebaut haben, die sie zu bestimmten Zeiten, wenn es für Fledermäuse gefährlich werden könnte, abschalten. Für andere Tiere, die im Gebiet vom Windradbau beeinträchtigt sein könnten wie die Zauneidechse oder die Haselmaus, werden laut Landratsamt Ausgleichsmaßnahmen getroffen.

Als die Windradgegner die Methodik des Gutachtens anzweifeln und die Artenschutzvorgaben als zu lasch kritisieren, sagt Markus Wegst vom Amt für Umweltschutz: Das Artenschutzrecht sei sehr streng. Bei den Vorgaben in Bezug auf Windräder sei aber tatsächlich „Dynamik drin“, weil die Datengrundlage dazu erst in den vergangenen Jahren gewachsen sei. Derzeit sage die Landesanstalt für Umwelt (LUBW), dem Rotmilan gehe es in Baden-Württemberg sehr gut.

Auch zum Thema Wald gibt es viele Einwendungen. Zur Beantwortung ist extra Christian Hess von der zuständigen Forstbehörde in Freiburg angereist. 2,2 Hektar Wald müssen laut EnBW für die drei Windräder dauerhaft gerodet werden. Diese müssen jedoch ausgeglichen werden. Rund 1,7 Hektar sollen auf einer Fläche bei Steinheim im Ostalbkreis wieder aufgeforstet werden, etwa 50 Kilometer entfernt vom Windpark. In näheren Umkreis sei eine Aufforstung schwierig, sagt Christian Hess, weil dort bereit viel Wald sei. Die jetzt noch fehlende Ausgleichsfläche müsse die EnBW aber im nahen Umfeld finden.

Windräder blinken in der Nacht, wenn sich ein Flugobjekt nähert

Für den möglichen Schattenwurf durch die drehenden Rotoren der Windräder muss die EnBW als Vorkehrung ebenfalls eine Abschaltautomatik einbauen. Die roten Blinklichter auf den Anlagen zur Flugsicherung, die viele Menschen im Umfeld nachts stören, sollen nur dann in Betrieb sein, wenn sich ein Flugobjekt ihnen im Radius von vier Kilometern und einer Höhe von 600 Metern nähert.

Was die Schallimmissionen, also den Lärm durch den Betrieb des Windparks angeht, bekommt die EnBW vom Landratsamt eine Reihe von Auflagen mit. Infraschall halten die Behörden nicht für ein Problem. Dazu gab es erwartungsgemäß Widerspruch von den Windradgegnern. Einer prophezeit: „Es wird sich in Zukunft herausstellen, dass Infraschall doch schädlich ist.“ Der sogenannte „gepulste Infraschall“ bei Windrädern sei besonders problematisch, meint ein anderer.

EnBW-Projektleiter Daniel Fenchel betont daraufhin: Infraschall sei kein Problem der Windkraft, er entstehe an anderer Stelle genauso beziehungsweise in stärkerem Maße. „Wenn sich irgendwann rausstellt, dass Infraschall schädlich ist – da müsste man als Erstes Autos verbieten.“

Noch in diesem Jahr, so erhofft es sich zumindest die EnBW, könnten die Behörden den Bau von drei Windrädern zwischen Breitenfürst und Walkersbach genehmigen (Hier geht es zu einem ausführlichen Artikel zum Projekt). Ein Teil des Genehmigungsverfahrens war nun an diesem Mittwoch eine öffentliche Erörterung der Einwände von Bürgerinnen und Bürgern. Etwa 50 Menschen waren dazu in der Justinus-Kerner-Halle in Welzheim. Die Themen reichten von großen Fragen bis zu kleinen Details, von den

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