Winnenden

Amoklauf Winnenden - 13 Jahre danach: Die Erinnerung lebt, die Liebe bleibt

amokgedenk
Gedenkfeier im Winnender Stadtgarten, vor dem mit 15 Blumen geschmückten Mahnmal (von links: OB Hartmut Holzwarth, die Jugendräte Flora Nasseri und Niclas Meyer-Riedt). © Gabriel Habermann

Bestimmt 250 Menschen haben sich am Freitagmorgen im Winnender Stadtgarten versammelt, um der Opfer des Amoklaufs vom 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen zu gedenken. In seiner Ansprache schlug Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth den Bogen zu den Menschen in der Ukraine, die aktuell unter Gewalt und Terror leiden, und warb für Solidarität: „Wir sind mit unserer Trauer um unsere Opfer von Gewalt nicht allein. Durch das Denken an die Opfer andernorts gewinnen wir an Stärke.“ 

Als um 9.33 Uhr die Glocken der Winnender Kirchen läuteten, verstummten die leisen Gespräche im Stadtgarten. Um genau diese Zeit vor 13 Jahren war der erste Notruf bei der Polizei eingegangen. An der Albertville-Realschule hatte ein ehemaliger Schüler das Feuer eröffnet. Kurze Zeit später waren 15 Menschen tot. „Von ihm aus dem Leben gerissen“, wie OB Holzwarth erinnerte, „für immer ihren Lieben, ihren Freunden und Kollegen, ihren Mitmenschen genommen“. An der Albertville-Schule starben 2009 acht Schülerinnen, ein Schüler und drei junge Lehrerinnen durch die Schüsse. In Winnenden und Wendlingen tötete der Amokläufer drei Männer.

Anschließend nahm er sich selbst das Leben.

15 Namen, die nicht in Vergessenheit geraten werden

13 Jahre später kommt die Stadtgemeinschaft noch immer in beachtlicher Zahl zusammen, gedenkt und erinnert an die Menschen, die damals ihr Leben lassen mussten. Die Jugendgemeinderätin Flora Nasseri (19) und ihr Kollege Niclas Meyer-Riedt (20) haben am Freitagvormittag einmal mehr die Namen dieser Menschen verlesen: Jacqueline Hahn, Ibrahim Halilaj, Franz Just, Stefanie Kleisch, Michaela Köhler, Selina Marx, Nina Mayer, Viktorija Minasenko, Nicole Nalepa, Chantal Schill, Jana Schober,Sabrina Schüle, Kristina Strobel, Denis Puljic, Sigurt Wilk.

„Wir fühlen besonders heute mit den Angehörigen“, hatte zuvor OB Holzwarth gesagt. Die „monströse Tat“ erinnere daran, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit sei. Mit Blick auf die Gedenkstätte im Stadtgarten sagte das Stadtoberhaupt: „Diesen bitteren Riss durch die Menschheit symbolisiert unser ,Gebrochener Ring‘. Er mahnt uns und vor allem: Er bäumt sich zugleich auf. Er fordert uns auf, Gewalt nicht hinzunehmen, sondern uns gegen sie zu wenden.“

Der 11. März als Gedenktag für Terroropfer – keine Konkurrenz, sondern Solidarität

Seit diesem Jahr ist der 11. März nationaler Gedenktag für die Opfer des Terrors. Ausgangspunkt sind wohl die Terroranschläge von Madrid am 11. März 2004. Der „Zusammenfall“ mit den Ereignissen von Winnenden 2009 sei „jedenfalls für uns bemerkenswert“, sagte Holzwarth. Eine Konkurrenz im Gedenken macht der Oberbürgermeister keinesfalls aus, im Gegenteil: Das Denken an Menschen, die anderswo Opfer von Gewalt geworden sind, stärke auch die Winnender und Winnenderinnen. „So können wir besser für ein Ende von Gewalt und Terror, für die Solidarität bei Katastrophen einstehen. Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die in diesen Tagen in der Ukraine sterben, leiden und ihre Heimat verlassen haben. Wir wünschen ihnen und allen Menschen auf der Erde: Frieden.“

Pfarrer Thomas Mozer: „Noch immer ist es uns wie ein Wahnsinn“

Pfarrer Thomas Mozer von der evangelisch-methodistischen Kirche sprach ein Gebet und versuchte, die kollektive Gefühlslage in Worte zu fassen: „Noch immer vermissen wir. Noch immer ist es uns wie ein Wahnsinn. Noch immer ringen wir damit, dass es überhaupt geschehen konnte.“ In seine Ansprache bezog er auch diejenigen mit ein, „die den Amoklauf in Heidelberg im Januar erleben mussten“, sowie die Menschen in der Ukraine, „die gerade einen Amoklauf als ganzes Land erleben müssen“. Gemeinsam mit den Anwesenden betete Mozer dann das Vaterunser.

Susanne Kiefer (Flöte), Michael Kiefer (Oboe) und Michael Roser (Fagott) verliehen der Gedenkfeier mit dem Adagio von Georg Friedrich Händel einen würdigen musikalischen Abschluss. Einige im Winnender Stadtgarten hielten sich dabei ganz fest in den Armen.

Auch in mehreren Gottesdiensten wird am Freitag der Opfer des 11. März gedacht worden. Für den Abend hat der Jugendgemeinderat zu einer Lichterkette auf dem Marktplatz eingeladen. Diese schlängelt sich dann durch die Stadt, am „Gebrochenen Ring“ vorbei, hinab auf den Schulhof der Albertville-Schule. Dort spielen die Old Stars, eine frühere Schulband, und die Teilnehmer füllen mit ihren Kerzen ein Herz, das auf dem Boden vorbereitet wird. Daneben werden, ebenfalls mit Kerzen aufgestellt, die Worte flackern: „Die Liebe bleibt.“

Bestimmt 250 Menschen haben sich am Freitagmorgen im Winnender Stadtgarten versammelt, um der Opfer des Amoklaufs vom 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen zu gedenken. In seiner Ansprache schlug Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth den Bogen zu den Menschen in der Ukraine, die aktuell unter Gewalt und Terror leiden, und warb für Solidarität: „Wir sind mit unserer Trauer um unsere Opfer von Gewalt nicht allein. Durch das Denken an die Opfer andernorts gewinnen wir an Stärke.“ 

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