Winnenden

1200 Euro Strafe für Unfallflucht

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Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen/Winnenden. Mit ihrem Fiat Panda hat eine 50-Jährige einen MAN-Lastwagen geschrammt. Sie hielt damals nicht an, um die Verantwortung für den Schaden zu übernehmen, wurde aber ermittelt. Ihr Widerspruch gegen den Strafbefehl wegen Unfallflucht führte zu einer Gerichtsverhandlung, bei der die Strafe beinahe empfindlich gestiegen wäre ...

Normalerweise versucht ein Beschuldigter, mit einem Widerspruch gegen den Strafbefehl das Strafmaß zu senken. Doch dazu lag erstens die Schuld zu eindeutig vor, und die Angeklagte bestritt sie auch gar nicht. „Ich habe nicht aufgepasst, ich habe gemerkt, da war was, und bin einfach weitergefahren, ‘tschuldigung“, sagte die 50-Jährige. Zweitens verdient sie ganz gut, bekommt 2400 Euro netto ‘raus. Zwar wohnt der arbeitslose Sohn bei ihr, beteiligt sich mit 300 Euro an der Miete, zwar hat sie 33 000 Euro Schulden aus einem Auto- und Möbelkauf. Nutzt aber nichts: Staatsanwältin und Richterin orientieren sich beim Strafmaß daran, was monatlich übrig bleibt. „40 Tagessätze halte ich weiterhin für schuldangemessen“, sagte die Staatsanwältin, „ich würde die Höhe auf 40 Euro ändern.“ Der Rechtsanwalt der Frau wünschte sich, dass der Tagessatz auf 20 Euro gesenkt wird. Aber die Richterin zog die Augenbrauen hoch: „Die Staatsanwaltschaft drückt beide Augen zu. Doch man kommt nicht umhin, mindestens 50 Euro anzusetzen, wenn es einigermaßen gerecht sein soll!“

Ups! Der Tagessatz des Strafbefehls lag bei 30 Euro ...

Doch dann wäre da noch der Führerscheinentzug. Seit 14. Dezember ist er in staatlicher Verwahrung, die Frau muss von ihrem Wohnort Remshalden nach Weinstadt zur Arbeit mit der S-Bahn fahren. Sie ist zu 60 Prozent anerkannt schwerbehindert. „Es ist schwierig, aber es geht“, sagt die 50-Jährige. Ihr Anwalt möchte, dass der Führerschein statt nach acht Monaten schon nach sechs Monaten zurückgegeben wird. Die Staatsanwältin wäre in diesem Fall einverstanden.

Doch die Richterin muss auch hier etwas geraderücken: „Wegen des Widerspruchs und der Verhandlung heute läuft die Sperrfrist auch ab heute.“ Hätte die Angeklagte den Strafbefehl vom 18. November akzeptiert, wäre die achtmonatige Sperrfrist ungefähr zur gleichen Zeit abgelaufen – durch den Widerspruch ist nichts gewonnen.

„Danke für die Hinweise, wir nehmen den Einspruch zurück“, sagte der Anwalt nach kurzer Rücksprache mit seiner Mandantin. „Wir tun so, als wäre die Verhandlung nicht gewesen.“

Etwas war aber eben doch: Die Staatsanwältin redete der Fiat-Fahrerin, die beim Abbiegen an der Rewe-Kreuzung morgens um 6.30 Uhr den Lkw streifte, ins Gewissen: „Wenn man nach einem Unfall einfach weiterfährt, ist es meist unheimlich schwer, den Schuldigen zu ermitteln.“ Der Lastwagenfahrer hatte Glück, dass er beziehungsweise die Versicherung nicht auf 3421 Euro Reparaturkosten sitzengeblieben ist.