Winnenden

Aufzugtechnik wird 2020 erneuert

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Defekter Aufzug am Winnender Bahnhof - an 49 Tagen in diesem Jahr. © ZVW/Sarah Utz
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Siegfried Lorek (links) hat Michael Groh wegen der häufig stillstehenden Aufzüge an den Winnender Bahnhof eingeladen.

Winnenden. Munter fahren die Aufzüge am Winnender Bahnhof in ihren Glastürmen hoch und runter, auch die S-Bahnen und Regionalzüge verkehren in kurzen Abständen regelmäßig. Ein vorbildlicher Montagabend, den der Winnender Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek da zufällig für seinen Erörterungstermin zur Barrierefreiheit von Bahnhöfen gewählt hat.

Im großen Kreis stehen zwei Bahnverantwortliche, zwei Betroffene, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, nebst Vertretern vom Landratsamt, von Städten und Gemeinden neben dem Aufzug an Gleis 1, rechts neben dem Bahnhofsgebäude. „Gefühlt fallen die Winnender Aufzüge viel zu oft aus“, sagt Siegfried Lorek. Er allein habe 2018 dreimal bei der Störungsstelle angerufen, vom Defekt war dieser noch nichts bekannt. „Und mindestens zweimal habe ich zusammen mit anderen Leuten die Tür manuell öffnen müssen“, gesteht Lorek, dass dies der Technik sicher auch nicht gutgetan habe. Sein Fazit: „Ich kann nicht glauben, dass die Aufzüge 97 Prozent der Zeit verfügbar sind.“ Dieses Ziel hat sich die Bahn selbst vorgegeben.

Drei Wochen Stillstand im Mai: Notruftelefon ausgefallen

Doch Michael Groh, Leiter Regionalbereich Südwest bei DB Station und Service, bleibt dabei, die Aufzüge seien aufs Jahr bezogen „zu 97 Prozent verfügbar“. Gut, es habe den dreiwöchigen Ausfall im Mai gegeben. Grund: Die Telefonleitung der Telekom war nicht verfügbar, der sichere Betrieb des Aufzugs daher nicht gewährleistet, also wurde er stillgelegt. „Dann haben wir Notrufgeräte nach dem neusten Standard eingebaut, damit wir künftig zwei Möglichkeiten für den Notruf haben“, erläutert Groh. Die „dreitägige Störung im September“ habe zum Austausch einer Platine geführt.

Der Bahnmanager kann oder will offenbar nicht rechnen

Dass Michael Groh selbst statt der tolerierten elf Tage Ausfall im Jahr schon durch diese zwei Beispiele 24 Tage Ausfall beschreibt, dass er also nicht rechnen kann oder will, hält dem Manager niemand aus der Montagabendrunde vor. Die betroffene Rollstuhlfahrerin Angelika Bochnig aus Winnenden hat sich von der Begegnung ohnehin nicht die schlagartige Wende zum Besseren versprochen. Immerhin kommt Groh mit einer handfest wirkenden Zusage in den Kreis: „Im Jahr 2020 wird die Aufzugtechnik am Winnender Bahnhof komplett erneuert.“ Dann sind die 17 Jahre angenommener Lebensdauer vorbei, dann darf die Bahn Geld, das ihr die Politik für die barrierefreien Bahnhöfe zur Verfügung stellt, wieder in größerem Ausmaß in Winnenden investieren.

Vor den Heimattagen sollen die Aufzüge öfter gewartet werden

„Es wäre doch aber wichtig gewesen, dass die Aufzüge zu den Heimattagen 2019 funktionieren, wenn die Stadt viele Besucher erwartet“, wirft Daniel Beutler, Begleiter von Angelika Bochnig, ein. Den Technikaustausch kann die Bahn nicht vorziehen, darauf beharrt Michael Groh. „Aber wir können das Wartungsintervall erhöhen, von viermal auf sechsmal im Jahr“, sagt Markus Müller von DB Services der Runde zu, die wohlwollend nickt.

„Ich wünsche mir außerdem, dass Sie die Kommunikation verbessern“, sagt Siegfried Lorek zu Michael Groh. „Es sollte bei den zuständigen Stellen ein Prozess hinterlegt werden, dass immer, wenn einer der Winnender Aufzüge gestört ist, die Züge automatisch Gleis 1 ansteuern.“ Dieses Nebengleis ist nämlich ohne Aufzug und Treppen direkt vom Bahnhofsvorplatz aus barrierefrei zu erreichen. Dummerweise gilt es als sogenanntes „langsames Gleis“, das über eine extra Weichenstellung angesteuert wird und daher dazu führen kann, dass die Züge aus dem Takt kommen. Daher müssen Gehbehinderte, die vor Antritt ihrer Fahrt herausfinden, dass der Aufzug gestört ist, sich beim Mobilitätsservice melden und den Halt an Gleis 1 umständlich beantragen. Auch das ist keine Garantie, dass der Rollstuhlfahrer mitgenommen wird – wenn die Anmeldung nicht ankommt oder der betreffende Zug keine Rampe hat. Angelika Bochnig ruft sich in solch einem Fall ein Taxi, das die DB bezahlt.

Kleine Steine und Kaugummis sind die häufigste Ursache für Störungen

„Innerhalb von zwei Stunden müssen wird reagieren und eine als defekt gemeldete Anlage entstören“, sagt Markus Müller von DB Services auf Nachfrage vom Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek. „Die gängigen Ersatzteile liegen zentral in Eschborn auf Lager“, berichtet er, dass die Bahn mit fünf großen Aufzugherstellern Verträge hat.

Angelika Bochnig hat da andere Zeiterfahrungen gemacht: „Steht der Aufzug vier Tage, bekommt Oberbürgermeister Holzwarth von mir eine Mail. Danach, so ist mein Eindruck, geht es schneller mit der Reparatur.“ In der Runde sagt Markus Müller zu, dass die Information für die Aufzugnutzer verbessert werden kann: „Ein Schild sollte darüber informieren, wie lange der Aufzug voraussichtlich defekt sein wird.“

Bürgermeister Gerhard Häuser aus Schwaikheim kann sich über die Verfügbarkeit seines Bahnhofs-Aufzugs nicht beschweren, „bei uns ist eher Vandalismus das Problem“. Das kennt Markus Müller zur Genüge: Es seien oft Jugendliche, die kleine Steine in die Türschienen legen oder mit Kaugummis die Knöpfe verkleben und damit die Aufzüge lahmlegen. Klarer Fall von Sachbeschädigung, doch die Verantwortlichen erwischt man so gut wie nie.

Und selbst wenn der Rollifahrer glücklich auf dem Bahnsteig angelangt ist, ist das für eine glückende Fahrt keine Garantie, berichtet Pierre Orthen aus Leutenbach-Nellmersbach. „Die Rampe zum Bahnsteig dort ist meiner Meinung nach zu steil, als dass sie mit jedem Rollstuhl befahrbar ist. Außerdem ist der Bahnsteig so schmal, dass die Rampe in den Zug hinein kaum Platz findet.“ Er muss seinen Rollstuhl über die Seitenränder der Rampe steuern.

Angelika Bochnig kennt ein noch absurderes Beispiel aus Bad Cannstatt. „Die S-Bahn hält so, dass die Rampe am Geländer der Fußgängertreppen endet. Dann muss ich jedes Mal den Fahrer bitten, noch ein Stück vorzufahren. Das sorgt für vier, fünf Minuten Verzögerung.“ Sie dürfe sich anschließend noch „das Gegosche“ von den Mitfahrern anhören. „Ich wünsche mir, dass man an einer Tür eines Zuges selbstständig einsteigen kann, die Rampe per Knopfdruck ausfährt und ich keinen Lokführer dazu brauche“, so Bochnig.