Winnenden

2450 Winnender stehen hinter der Boehringer-Schule

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Die Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren und für den Erhalt der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule geht in die letzte Runde. Dr. Thomas Loosemann (rechts) spricht bei der Aktion auf dem Wochenmarkt mit Volker und Elisabeth Sommer-Frey. © Ralph Steinemann

Winnenden. Die Reaktionen am Stand der Unterschriftensammler zeigen ein deutliches Stimmungsbild zugunsten des Neubaus der Gemeinschaftsschule. „Die Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule gehört nach Winnenden.“ „Die Schulform darf nicht verschwinden.“ An der Klarheit und Emotionalität der Statements ist auch zu merken: Die Zukunft dieser Schule ist schlechthin das Thema in der Stadt.

„Bitteschön“, sagt eine Frau und legt ihren Kugelschreiber kraftvoll auf die Liste, auf der sie als Zehnte für den Erhalt der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule unterschrieben hat. „Hoffentlich hat es einen Wert, wenn ich hier unterschreibe“, sagt ein Mann. Auf dem Marktplatz, mitten im vorweihnachtlichen Gewusel vor dem vierten Advent, stehen Jasmine und Kurt Lander sowie Simone und Dr. Thomas Loosemann, den Wochenmarktgängern zugewandt, um zwei Stehtische herum. Neben adventlichen Teelichtern liegen die Unterschriftenlisten mit der Frage aus: Soll die Stadt eine neue Gemeinschaftsschule für 14 Millionen Euro bauen? Bei einem Bürgerentscheid, den die Unterschriftensammler anstreben, dürften Winnender über diese Frage abstimmen.

Eine junge Frau nähert sich den Teelichtern, linst auf das Schild, zieht sich den Kopfhörer aus dem Ohr und drückt auf ihrem Smartphone eine Taste. Alexandra Teigesser ist in Berglen auf die Werkrealschule gegangen und war Schülersprecherin. „Als die Schließung unserer Schule beschlossen wurde, haben wir die Gemeinschaftsschule im Unterricht behandelt.“ Ihrer Meinung nach ist die Schulform „absolut“ unterstützenswert: „Es gibt die Rangkämpfe zwischen schwächeren und stärkeren Schülern nicht mehr so stark.“

Manche Bürger sind enttäuscht vom Entschluss der Stadt

Eine hohe Frustration kennzeichnet die drastischen Worte einer Passantin: „Ich werde nie wieder wählen gehen, weder den Gemeinderat noch den Oberbürgermeister.“ Sie versteht die Welt nicht mehr: „Wie kann man das kaputtmachen?“ Stephanie Haug füllt überzeugt, mit flottem Handschriftschwung die Zeile auf der Unterschriftenliste aus. „Für Winnenden muss es eine solche Schule geben, von der Einwohnerzahl her, es kommen immer mehr Neubaugebiete, junge Familien mit Kindern ziehen in die Stadt“, argumentiert sie.

„Alle befassen sich mit dem Thema, auch ältere Menschen“, ist der Eindruck von Simone Loosemann, eine der Unterschriftensammler. „Viele kommen und fragen, wo sie unterschreiben können und wie der Prozess weitergeht.“ Aus den geäußerten Meinungen am Stand spricht Entschiedenheit in der Sache, in der Begründung zeigen sich feine, individuelle Nuancen. Virginia Schuler fasst sich an den Kopf: „Alle Schularten sind in der Großen Kreisstadt vertreten, ausgerechnet die soll fehlen?“ Ihrer Meinung nach muss jeder Schüler eine Chance bekommen, sie denkt weiter an Flüchtlingsfamilien, die ihre Kinder in die Schule schicken. „Es kann nicht nur Abiturienten geben.“ Eine tolle Schulart würde ihrer Meinung nach verloren gehen, an der vieles möglich ist. Für ihren heute 17-jährigen Sohn war die Schule eine Wohltat. „Er hat sich schulisch nicht immer leichtgetan, für ihn war es wichtig, dort eine Möglichkeit für seinen Lernweg zu finden.“

Auch Schwaikheimer gehören zu den Unterstützern

Unter den Unterstützern der Boehringer-Schule sind auch zwei Schwaikheimer: Cornelia und Harald Hartl finden, „dass die Kapazität niemals ausreicht ohne die Winnender Schule, auch von den Lehrern her nicht.“ Die Stadt Winnenden bezieht sich in ihrer Argumentation auf die beiden bereits vorhandenen Gemeinschaftsschulen in Schwaikheim und Leutenbach. Dort reiche jeweils ein Anbau und man brauche keinen Neubau, so die Argumentation. Elisabeth und Volker Sommer-Frey aus Winnenden unterschreiben, obwohl sie keine schulpflichtigen Kinder mehr haben. „Aus Sympathie, es wäre schön, wenn alle Schulen erhalten bleiben“, sagt er. Sie hat die „kleinen Zwergle“ im Blick, die sie morgens auf ihrem vergleichsweise kurzen Schulweg sieht: „Wenn ich mir vorstelle, wie sie so dick bepackt mit ihren Ranzen dann künftig lange Wege gehen müssen, finde ich das sehr schade.“ Auch Diethard Erben unterschreibt in der Hoffnung, dass „unser zehnjähriger Sohn nicht jeden Morgen nach Schwaikheim fahren muss“. Mit den zwei Minuten S-Bahn-Fahrt sei es nicht getan. „Man muss auch erst mal zur S-Bahn kommen und von dort zur Schule laufen, das kann, das muss nicht sein.“ Der Vater spürt Verunsicherung. Für Lenny kommt die geplante Schließung in einem denkbar ungünstigen Moment: Der Viertklässler steht jetzt vor der Entscheidung, wie es weitergeht. Die Boehringer-Schule ist für die Familie in der engeren Wahl – „wenn es sie noch geben sollte“. Sie haben sich die Schule angeschaut, der Eindruck sei rundum positiv gewesen. „Eine Schülerin hat uns herumgeführt und erzählt, wie sie selbst den Weg in die Boehringer-Schule gefunden hat, das erlebt man nicht überall.“ Insbesondere der offene Unterricht hat Eindruck hinterlassen. „Es geht dort in eine ganz andere Richtung als an anderen Schulen.“

Noch wenige Tage
Rund 2450 Unterschriften haben Elternvertreter und Mitstreiter bereits gesammelt. Die Listen zum Bürgerbegehren und für den Erhalt der Boehringer-Gemeinschaftsschule werden am kommenden Freitag, 23. Dezember, an die Stadtverwaltung übergeben.

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