Winnenden

50 Jahre bei der Firma Negele in Hertmannsweiler: Rolf Walter feiert Jubiläum

Rolf Walter
Rolf Walter arbeitet seit 50 Jahren bei Schreinerei und Küchenstudio Negele in Hertmannsweiler, er wünschte sich ein Foto mit seinen Chefs aus drei Generationen und seinem früheren Meister. Von links: Fritz Glaser, Eugen Negele, Rolf Walter, Walter Negele, Andreas Negele. © Gabriel Habermann

„Ich habe einen der schönsten Berufe gelernt und fühle mich in diesem sehr familiären Betrieb sehr wohl, ich habe viel Spaß an der Arbeit“, sagt Rolf Walter (66): Bei der Firma Negele ist er am 1. September vor 50 Jahren eingestiegen, hat seine Schreinerlehre begonnen. Seinen Rentenantritt will er noch ein paar Jahre hinauszögern. „Das ist so schön, wenn du etwas bauen und es den Kunden übergeben kannst, und die sind zufrieden damit“, sagt er über das Möbelbauen, das er nach der Realschule gelernt hat. Seitdem hat er einen Kundenstamm aufgebaut, in dem er zum Teil die dritte Generation mit einer Küche versorgt.

Hoffnung für Handwerkerberufe

Er war der Einzige seines Jahrgangs, der ins Handwerk ging – Rolf Walter und alle seine Chefs hoffen, dass diese Berufe bald wieder die Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht, Stichwort Handwerkermangel. Für Rolf Walter, der sportlich im Judo verankert ist und dort Eberhard Pätzold als seinen „zweiten Vater“ betrachtet, haben die Schreinerei und die Männer, die ihn darin anleiteten, ebenso fürs Leben geprägt. „Meine Eltern waren Lehrer, die keine Ahnung davon hatten, wie man schaffen muss.“ Deshalb sind auch sein früherer Meister Fritz Glaser, heute 87 Jahre alt, und der Firmengründer Eugen Negele (92) wie weitere Väter für Rolf Walter. „Sie zeigten mir alles“, sagt er.

Engagement schafft Vertrauen

Mit 18 fuhr Rolf Walter die Kollegen, die keinen Führerschein hatten. Als Linkshänder begann er mit der Deckenmontage auf der einen, der Kollege Rechtshänder auf der anderen Seite, „wir trafen uns in der Mitte“. Praktisch. Rolf Walter brachte sich stark in den Betrieb ein, „er sieht immer das große Ganze“, sagt Andreas Negele (42), der Chef in der dritten Generation. „Wenn sich einer so engagiert wie er, kriegt er viele Freiheiten.“ Da ist die Rede von Zehn-Stunden-Tagen, wenn er die Kunden abends besucht, weil sie sonst keine Zeit haben. An anderen Tagen kommt er dafür später in den Betrieb. „Ich konnte zielstrebig und ungezwungen arbeiten, das gefällt mir bis heute“, sagt Rolf Walter.

„Mein Beruf ist abwechslungsreich, ich rede mit allen Vertretern, habe mit allem zu tun, vom Einkauf über die Abwicklung bis zur Montage.“ Das Tolle sei auch, dass die Schreinerei zusätzlich zur Küche weitere maßgefertigte Möbel anbieten kann.

Als junger Geselle wurde ihm der Ausbau einer Arztpraxis anvertraut. Das Vertrauen, das die Chefs bis heute in Rolf Walter setzen, wuchs und wurde nie enttäuscht. „Er wurde bei uns vom Schreiner zum Küchenspezialisten“, sagt Walter Negele (70), „und später Studioleiter. Anfangs hat er die Kunden beraten, ihnen die Küche verkauft und dann auch selber eingebaut, das war natürlich ein Riesenerfolg“, sagt der Chef der zweiten Generation.

Nur eine kurze Unterbrechung...

„Fairerweise muss ich sagen, dass ich nicht 50 Jahre am Stück bei Negele war, denn von 1978 bis 1980 besuchte ich die Meister- und Technikerschule und machte die Fachhochschulreife und auch noch den Industriemeister.“ Damit konnte er zur Küchenfirma Leicht wechseln, er wurde im Hauptwerk Waldstetten Leiter der Fertigungssteuerung. „Er war ehrgeizig, aber als Meister hätte er bei uns damals normal mitschaffen müssen, da konnten wir ihm nicht in die Karriere reinschwätzen“, sagt Walter Negele über den Abschied.

Doch die wirtschaftlich schlechten Jahre mit stoßweise viel Arbeit und dann wieder Kurzarbeit zogen Rolf Walter nach drei Jahren zurück zum Handwerk, man möchte beinahe sagen, in den Schoß der (Zweit-)Familie. Sowieso war der Kontakt nie abgerissen. Eugen Negele hatte die innovative Idee, als zweites Standbein auf Küchen zu setzen und seine Ausstellung auszubauen, um zwei Familien ernähren zu können. 1986 kam ein erster vierstöckiger Neubau und die Mitarbeiterzahl stieg auf elf an. 1992 baute die Firma das noch heute an der Degenhofer Straße stehende Ausstellungshaus über fünf Etagen. „Das war ein Riesenkraftakt“, erinnert sich Rolf Walter, „ich wurde richtig krank“. Im Bett liegend instruierte er die Kollegen, wie sie die neue Ausstellung aufbauen müssen.

Aktuelle Engpässe lange nicht vorstellbar

Seit Eröffnung hat sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt, mit dem Standort Asperg haben Schreinerei und Küchenstudio derzeit 50 Mitarbeiter. Und das trotz des herben Rückschlags, einem Brand in der Schreinerwerkstatt. „1997 war das, in einer Nacht im Juli“, erinnert sich Rolf Walter, „während die Feuerwehr löschte, haben wir zum Nebenausgang hinaus noch fast alle Elektrogeräte retten können.“ Nach zehn Monaten war eine moderne Schreinerei neu aufgebaut, die technisch auf dem neuesten Stand war.

Momentan verleiht die Firma Negele Elektrogeräte, Ausstellungsstücke, an ihre Küchenkunden. Weil die Lieferzeiten bis zu neun Monate betragen, zum Beispiel bei Kochfeldern mit Absauger nach unten. „Die Kunden sind verärgert, aber wir bekommen wirklich nicht einmal ein Datum genannt“, sagt Andreas Negele. Viele Firmen fuhren in der Pandemie einen zu vorsichtigen Kurs und leerten ihre Lager, anstatt nachzubestellen. Jetzt spielt der Krieg in der Ukraine empfindlich mit hinein, weil eben zentrale Teile fehlen: „Unglaublich, was dort alles produziert wurde, auch Kabelbäume“, sagt Walter Negele. Das kommt zur Unzeit, denn der Trend geht zur repräsentativen (Wohn-)Küche, in der man auch mal zusammen mit den Freunden kocht.

Zukunftspläne mit dem Wohnmobil

Summa summarum fand und findet Rolf Walter sein Berufsleben „aufregend“, auch, weil ihn einige Aufträge weit weg, nach Köln oder Brixen in Südtirol, ins Allgäu oder nach Sylt führten. Zwei, drei Jahre kann sich der Vater von vier Kindern und Opa von zwölf Enkeln noch vorstellen zu arbeiten, dann würde er gern öfter mit seiner Partnerin mit dem Wohnmobil umherreisen.

„Ich habe einen der schönsten Berufe gelernt und fühle mich in diesem sehr familiären Betrieb sehr wohl, ich habe viel Spaß an der Arbeit“, sagt Rolf Walter (66): Bei der Firma Negele ist er am 1. September vor 50 Jahren eingestiegen, hat seine Schreinerlehre begonnen. Seinen Rentenantritt will er noch ein paar Jahre hinauszögern. „Das ist so schön, wenn du etwas bauen und es den Kunden übergeben kannst, und die sind zufrieden damit“, sagt er über das Möbelbauen, das er nach der Realschule

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