Welzheim

"Zu einem Zirkus gehören Tiere"

1/3
66508beb-166c-4f37-aeec-f9db469ff64d.jpg_0
Zirkuschefin Tina Quaiser legt Wert auf eine artgerechte Tierhaltung. © ZVW/Benjamin Büttner
2/3
Zirkus
Der fast dreijährige Sohn Alessio als Namensgeber. © Benjamin Büttner
3/3
_2
Das Zelt in Welzheim steht bereits. Weitere Stationen sind in Rudersberg und Schorndorf.

Welzheim. Tiere und Zirkus: Tierschützer fordern ein Tierverbot für Zirkusse. Die Zirkusbetreiber wehren sich dagegen. Der neu gegründete Zirkus Alessio, der in Welzheim, Rudersberg und Schorndorf gastiert, legt Wert auf eine artgerechte Tierhaltung und will auf seine 50 Tiere nicht verzichten. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen“, sagte Chefin Tina Quaiser, die aus einer alten Zirkusfamilie stammt.

Auf der Wiese am Stadtrand unweit des Kreisverkehrs in der Rudersberger Straße und hinter dem Erdwall für den Lärmschutz versteckt steht schon das Zelt für die Tiere mit reichlich Auslauf. Hier sind keine Tiger, Löwen oder Elefanten zu sehen, sondern sechs Pferde, drei Dromedare, drei Kamele und ein nordamerikanisches Bison. Zwei Wasserbüffel gehören genauso zur Zirkusfamilie wie ein Pony, drei Lamas und fünf Hunde.

Das Zirkuszelt ist beheizt

Neben dem Stall liegt ein Hänger voll frischem Heu. Außerdem stehen Kraftfutter und frischer Salat zur Verfügung.

Das beheizte Zirkuszelt, in dem 850 Sitzplätze zur Verfügung stehen, wird gerade aufgebaut. „Es wird immer schwieriger, einen Platz für unsere Aufführungen zu finden“, berichtet Tina Quaiser aus dem Zirkusalltag. Benannt ist der Zirkus nach dem Nachwuchs. Sohn Alessio wird im Dezember drei Jahre alt.

Mehrfach für gute Tierhaltung ausgezeichnet

„Alle Tiere im Zirkus Alessio werden nach den Vorgaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gehalten“, verspricht Tina Quaiser. Die Einhaltung werde an jedem Gastspielort vom jeweils zuständigen Veterinäramt unangemeldet kontrolliert. „Ich habe nichts gegen mehr Kontrollen und weitere Vorschriften, denn wir sind oft schon einen Schritt weiter“, sagte die Zirkuschefin. „Ich hoffe, dass die Tierhaltung auch in Zukunft nicht verboten wird, denn das würde mir das Herz brechen.“ Für die Zirkusfrau gehören Tiere einfach dazu. Ihr Verlobter André Kaiser (33) stammt ebenfalls aus einer alten Zirkusfamilie, er sieht es genauso und kümmert sich um die Zirkuspferde, die in der Aufführung „deutschlandweit einmalige Dressurkombinationen“ zeigen.

„Wir sind mehrfach für unsere gute Tierhaltung und unsere Bemühungen zum Artenschutz ausgezeichnet worden“, betont Tina Quaiser. „Im Rahmen eines modernen Zirkusbetriebes ist eine tägliche Pflege und Beschäftigung der Vierbeiner ebenso selbstverständlich wie umfassende tiermedizinische Beratung und Betreuung durch externe Fachleute.“ Die gesamten Stallanlagen und Außengehege sind tagsüber frei zugänglich, auf Anfrage gewährt das Tierpflegerteam Interessierten auch Einblicke hinter die Kulissen und beantwortet gerne offene Fragen.

Die Aufführung dauert etwa 90 Minuten

Außer Clowns und Artisten sind mit dem Zirkus Alessio unter dem Motto „Die tierreichste Zirkusshow des Jahres“ auch die mehr als 50 Tiere mit auf Tournee, die ebenfalls ihre Auftritte in der Manege haben.

Auch artistisch wird einiges geboten: ob rasante Artistik mit bis zu 40 Hula-Hoop- Reifen, spektakuläre Akrobatik und Jonglagen auf der Rola-Rola, Feuerspucken bis hoch unter die Zeltkuppel oder Balancen auf der Kinnspitze unter höchster Konzentration.

In einer großen Wildwestshow sind Lassodreher und Messerwerfer zu sehen. Aufgelockert wird das Programm durch Clown Rumba, der Kinder wie Erwachsene zum Lachen bringt. Die Aufführung dauert etwa 90 Minuten. Der Eintritt beträgt je nach Sitzkategorie zwischen zehn und zwanzig Euro.

Das Gastspiel findet von Donnerstag, 31. Oktober, bis Sonntag 3. November, statt. Aufführungen sind täglich um 16 Uhr, am Sonntag bereits um 14 Uhr. Donnerstag ist Familientag: Erwachsene zahlen Kinderpreise. Die Zirkuskasse ist bereits eine halbe Stunde vor der Show geöffnet. Dann können die in der Stadt ausliegenden Ermäßigungsgutscheine eingelöst werden. Nach Welzheim geht es dann nächste Woche nach Rudersberg. Nach einem einwöchigen Gastspiel dort zieht der junge Zirkus für zwei Wochen weiter nach Schorndorf.


Kontrollen

Rund 430 mobile Zirkusbetriebe, Tierschauen und Varietés gab es im Jahr 2012 in der Bundesrepublik Deutschland, 141 davon reisten nach Erkenntnis der Behörden mit wilden, also nicht domestizierten Tieren.

So steht es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung aus dem Jahr 2014; aktuellere Zahlen gibt es laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nicht.

Insgesamt lebten im Jahr der Erhebung 1400 Tiere in deutschen Zirkussen, davon mehr als 900 Wildtiere. Darunter waren 148 Großkatzen, 82 Elefanten, 29 Affen, 15 Robben, neun Großbären, vier Giraffen, vier Nashörner und drei Flusspferde.

Amtstierärzte stellten bei fast jeder zweiten Kontrolle Verstöße gegen die Haltungsanforderungen fest - sowohl bei domestizierten als auch bei Wildtieren.

Insgesamt wurden bundesweit 895 Kontrollen durchgeführt und 409 Verstöße registriert.

Gesetzesinitiativen für ein Tierverbot im Zirkus haben bisher keine Mehrheit im Parlament bekommen. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Welzheim. Tiere und Zirkus: Tierschützer fordern ein Tierverbot für Zirkusse. Die Zirkusbetreiber wehren sich dagegen. Der neu gegründete Zirkus Alessio, der in Welzheim, Rudersberg und Schorndorf gastiert, legt Wert auf eine artgerechte Tierhaltung und will auf seine 50 Tiere nicht verzichten. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen“, sagte Chefin Tina Quaiser, die aus einer alten Zirkusfamilie stammt.

Auf der Wiese am Stadtrand unweit des Kreisverkehrs

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper