Winnenden

Auf der Spur der Fledermäuse

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Fledermaeuse
Der ehemalige Steinbruch im Leutenbacher Teilort in Weiler zum Stein ist ein beliebtes Ziel von Spaziergängern und Naturliebhabern. © ZVW / Schneider
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Fledermaus-Experte Werner Fleischmann von der Nabu-Gruppe Winnenden. © ZVW / Schneider

Leutenbach-Weiler zum Stein. Sie sind nicht allzu groß – die Rede ist von wenigen Zentimetern. Tagsüber verstecken sie sich in Felsspalten oder Baumhöhlen. Um kaum ein anderes Säugetier brodelt so sehr die Gerüchteküche wie um die Fledermaus, weiß Werner Fleischmann. Im ehemaligen Steinbruch in Weiler zum Stein leben gleich mehrere Arten. Unterwegs mit dem Fledermaus-Experten.

Video: Den Fledermäusen im Steinbruch Weiler zum Steim auf der Spur mit Werner Fleischmann von der Nabugruppe Winnenden
 

Werner Fleischmann schnappt sich ein Gerät, einen sogenannten Fledermaus-Detektor, und eine Taschenlampe. Der Mond ist bereits über dem ehemaligen Steinbruch in Weiler zum Stein aufgegangen. Es ist noch nicht ganz dunkel. „Ideal, wenn man Fledermäuse sehen möchte“, sagt der Experte vom Naturschutzbund (Nabu) der Gruppe Winnenden. Und kaum ist er ein paar Schritte in Richtung des Sees gegangen, flitzt auch schon die erste Flugmaus von Baumwipfel zu Baumwipfel. Viele Gelegenheiten bieten sich nicht mehr, dass man die nachtaktiven Säugetiere beobachten kann, so Fleischmann. Denn bald schon verziehen sie sich in ihre Winterquartiere: Höhlen auf der Schwäbischen Alb. Denn in dieser Zeit mögen es die kleinen Tierchen eher kuschelig. Die Rede ist von Temperaturen von drei bis acht Grad Wärme sowie einer hohen Luftfeuchtigkeit von annähernd 100 Prozent. Hier im ehemaligen Steinbruch sind die Fledermäuse nicht registriert, so Fleischmann, daher habe man die exakten Flugrouten bisher nicht untersuchen können.

Der Fledermausdetektor

Unterscheiden kann man die Säugetiere ganz einfach an ihrem Rufen – und genau dazu braucht man den Fledermausdetektor. Er macht hörbar, was das menschliche Ohr nicht erfassen kann. Die Zwergfledermaus gibt höhere Töne von sich, während der Große Abendsegler fast schon abgehackte Laute ausstößt. Jede Fledermausart bevorzugt teils andere Insektenarten. Dazu haben sie ihre Flügelform, den Flugstil und auch die Ortungsrufe angepasst. So kommen sie sich bei der Beutesuche nicht ins Gehege. Das ist der Grund, warum hier am ehemaligen Steinbruch gleich mehrere Sorten leben können. Die Wasserfledermaus jagt beispielsweise wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche des Sees dort.

Im Schein der Taschenlampe Fledermäuse aufspüren

Die Fläche nutzen aber auch noch andere Tiere. Ein Eisvogel ist von der Wasseroberfläche gestartet, bevor die Dunkelheit über den Steinbruch hereingebrochen war. „Hier sind Stichlinge drin“, klärt Werner Fleischmann auf. „Die fressen sie.“ Hinten an der Felswand wurde eine Holzkiste angebracht – ein Wanderfalkenhorst. Die Felsnischen waren nicht ausreichend als Lebensraum. Nachdem die Nabu-Gruppe Winnenden zusammen mit der Bergwacht die Holzkiste aufgehängt hatte, hat es nicht lange gedauert. „Im zweiten Jahr war der Wanderfalke drin“, so Fleischmann.

Mäuse mit Charakter

Doch Fledermäuse haben es ihm besonders angetan. „Sie haben ihren eigenen Charakter“, sagt Fleischmann. Wichtig sind sie für die Natur, weil sie eine Vielzahl an Schädlingen vernichten. Als Nabu-Mitglied nimmt der Nellmersbacher nicht nur Besucher mit in den Steinbruch, um ihnen Einblicke in die Fledermauswelt zu gewähren. Oft besucht er Schulen und gibt Nachwuchsforschern kleine Unterrichtseinheiten als Experte. Und dann steigen da ein Mann und zwei Jungs aus dem Auto aus –ausgestattet mit Taschenlampen. Sie wollen Fledermäuse entdecken. „Toll“, sagt Fleischmann. Und man merkt ihm an, wie sehr ihn das freut, dass bei den Jungs vielleicht die Begeisterung ebenso geweckt ist.


Viele Arten an Fledermäusen

Im ehemaligen Steinbruch im Leutenbacher Teilort Weiler zum Stein leben bis zu vier verschiedene Arten Fledermäuse: die Wasserfledermaus, die Zwergfledermaus, die Breitflügelfledermaus und der Große Abendsegler. In Mitteleuropa sind 25 Arten verbreitet. Weitere zehn Arten leben in Südeuropa.

Fledermäuse gelten als nachtaktiv. Weltweit gibt es aber auch Fledermausarten, die am Tag nach Insekten jagen – etwa die afrikanische Großblattnase.

Weitere Infos unter www.nabu- winnenden.de