Winnenden

Baumstamm für Bienen ausgehöhlt - Ante Hamersmit ist nicht scharf auf viel Honig

Imker
Ante Hamersmit öffnet die Klotzbeute - einen Bienenstock in einem ausgehöhlten Baumstamm. © ALEXANDRA PALMIZI

„Ich mag Honig sehr gerne“, sagt Ante Hamersmit. Aber wegen des süßen Brotaufstrichs hat er das Imkerhobby nicht angefangen. Es ist die Faszination an den Insekten und am Versuch von immer mehr Menschen, deren Behausung wieder an ihren natürlichen Bedarf anzupassen.

Seit einigen Jahren setzen konventionelle Imker, aber auch Neueinsteiger auf die große Einraumbeute statt einer mehrteiligen Magazinbeute. Ein Kasten wie vom Verein Mellifera beschrieben steht auch bei Hamersmit im Garten. Doch der 39-Jährige setzt dem eigenen Anspruch ans wesensgemäße Imkern nun noch die Krone auf: In einem viertägigen Kurs hat er einen 1,60 Meter hohen Teil eines Baumstamms mit dem Stechbeitel ausgehöhlt, nach Angaben von Kursleiterin Sabine Bergmann mit einer dicken Wand zur Wetterseite hin und einer dünneren, wo der Imker den Stock öffnet. „Von den Eichennägeln über den Keil fürs Flugloch und die Seile war alles Handarbeit, eine irrsinnig tolle Erfahrung“, sagt Hamersmit. Nur einmal, für die Kontrollklappen, kam die Motorsäge zum Einsatz.

Er mag es, wenn die Bienen um ihn herumschwirren

Dann brachte er das schwere Teil (250 Kilogramm) namens Klotzbeute aufs Stückle vom Schwiegervater bei Winnenden-Bürg. Gut, dass jener einen Traktor hat, sonst wäre der Stamm nie vom VW Bus auf das Podest gekommen, das Ante Hamersmit gebaut hat. „Mit Platz für mich zum Danebensitzen und einfach nur Beobachten“, freut sich der Vater zweier Kinder, der in Hertmannsweiler lebt. Der perfekte Ort zum Runterkommen vom mitunter stressigen Beruf als Projektleiter in der Entwicklungsorganisation und im Training.

Als Kind kroatischer Einwanderer ist Hamersmit in Gaggenau aufgewachsen, seine Diplomarbeit führte ihn zu Stihl, wo er seine Frau kennenlernte. Sie hat mit Bienen zwar nichts am Hut, schenkte ihm aber den Kurs zum Geburtstag – mit Beute 500 Euro.

Vor gut einer Woche dann war der nächste große Moment gekommen, Ante Hamersmit durfte einen Bienenschwarm einfangen und ließ ihn in den Baumstamm einziehen. Ein paar Tage später schaut er zusammen mit der Zeitung nach, öffnet vorsichtig die Klappen und nimmt das Wachstuch ab. Die Bienen haben schon Waben in den Hohlraum (Durchmesser 25 Zentimeter, Höhe ein Meter) gebaut, ein Teil kümmert sich um die Brut, ein anderer fliegt aus, sammelt Pollen und Nektar. Ob sie in dem hohlen Baum überleben und sich wohlfühlen, wird die Zeit weisen.

Hoffnung auf ein Mikroklima, das die Gesundheit der Bienen fördert

Namhafte Bienenforscher wie der emeritierte Prof. Jürgen Tautz haben die Theorie, dass die Baumhöhle gesund für Bienen ist. Bei einem Vortrag in Waiblingen (Bericht vom 13.01.2017) nannte er diverse Stoffe im Holz, die gegen Krankheiten wirken könnten. Bienen sind ursprünglich Waldbewohner, die Vorgänger der Imker, die Zeidler, mussten hoch klettern, um an Wachs und Honig zu kommen. „Die Hoffnung ist, durch ein geeignetes Mikroklima und eine wesensgemäßere Haltung auf Behandlungen gegen die Varroamilbe verzichten zu können“, sagt Ante Hamersmit. Viele Probleme seien erst entstanden, weil der Mensch die Bienen von Baum- zu Kastenbewohnern gemacht hat, so die Annahme.

Der Hertmannsweilermer hat genug Bekannte, die imkern, und von denen er weiß, dass die alternative Haltungsform von vielen kritisch gesehen wird. Die kann er ein Stück weit beruhigen. „Hier unten ist Platz für die Kontrolle des Milbenbefalls, und wenn sie im Spätsommer überhandnehmen, wende ich Oxalsäure an“, sagt der 39-Jährige. Ebenfalls unten wird Ante Hamersmit Honigwaben entnehmen: „Über der Brut lagert das Volk seine Wintervorräte, darunter brütet es Drohnen aus und packt den überschüssigen Honig dazu“, so die Klotzbeuten-Theorie.

Ein Herz auch für Wildbienen

Er geht also zwar mit wenig Erfahrung, dafür keineswegs ganz blauäugig, sondern mit Liebe zur Natur und auch Humor an die Sache heran. „Jedes Volk bekommt bei mir einen Namen“, deutet er auf die Inschrift Nairobee, eine Mixtur aus der kenianischen Hauptstadt und dem englischen Wort für Biene. „Ein kleiner Spleen von mir, aber für mich sind die Beuten Städte.“

Auch für die Wildbienen zeigt Ante Hamersmit rührende Fürsorge: Totholzhaufen lagern unter zwei Podesten, um ein Wildbienenhaus hat er einen Steinhaufen geschichtet, aus dem sich eine Eidechse in die Sonne wagt. Eine bienensichere Tränke versorgt die Insekten mit Wasser. „Nur ein Fünftel der Wiese ist für den Menschen da“, zeigt er auf ein paar Holzklötze um eine Feuerstelle herum. Hier mäht er mehrmals im Jahr, auf dem Rest der Fläche nur einmal.

„Mein anderes großes Hobby ist das Fotografieren“, sagt Ante Hamersmit. Und da sich viele Freunde und Bekannte bei ihm nach dem Wohl der Bienen erkundigen, hat er mit schönen Fotos einen eigenen Kanal auf Instagram: @antes.golden.girls

„Ich mag Honig sehr gerne“, sagt Ante Hamersmit. Aber wegen des süßen Brotaufstrichs hat er das Imkerhobby nicht angefangen. Es ist die Faszination an den Insekten und am Versuch von immer mehr Menschen, deren Behausung wieder an ihren natürlichen Bedarf anzupassen.

Seit einigen Jahren setzen konventionelle Imker, aber auch Neueinsteiger auf die große Einraumbeute statt einer mehrteiligen Magazinbeute. Ein Kasten wie vom Verein Mellifera beschrieben steht auch bei Hamersmit im Garten.

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