Winnenden

25-jähriger Nellmersbacher baut Feldbahn mit Solarantrieb

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Patrick Nickels und Michael Jahnle testen den Solartriebwagen bei einer Fahrt im Nellmersbacher Feldgarten. © Habermann/ZVW
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Das Bedienpult mit Fahrhebel besitzt zusätzlich einen Touchscreen. © Gabriel Habermann
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Vorne eine LED-Leuchte, auf dem Dach Solarzellen, die es zusammen auf 660 Watt bringen. Die Energie reicht aus, um mit dem Solartriebwagen auf der Ebene zu fahren. © Gabriel Habermann
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Der Solartriebwagen wird mit einem Scheibenläufermotor angetrieben. © Gabriel Habermann

Leutenbach-Nellmersbach. Den Wunsch nach einem eigenen Triebwagen hegten die Mitglieder des Freundeskreises Feldbahn schon sehr lange, weil er „handlich und der Transport-Aufwand deutlich geringer ist, wenn man andere Feldbahnen besuchen möchte“, sagt Michael Jahnle vom Freundeskreis Feldbahn. Nun hat Patrick Nickels im Rahmen seiner Weiterbildung zusammen mit anderen dem Freundeskreis den Wunsch erfüllt.

Mit einem hellen „Dong!“, ertönt die Glocke, die sich anhört, als hätte eben einer von Hand den Klöppel geschlagen. Im neuen Solartriebwagen der Feldbahn erfolgt dies aber per Knopfdruck, den Patrick Nickels unterhalb des Fahrhebels am Bedienpult drückt. Der Triebwagen setzt sich in Bewegung. Ein leises Surren des Elektromotors ist zu hören. Patrick Nickels sieht zufrieden aus. Mit einem Fingertipp auf den Touchscreen überprüft der 25-Jährige die Leistung der vier Batterien. An einem so wolkenbehangenen Tag reicht die Sonnenenergie nicht aus, der Motor muss auf die Speicherung in den Batterien zurückgreifen, damit er seine Runden im Feldbahngarten ziehen kann. Rein rechnerisch reicht der gespeicherte Strom für fünf Stunden Fahrt auf der Ebene. Elf Personen plus ein Lokführer können im Solartriebwagen mitfahren. Leer wiegt er 800 Kilogramm.

Der Waggon ist bereits seit 2015 Teil der Nellmersbacher Feldbahn-Familie. Damals ist er als normaler Personenwagen gebaut worden. Als Patrick Nickels im Rahmen seiner Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker für seine Abschlussarbeit nach einem Projekt gesucht hat, das er mit vier anderen angehen, planen und in die Realität umsetzen kann, fiel die Wahl sogleich auf die Nellmersbacher Feldbahn.

Patrick Nickels kam als kleiner Bub zur Feldbahn-Familie

Die Nellmersbacher Feldbahn ist Patrick Nickels große Leidenschaft. Er selbst gehört seit 1998 zum Freundeskreis. Das Hobby begann für ihn bei der Leutenbacher Hocketse, wo er als kleiner Junge zusammen mit seinem Bruder und einem Freund beim Abbau der Feldbahn geholfen hatte. Ein Jahr später standen die drei bereits pünktlich für den Aufbau parat, erinnert sich Michael Jahnle, ohne dass jemand mit ihrer Hilfe gerechnet hatte. In der Folge waren die drei Jungs immer wieder bei Arbeitseinsätzen und Aktionen dabei. „Heute sind sie der harte Kern“, freut sich Jahnle, bei welchem im Übrigen er der Vierte im Bunde ist.

Im Wagen steckt die Abschlussarbeit zum staatlich geprüften Techniker

Für die Abschlussarbeit hatten Patrick Nickels (er ist gelernter Mechatroniker) und sein Team die Vorgabe, dass Elektrotechnik, Mechanik sowie das Thema Software eine Rolle spielen müssen. Nachdem auch der 25-Jährige den Traum von einem Triebwagen für den Freundeskreis Feldbahn teilt, packte er die Gelegenheit beim Schopf. Die anderen Team-Mitglieder waren gleich dabei. „Uns war es wichtig, etwas zu machen, wovon man lange etwas hat“, sagt Patrick Nickels.

Zunächst mussten sie überlegen, wie man den Wunsch in die Realität umsetzen kann. Sie hielten die Eckdaten fest, wie groß und leistungsstark der Motor sein muss, damit er zum vorhandenen Waggon passt. Sie erstellten Strukturbäume, einen Kostenplan sowie Zeichnungen am Computer. Damit gingen sie auf Fachmessen und fragten Firmen an, ob sie das Projekt mit Material für Schaltschrank, Display oder Steuerung unterstützen. Ohne Arbeitsstunden und Material fürs Antriebsgestell brachte es das Projekt auf die Summe von 13 000 Euro.

Zunächst bauten die fünf Tüftler an der Rudolf-Diesel-Fachschule in Nürnberg eine handliche Variante. Dazu diente ihnen ein Antriebsgestell. Von September bis April stand ihnen ein Tag in der Woche für die Tüftelarbeit zur Verfügung. Wertvolles wie das Programmieren der Software etwa war auch Gegenstand des Unterrichts. Im April folgte schließlich die Abschlusspräsentation. Die Solarzellen, die jetzt auf dem Dach montiert sind, legten sie einfach daneben. Es funktionierte. „Die Anspannung war groß“, erinnert sich der 25-Jährige.

Nächstes Projekt: Eine solarbetriebene E-Lok

Zu Beginn der Sommerferien zerlegten sie ihren Versuchsaufbau, um Motor, Elektrik, das Display sowie die Solarzellen im Waggon des Freundeskreises einzubauen. Nun wurde es für die Jungs ein zweites Mal spannend. Erst jetzt sahen sie, dass die Berechnungen stimmten und die Kraft des Motors tatsächlich ausreicht, um den 800 Kilogramm schweren Waggon zu ziehen. Früher fuhr er mit Hilfe der Diesellok durch den Feldgarten. Doch fertig ist der Triebwagen noch nicht. „Die Sensoren für den Kilometerstand sowie die aktuelle Leistung der Solarzellen fehlen noch“, sagt Patrick Nickels. Ist das einmal vollbracht, schwebt den Mitgliedern des Freundeskreises schon die nächste Idee im Kopf: Sie wollen eine solarbetriebene E-Lok bauen.

Mitfahrgelegenheit am 8. und 9. September

Die Solarzellen auf dem Dach des Feldbahn-Triebwagens erbringen bei gutem Wetter die Leistung von 660 Watt. Ist der Himmel bedeckt und es ist sogar etwas regnerisch, sind es 40 Watt. Letzteres reicht gerade mal für das Schaltpult aus. In der Regel werden zehn Ampere zum Fahren benötigt, erklärt Patrick Nickels.

Damit der Triebwagen auch ohne Sonne fahren kann, wird die Energie aus den Solarzellen in vier Batterien mit je zwölf Volt gespeichert. Die Motoransteuerung, Energierückgewinnung, Überwachung und Regelung wird durch einen Computer unterstützt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 15 Stundenkilometer.

Das erste Mal ist der Solartriebwagen beim Fahrtag im Einsatz, den der Freundeskreis der Feldbahn am Samstag, 8. und Sonntag, 9. September, im Feldbahngarten in Nellmersbach veranstaltet (Gewann Bodenäcker/Zweracker). Der Feldbahngarten ist ab dem Kreisel Nellmersbach (Gewerbegebiet) ausgeschildert. Am Samstag ist die Feldbahn von 14 bis 19 Uhr im Einsatz, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Für die Bewirtung sorgen das Gasthaus Waldeck aus Murrhardt-Siebenknie sowie der Jugendreferentenausschuss der evangelischen Kirchengemeinde Nellmersbach.