Winnenden

Amtsgericht: Ex-Freundin ins Gesicht geschlagen und bedroht

Waiblingen im Amtsgericht 3
Die Kontrahenten hätten keine Gerichtsverhandlung gebraucht – aber bei schwerer Körperverletzung schreibt das Gesetz eine Strafe vor. Und die setzt das Amtsgericht fest. © Habermann / ZVW

Waiblingen/Winnenden. Seit mehr als vier Jahren lebt eine Winnenderin in Angst vor ihrem Ex-Mann. Er drohte mehrmals, sie umzubringen, stellte ihr nach und verletzte sie zweimal im Gesicht. Nach der ersten Attacke war der Mann bereits 2012 verurteilt worden. Für den zweiten Angriff, am 23. Dezember 2015, verhängte das Amtsgericht nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, auf Bewährung.

Am Tag vor Weihnachten war der Vater mit der Tochter unterwegs und wollte sie der Mutter auf dem Parkplatz eines Supermarkts übergeben. Die Freundin der Mutter begleitete sie wegen der Drohungen und früherer Gewaltausbrüche, war aber kurz im Rewe zum Einkaufen. „Als ich rauskam, saß sie im Auto, er stand davor, das Kind saß hinten. Ich näherte mich und merkte, dass sie stritten.“

Mann soll Ex-Freundin ins Gesicht geschlagen haben 

Dann sah die Zeugin, wie er angriff, die Straßenlaternen ließen einen glänzenden Gegenstand, vielleicht einen Schlüssel, in seiner Hand aufblitzen, mit der er seiner Ex-Frau zweimal ins Gesicht schlug. „Als ich die Wunden sah, begriff ich, es war etwas Schneidendes.“ Die 47-jährige Freundin gebot ihm, einzuhalten, er beleidigte sie und ging dann plötzlich drohend auf sie zu. „Das Kind weinte und schrie ,Mama’“, sagte die Zeugin dem Gericht. Als sie den Mann anschrie, ließ er schließlich ab und ging.

Frau im Krankenhaus behandelt 

Im Winnender Krankenhaus wurde die Frau noch am selben Abend, es war kurz vor 22 Uhr, mit Schnittverletzungen an der Wange und an der Hand behandelt. Mit was und warum der Mann geschlagen hat, blieb im Dunkeln. Die Geschädigte traute sich nicht, ihm im Zeugenstand gegenüberzutreten, und der Angeklagte machte keine Angaben zur Sache.

Angeklagter gesteht alles...

Der Mann, heute 49 Jahre alt und bei einer Freundin in Marbach wohnend, ließ jedoch seinen Anwalt alle Vorwürfe – gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung – einräumen und sich entschuldigen. „Er hat sein Leben nun wieder auf eine sichere Bahn gestellt, so etwas wird nicht mehr passieren“, sagte Verteidiger Marko Becker für seinen Mandanten, der 1996 von der Türkei nach Deutschland gekommen ist, einen deutschen Pass besitzt und wieder Arbeit hat. Außerdem sicherte er zu, schriftlich um Entschuldigung zu bitten.

...und zeigt Reue 

Am Ende der Verhandlung sagte der Angeklagte, der Dolmetscher übersetzte: „Je älter der Mensch wird, desto vernünftiger wird er. Es tut mir aufrichtig leid. Was passiert ist, wird sich nicht wiederholen. Wenn doch, bin ich bereit, meinen Kopf hinzuhalten.“

„Martyrium, das sich über Jahre hingezogen hat“

Sein Verteidiger beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Eine Scheidung und fünf gemeinsame Kinder sei immer emotionsgeladen, sagte der Rechtsanwalt, „für manche ist es schwer, sich zu kontrollieren.“ Inzwischen sei aber über ein Jahr ohne weiteren Vorfall vergangen. Die Rechtsanwältin der Geschädigten hingegen sprach von einem „Martyrium, das sich über Jahre hingezogen hat“. Ihre Mandantin habe Angst, dass er ihr auflauert und sie umbringt. Sie forderte „eine empfindliche Freiheitsstrafe ohne Bewährung“, nach all dem, was die Frau durchgemacht habe.

Gefängnis auf Bewährung für Angeklagten 

„Die Angst der Frau ist nachvollziehbar“, sagte die Richterin. Aber da die beiden seit dem letzten Vorfall keinen Kontakt mehr hatten, sieht sie keine unmittelbare Gefahr. Dr. Bidell setzt die einjährige Gefängnisstrafe vier Jahre lang zur Bewährung aus. Das heißt, der Mann bleibt auf freiem Fuß, wenn er in dieser langen Zeit nicht mehr gewalttätig wird. Zudem muss der Mann 1000 Euro ans Deutsche Kinderhilfswerk spenden.

Unterhalt zahlt er nicht

Im dritten Anlauf hat es geklappt, dem 49-Jährigen den Prozess zu machen. Im August und im Oktober war der Mann trotz ordnungsgemäß abgegebener Ladung nicht in Waiblingen erschienen. Die Richterin erließ im Oktober daher einen „Vorführbefehl“.

Richterin Dr. Bidell wollte vom Angeklagten wissen, was er verdiene – es sind 1880 Euro brutto. An der Miete seiner Freundin beteilige er sich. „Zahlen Sie Unterhalt für die Kinder?“, wollte sie noch wissen. „Nein. Ich wurde auch noch nie schriftlich dazu aufgefordert“, ließ der Mann den Dolmetscher übersetzen.

Die Freundin der Frau stellte den Mann schon einmal zur Rede. „Er sagte, ich mache, was ich will, von dir lasse ich mir nichts sagen.“ Die 47-Jährige war mit einer Zeugenbegleiterin ins Gericht gekommen.