Winnenden

Acht Jahre nach dem Amoklauf: Formen des Gedenkens sind ritualisiert

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© Ramona Adolf

Winnenden. Die Stadt hat von Anfang an eine passende Form des Gedenkens für den Amoklauf gefunden. Das zeigt sich nach acht Jahren. Die Gedenkformen sind ritualisiert, sind gleich wie in den Jahren zuvor und werden angenommen.

Am erstaunlichsten ist immer der Jugendgemeinderat. Mittlerweile ist eine ganz andere Generation von Jugendlichen in dem Gremium, aber sie möchte fortsetzen, was die damaligen begonnen haben. „Wenn Jugendliche von sich sagen: Es soll so sein, dann habe ich keine Zweifel, dass es richtig ist“, sagt OB Hartmut Holzwarth. Es war nicht durchdacht oder geplant, als Jugendliche die erste Lichterkette organisiert hatten. „Es war die Sprache der Herzen“, sagt Gisela Mayer, die die Stiftung gegen Gewalt an Schulen leitet und aufgebaut hat. „Und es hält sich. Das ist faszinierend.“ Mayer ist den Jugendlichen unendlich dankbar für diese Aktion. Beim Amoklauf 2009 war ihre Tochter Referendarin an der Albertville-Schule und wurde ermordet. An einem der Tage nach dem Amoklauf saß Mayer mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und der damaligen Albertville-Schulleiterin Astrid Hahn zusammen, und sie sagten: „Wir müssen zeigen, dass wir stärker sind als der Amoklauf.“

Eine gute Form des Umgangs gefunden

Heute, sagt Mayer, sei wahr geworden, was sie damals schier nicht für möglich gehalten hätte. Die Stadt habe sich aufgebäumt gegen den Amoklauf, habe eine gute Form des Umgangs gefunden „Das Gedenken am Vormittag war von Anfang an eine klug überlegte Zeremonie“, sagt Mayer.

Ähnliche Abläufe wie in den Jahren zuvor

Es wird in diesem Jahr ganz ähnlich ablaufen wie in den Jahren zuvor. Die Jugendgemeinderätinnen Ira Heß und Stella Holzäpfel werden die Namen der Ermordeten vorlesen. Felix Brade, Cellolehrer an der Winnender Musikschule, wird den „Song of the Birds“ spielen, ein Stück des katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals, wie OB Holzwarth erzählt. Und alle werden das Vaterunser beten.

Nach dem Gedenken im Stadtgarten ist um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Schlosskirche. Am Abend sind ökumenische Gottesdienste in Weiler zum Stein und in der Winnender Borromäuskirche. Diese Kirche ist den ganzen Tag über geöffnet, so dass jeder Zugang zur Klagemauer hat. In die Löcher ihrer Ziegelsteine stecken Besucher Zettel mit Wünschen, Gebeten und Erinnerungen. Der Pfarrer hat im letzten Jahr Zettel aufgehängt, die an Attentate der jüngsten Zeit erinnern. Alle Papiere von der Klagemauer werden traditionell in der Osternacht im Osterfeuer vor der Kirche verbrannt. Das Jahr über kommen wieder neue in die Mauer.