Winnenden

17-Jährige auf Expedition mit Walen und Delfinen

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Die 17-jährige Schülerin Katharina Vogl. © Privat
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Schwimmen konnte sie schon vorher gut, Tauchen musste sie vor Ort noch lernen. © Privat
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Bei der Expedition konnte sie Tiere hautnah erleben. Wie zum Beispiel diese großen Tümmler... © Ramona Adolf
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...Rundkopfdelfine... © Ramona Adolf
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...und einen Schnabelwal. © Ramona Adolf
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Auf Tauchgang.
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Schwimmen mit gemeinen Delfinen war einer der Höhepunkte für die Schülerin.
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Ein Pottwal taucht aus dem Wasser auf.

Schwaikheim. Auf den Azoren ist Katharina Vogl gewesen, aber nicht als Urlauberin. Die 17-jährige Schwaikheimerin, die das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden besucht, hat an einer Forschungsexpedition der IJM-Stiftung teilgenommen. Es ging um Delfine und Wale.

Katharina hatte an einem Onlinelernprogramm teilgenommen und war bei der Recherche im Internet dazu auf diese Expedition aufmerksam geworden. Der große Anreiz für die Teilnehmer ist das Versprechen, einen ganzen Forschungsablauf zu erleben. Voraussetzung dabei ist, selbst nach Förderern zu suchen. Sie fand als Partner der IJM-Stiftung die Adolf-Messer-Stiftung in Bad Soden und die Claas-Stiftung in Harsewinkel. Die Kosten von knapp 3000 Euro für sie haben diese komplett übernommen. Sie musste außerdem einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber war auch Bedingung, was bei ihr aber kein Problem war, denn sie ist schon lange beim DLRG.

Eine der seltensten Arten, den True-Wal, haben sie gesehen

Bei der Expedition ging es vor allem um Delfin- und Walforschung, aber auch um den Vulkanismus auf den Azoren. Sie haben dazu in einer Vulkanhöhle Lavagesteinsarten gesammelt und deren Härte erfasst. Ihre Gruppe – 15 junge Leute zwischen 15 und 17 Jahre alt, aus Deutschland, Schweden und der Schweiz, war auf der zweitgrößten Insel dort, Pico, in einem Hotel stationiert. Dort durften/mussten sie auch an einem Tauchkurs teilnehmen.

Einen Monat lang waren sie jeden Tag mit dem Schnellboot auf dem Meer, haben Ausschau gehalten nach bestimmten Arten, begleitet und betreut von einem Experten des Duisburger Delfinariums. Alles, was sie entdeckten, wurde dokumentiert und katalogisiert. Sie haben Videos gedreht, auch unter Wasser. „Wir hatten Glück, haben eine der seltensten Arten, den True-Wal gesehen und wir konnten auch mit Delfinen schwimmen.“ Vor allem die gemeinen Delfine seien wunderschön, mit ihren gelblichen Streifen auf der Seite. Das war natürlich ein Höhepunkt. Andere waren Tauchgänge, bis in 20 Meter Tiefe, an einem Leuchtturm entlang oder auch nachts.

Mit der Stoppuhr die Atemfrequenz der Tiere gemessen

Eindrücklich für sie war auch das Messen der Atemfrequenzen der von ihnen beobachteten Wale und Delfine vom Boot aus mit der Stoppuhr, die Zeit von einem Auftauchen zum andern. Sie fuhren parallel zu den Tieren, um deren Schwimmgeschwindigkeit zu bestimmen. Mit dem Hydrophon wurden deren Töne aufgenommen. An den verschiedenen Frequenzen konnten sie die unterschiedlichen Arten bestimmen.

Bei den Pottwalen haben sie die sogenannten Fluken fotografiert und mit anderen, früher gemachten Bildern von den gleichen Stellen, an denen Pottwale aufgetaucht waren, verglichen. So sollte festgestellt werden, ob die gleichen Tiere immer wiederkehren. Die Fluken sind nämlich sehr individuell. Fleckendelfine haben sie aus nächster Nähe beim Hochspringen aus dem Wasser beobachtet. Auch das ein einmaliges Erlebnis.

Abends ging es weiter mit dem Erstellen von Präsentationen

Mit den Ausfahrten war es aber nicht getan. Abends musste alles für Präsentationen ausgewertet, aufbereitet werden. Da waren Teamarbeit und Computerkenntnisse gefragt. Die Tage waren für alle lang. In keiner Nacht hätten sie mehr als sechs Stunden geschlafen, manchmal gerade mal vier. Eine Vorgabe ist auch, dass jeder Teilnehmer nach seiner Rückkehr mindestens drei Präsentationen vor Zuschauern halten muss, das kann auch in der Klasse, in der Schule sein. Schließlich soll Interesse geweckt werden.

Die Eltern waren anfangs skeptisch

Ihre Eltern seien gegenüber ihrem Abenteuer am Anfang etwas skeptisch gewesen. „Die lassen mich in der Regel aber machen. Ich mache ja vieles auch außerhalb der Schule, und sie unterstützen mich dabei.“ Aber klar, so eine Expedition sei was anderes als ein normaler Touriurlaub. Sie haben Interviews mit Einheimischen geführt. Es ging nämlich auch darum, auch deren Lebenswelt etwas kennenzulernen.


Sie will Ärztin werden

Bei dem erwähnten Onlinelernprogramm geht es um Medizin. Dass sie dieses ausgesucht hat, ist kein Zufall. Sie will Ärztin werden.

Ja aber, was ist mit ihren Erlebnissen auf dem Meer, wäre das nicht ein Berufsleben wert? „Okay, Meeresbiologie an sich ist ja spannend. Aber der Berufsalltag ist es, glaube ich, nicht.“

Der Berufswunsch klingt bei Katharina unumstößlich, sie lässt da nicht den geringsten Zweifel. Für die Zulassung zum erforderlichen Studium reicht es auf jeden Fall bei ihr in der Schule, sie ist dort sogar mehr als gut genug, nicht nur, was bei ihr naheliegt, in Mathe und den Naturwissenschaften, sondern auch in den anderen Fächern, sogar in Sport, Eiskunstlauf betreibt sie leistungssportmäßig.

Ist sie denn eine Streberin? Sie muss bei dieser sehr direkten, etwas unverschämten Frage schmunzeln: „Ja, wenn man es so betrachtet, schon. Aber der Ausdruck hat doch einen negativen Touch. Eigentlich ist aber jeder irgendwie ehrgeizig, oder? Jeder hat doch seine Ziele.“

Die IJM-Stiftung (Institut für Jugendmanagement) hat ihren Sitz in Heidelberg.