Winnenden

17 Wohnungen für 4,2 Millionen Euro

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Das Gebäude an der Forchenwaldstraße wird nicht ganz einfach. Es bekommt eine Tiefgarage, und über die 17 Wohnungen hinaus wird auch eine Garage für Rettungsfahrzeuge. © ZVW/Danny Galm
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Rund 1000 Quadratmeter Wohnfläche werden mit dem Projekt erreicht

Winnenden. Es ist für Stadtrat Markus Siegloch schier zum Verzweifeln: Das Mehrfamilienhaus, das die Stadtbau an der Forchenwaldstraße baut, kostet 4,2 Millionen Euro. Er und andere werden das Gefühl nicht los, dass städtische Bauprojekte immer teurer werden als private. Dem widersprechen OB Holzwarth und andere Stadträte. Nach der Kontroverse wurde der Bau von 17 Wohnungen mehrheitlich beschlossen.

Das Gebäude an der Forchenwaldstraße wird nicht ganz einfach. Es bekommt eine Tiefgarage, und über die 17 Wohnungen hinaus wird auch eine Garage für Rettungsfahrzeuge der Malteser eingebaut, denn das Grundstück für diese Sozialwohnungen stammt von der Katholischen Kirche. Sie hat es verbilligt an die Stadt abgegeben unter der Bedingung, dass möglichst viele Wohnungen für Bedürftige und eben eine Station für die Malteser geschaffen werden.

Eine Mehrheit von 13 Gemeinderäten stimmte letzte Woche für den Bau nach der vorliegenden Planung und Kostenberechnung. Aber: Acht Gemeinderäte stimmten gegen den Plan und zwei enthielten sich der Stimme – die Kontroverse um die Baukosten hatte im Abstimmungsergebnis Spuren hinterlassen.

Wird Soziales Wohnen teurer als Komfortwohnungen?

Rund 1000 Quadratmeter Wohnfläche werden mit dem Projekt erreicht. Stadtrat Siegloch nahm die 4,2 Millionen Euro Baukosten und rechnete 4200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche aus – ohne Grundstückskosten. In nächster Nähe baue die Kreisbau gerade Komfortwohnungen, die für gut 4000 Euro im Angebot seien. Die Preise auf dem Winnender Markt für Neubauwohnungen lägen zwischen 3800 und 4200 Euro. „Ich kann mich nicht damit anfreunden, dass wir fürs Soziale Wohnen teurer bauen als Private fürs Komfortwohnen“, erklärte Siegloch. Weil es so aussieht, sagt FDP-Stadträtin Nicole Steiger: „Wir glauben nicht, dass die Stadtbau der bessere Bauträger ist. Wir enthalten uns der Stimme.“

„Sie müssen daran denken, dass in den Gesamtkosten von 4,2 Millionen Euro auch die zwei Garagen für die Malteser enthalten sind und die 17 Tiefgaragenplätze für die Bewohner“, erklärte Bauamtsleiter Klaus Hägele. „Sozialer Wohnungsbau ist nicht billiger Wohnungsbau. Es gelten dieselben Vorgaben wie für die Upper Class.“

Tiefgaragenplätze sind in den Gesamtkosten drin

„Wenn Sie im Internet den Kaufpreis für Wohnungen sehen, sind die Tiefgaragenplätze oft noch gar nicht drin“, erklärte OB Holzwarth. SPD-Stadtrat Uwe Voral meint: „Private bauen gerne mit oberirdischen Parkplätzen, weil die weniger kosten, und dann ist es doch so: Ein Bauträger drückt alle Beteiligten bei den Kosten. An uns als Stadt würde ein Bauträger seine Wohnungen doch gar nicht verkaufen, weil das würde ihm die Kunden für andere Wohnungen vertreiben“, meinte Voral zu der Idee, die Stadt könnte besser Wohnungen bei Bauträgern kaufen, anstatt selbst zu bauen.

Gemeinderat selbst hat günstigeres Bauen verhindert

Zum Thema Kreisbau meinte OB Holzwarth: „Sie wissen ja, wie dort das Grundstück ausgenützt wird: mit acht Geschossen.“ Der Winnender Gemeinderat hätte auf dem Forchenwaldstraßen-Grundstück zwei Stockwerke höher bauen können als jetzt beschlossen, was die Quadratmeterkosten auch gesenkt hätte. Entwürfe dafür waren schon vorgelegen. Aber aus städtebaulichen Gründen und um den Nachbarn entgegenzukommen, hatte die Gemeinderatsmehrheit Pläne mit weniger Wohnungen und Stockwerken bestellt. OB Holzwarth fasst dies so zusammen: „Dieselben Leute, die jetzt die Baupläne für unwirtschaftlich halten, haben vorher die Zahl der Wohnungen begrenzt.“


Mehrheitsmeinung

CDU-Stadtrat Richard Fischer sprach aus, was wohl jene Mehrheit von Gemeinderäten denkt, die dem Wohnhaus zugestimmt hat:

„Wir sind zu einer Lösung gekommen, die den Nachbarn entgegenkommt.“

„Fakt ist: Wir brauchen dringend die Wohnungen. Deswegen stimmen wir zu, auch wenn der Preis seine Höhe hat.“