1000 Besucher beim Osterfeuer
Berglen. Schon am Rettersburger Ortseingang beginnt die Schlange parkender Auto, darunter Kennzeichen aus den Kreisen Esslingen und Böblingen, also wohl auch Besucher des Osterfeuers der Eintracht.
Tatsächlich, je näher das Vereinsheim rückt, umso schwieriger wird das Durchkommen. Eine rund 1000-köpfige Völkerwanderung zum Spektakel. Das Wetter ist das A und O bei dieser Veranstaltung, es entscheidet, ob’s ein Event wird oder ein Flop.
Blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen
Petrus hat am Ostersamstagabend offenbar sehr gute Laune. Trocken, blauer Himmel und noch einigermaßen frühlingshafte Temperaturen. Diese Witterung lockt die Massen, auch von weither, an. Direkt am Vereinsheim, in der Ebene unterhalb des Wegs gen Linsenhof, stehen die Leute dicht an dicht, lange bevor es wirklich losgeht. Eine Handvoll Holzöfen verbreiten wohlige Wärme. Lange Schlangen an den beiden Versorgungsständen. Bald wird das Gyros, in Berglen mit Lammfleisch, aus sein.
Am Hang haben sich eher die Genießer versammelt, die Eingeweihten, die wissen, was nachher, wenn das Feuer erst so richtig Fahrt aufnimmt, passieren wird. Einige haben sich Gartenstühle mitgebracht, einige lagern entspannt auf Decken. Logenplätze open air. Die Kinder toben den Streuobsthügel rauf und runter. Viele Familien, aber auch Partyvolk, das nachher weiterziehen wird, und Ältere, die hinterher daheim zufrieden sagen werden „Schön war’s“.
Die „Sixtysevener“ heizen ein mit „Take me Home, Country Roads“
Eine Neuheit ist die Live-Musik. Die „Sixtysevener“, die so heißen, weil sie alle dieses „Baujahr“ haben, spielen Partymusik ihrer Generation, die gut zur entspannten Stimmung passt. John Denvers „Take me Home, Country Roads“ erklingt, das passt zum rustikalen Ambiente.
Mächtig, imposant der Berg auf der Wiese neben dem Vereinsheim. Zehn Meter hoch, zehn Meter reichen für den Durchmesser sicher nicht, Hunderte von Paletten aufgestapelt, immer wieder schweift der Blick dorthin, hypnotisch angezogen, wie ein Götze thront das hölzerne Bauwerk, das dem Untergang geweiht ist, der überhaupt seinen Sinn ausmacht. Endlich legt die Kindertanzgruppe der Eintracht los, die Ouvertüre, untrügliches Zeichen dafür, dass das Warten auf den Hauptact nicht mehr lange dauert. Der Nachwuchs bekommt die Fackeln in die Hände, schreitet, behütet von Helfern, zur Tat.
Punkt halb neun ist es so weit. An einem Dutzend Stellen wird das Feuer entzündet, aus den Lautsprechern erklingt „From Heaven to Earth“, die Hymne von Barclay James Harvest. Was Passenderes kann es kaum geben. Der Holzhügel entzündet sich im Vergleich zu kälteren und vor allem nasseren Vorjahren schnell. Rasant breitet sich das Feuer in seinem Inneren aus. Bald stieben Funken in den Himmel und wenig später züngeln Flammen zu ihm hoch, die doppelt so hoch sind wie der Palettenhaufen darunter. Auch der Wind spielt mit, weht nicht in Richtung der Besucher. Es passt an diesem Abend eben alles.
Die Feuerwehr, die wie immer Wache hält, fängt zügig an, die benachbarten Bäume am Bach, aus dem sie das Wasser pumpt, zu bespritzen. Das gewaltige Feuer darf auf keinen Fall einen Ansatzpunkt finden, sich in der Umgebung weiter zu entzünden. Die Besucher sind gebannt von dem lodernden Anblick. Die Vordersten weichen aber bereits zurück. Jede Minute um einen Meter. Die Hitzewelle breitet sich aus. Nicht auszumalen, wenn dieser riesige Feuerhaufen sich in Bewegung setzen, zur Walze werden würde. Das ganze Gelände ist vom Widerschein erleuchtet. Rundum glücklich glänzende Gesichter.
31. Osterfeuer
Es war das mittlerweile 31. von der Eintracht Rettersburg veranstaltete Osterfeuer.
Der Brauch des Osterfeuers ist germanisch-heidnischen Ursprungs.
Zum Beginn der Liturgie der Osternacht in der katholischen Kirche wird ein kleines Feuer entfacht. Nachdem sich die Gemeinde um das Osterfeuer versammelt hat, entzündet der Priester die Osterkerze, die nach der Weihe als Licht in die dunkle Kirche getragen wird. Die brennende Kerze versinnbildlicht Christus als Licht der Welt.

