Winnenden

Asien-Perle: Kurz vor dem Tod Sprachnachrichten verschickt

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Hat für den Zeitraum von etwa einer Woche im Restaurant Asien-Perle gearbeitet: Dumitru A., einer der beiden Angeklagten. © Alexander Becher

Backnang/Stuttgart. „Was ist Geld wert, wenn man tot ist?“, fragte Hong Tang, der Sohn der im März 2016 getöteten Restaurantbetreiberin Aie Wu. Der 24-Jährige hat am jüngsten Verhandlungstag über das Leben und die Gewohnheiten seiner Mutter gesprochen.

Auf die Frage eines Verteidigers, wie seine Mutter wohl regiert hätte, wenn ihr jemand die Geldbörse klauen wollte, antwortete er ausführlich: „Meine Mutter war sehr sparsam, ja geizig. Sie hat sich auch selbst nie etwas gegönnt.“ Weil sie in China in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war und sich alles selbst erarbeiten musste, habe sie die Finanzen stets im Blick gehabt.

"Sie war auch in der Lage, ein Risiko einzuschätzen" 

„Sie wollte auch die Einkäufe für das Restaurant am liebsten selbst machen.“ So wird auch ein Stück weit verständlich, warum Aie Wu so große Geldbeträge in ihrem Privatzimmer in der Asien-Perle aufbewahrte. In der Tatnacht waren dort etwa 20.000 Euro gestohlen worden, weitere Tausende Euros hatten sich noch im Zimmer befunden.

„Sie würde ihr Geld wohl nicht so einfach hergeben“, räumt Hong Tang ein. „Aber sie war auch in der Lage, ein Risiko einzuschätzen.“ In einer früheren Ehe sei seine Mutter vom Ehemann geschlagen worden. Sie habe bestimmt gewusst, wann man nachgeben muss.

Die letzte Nachricht hat Aie Wu nicht mehr abgehört

In der Nacht, in der die 53-jährige Aie Wu getötet wurde, sei er noch nach 1 Uhr an der Asien-Perle vorbeigefahren, erzählt der Sohn. Ihm sei nichts Merkwürdiges aufgefallen, im Gastraum habe kein Licht mehr gebrannt. Dass auch jene Bediensteten, die im Untergeschoss des Restaurants übernachtet hatten, von der Tat nichts mitbekommen haben, verwundert den 24-Jährigen nicht. „Wenn der Lärm nicht direkt über einem ist, hört man davon unten nichts.“

Merkwürdiges hatte hingegen die Schwiegermutter seines Bruders Jian Wang zu berichten. In der Tatnacht habe sie noch über das Programm WeChat mit Aie Wu gesprochen. Beide Frauen hätten sich von 23.51 Uhr an gegenseitig Sprachnachrichten zugesandt. Anfangs sei es dabei um Möbel gegangen, die Aie Wu aus China bestellen wollte.

„Normalerweise haben wir immer sehr lange geplaudert“

„Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt in China und sollte ihr Stühle mitbringen“, erzählt die 47-Jährige. Dann habe Wu ihr empfohlen, früher Feierabend zu machen. „Ich solle auf meine Gesundheit achten“, habe ihr die Inhaberin der Asien-Perle geraten. „Normalerweise haben wir immer sehr lange geplaudert“, berichtet die Gegenschwägerin.

Die 47-Jährige bezeichnete Wu als „nahe Verwandte“, mit der sie sich oft unterhalten habe. In jener Nacht sei Aie Wu jedoch kurz angebunden gewesen. Auch habe sie für gewöhnlich noch eine gute Nacht gewünscht – dafür gebe es bei WeChat ein besonderes Symbol, das Wu immer nutzte.

Aie Wus letztes Lebenszeichen

An jenem Abend fehlte auch das. Um 0.02 Uhr kam die letzte Sprachnachricht von Aie Wu auf dem Handy der 47-Jährigen an. Ihre Antwort, die eine Frage an die Inhaberin der Asien-Perle enthielt, hat die 53-Jährige schon nicht mehr abgehört. Die Sprachnachrichten – Aie Wus letztes Lebenszeichen – wurden von der Polizei eingehend analysiert.

Wie auch die 47-jährige Gegenschwägerin, so bemerkten die Beamten keine Anzeichen von Kampfgeräuschen oder körperlichen Auseinandersetzungen. Jedoch schien es in einer der letzten Nachrichten, als werde eine Tür geöffnet.

Keine mafiösen Strukturen

In der darauffolgenden Nachricht vernahmen die Polizisten ein Hallen von Aie Wus Stimme. Möglicherweise hatte die 53-Jährige die Damentoilette betreten, in der sie in jener Nacht starb. Über Streitigkeiten, in die Aie Wu verwickelt war, wusste die Gegenschwägerin nichts zu berichten, auch Hong Tang sei darüber nichts bekannt.

Er bekräftigte nur, was auch sein Bruder schon gesagt hatte: Mit mafiösen Strukturen habe die Familie nichts am Hut gehabt. Dass die Polizei in diese Richtung ermittelt hat, habe ihn geärgert.

Ein angestellter Koch, der ebenfalls befragt wurde, gab an, dass die Chefin ihm gegenüber immer freundlich gewesen sei. Als streng habe er sie nicht empfunden. Er habe nie mitbekommen, dass sich jemand über die 53-Jährige beschwert habe. Zum Tatzeitpunkt war er in den Räumen im Untergeschoss, wo er auch übernachtete.

Weitere Verhandlungstermine bis in den Dezember

Dumpfe Geräusche, die zwei Kellnerinnen in der Tatnacht gehört haben wollen, konnte er nicht bestätigen – er habe zu besagter Zeit Kopfhörer aufgehabt. Worüber er jedoch keine Zweifel hatte: Es habe in der Asien-Perle kein weißes Klebeband gegeben. Mit solchem war Aie Wu gefesselt worden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Angeklagten das Klebeband mitgebracht haben mussten.

Da der Prozess sehr umfangreich ist, wurden weitere Verhandlungstermine bis in den Dezember hinein festgelegt. Wann ein Urteil zu erwarten ist, steht noch nicht fest.