Winnenden

Biergärten, Restaurants und Cafés in Winnenden öffnen wieder: Alle mit Freude, manche vorsichtig

Gastro-Öffnungstag
Zwei Freunde in der Bamboo Lounge kurz vor der Wiedereröffnung. © ALEXANDRA PALMIZI

Letzte Woche noch musste Gastronom Michael Kuhn einen Gast, der am Samstag seinen Geburtstag bei ihm feiern wollte, sozusagen des Kreises verweisen: Ob Ostalb oder Tübingen, woanders war die Inzidenz schon früher dauerhaft unter der 100er-Marke, die Lokale durften öffnen. Seit Montag, 31. Mai, sind die Rems-Murr-Gastronomen nun auch mit von der Partie, und dazu strahlt die Sonne aus Leibeskräften und versucht, die ungewöhnliche Mai-Kälte endlich zu verscheuchen. So gesehen haben Biergartenfreunde noch nicht viel verpasst durch den langen Lockdown.

Doch wie startet Michael Kuhn jetzt durch? Vorsichtig: „Wir wollen uns erst einmal zwei Wochen lang ‘rantasten und öffnen den Biergarten Bamboo Lounge zwar täglich, aber erst ab 16.30 Uhr.“ Zu viele Unwägbarkeiten liegen noch in der Luft. Bleibt die Inzidenz unter 100, fährt sie wieder hoch oder rutscht sie vielleicht sogar dauerhaft unter 50? Wie läuft es mit dem Kontrollieren der „Drei G – geimpft, genesen, getestet“? Kommen überhaupt nennenswert Leute, wenn sie doch um 21 Uhr schon wieder das Lokal verlassen sollen? „Ich kann es noch überhaupt nicht einschätzen“, sagt Michael Kuhn. „Die Schwabenalm wird daher weiter ihre Essen zum Mitnehmen kochen, von Donnerstag bis Sonntag“, sagt Kuhn. Alles nach sieben Monaten Zwangspause schnell hochfahren, Zapfanlagen reinigen, Lebensmittel einkaufen, mit dem Risiko, vielleicht wenige Tage später doch wieder schließen zu müssen, scheint ihm heikel.

Ganz sicher ist hier an der Albertviller Straße 47, gegenüber von Alfred-Kärcher-Halle und Stadion, dass alle 32 Mitarbeiter wiederkommen, sich aufs Loslegen und Bewirten freuen – und dass es ein Schnelltestzentrum der Apotheke am Torturm auf dem Schotterparkplatz gibt.

Das Auge isst mit: Teller anrichten macht enormen Unterschied

In der „Schönen Aussicht“ in Bürg bekommen wir einen emsigen und fröhlichen Volker Bauer ans Telefon, der sich auf die ersten Mittagsgäste seit gefühlten Ewigkeiten freut. „Endlich dürfen wir wieder Gäste bei uns haben, uns um sie kümmern – und das Essen wieder auf Tellern anrichten. Allein damit geht eine ganz andere Wertschätzung einher“, findet er. Wohl wahr: Die Abholessen waren eine andere Art der Gastronomie, zu Hause war das Mahl oft schon lauwarm, und am Ende hatte der Gast den Verpackungsmüll zu entsorgen. Nun keimt die Hoffnung, dass dies bald der Vergangenheit angehört. Von Ansturm ist zwar noch nicht die Rede, „nach dem ersten Lockdown dauerte es zwei Wochen, bis die Leute Vertrauen fassten“, erinnert sich Bauer. Gleichwohl kann er jetzt, nach der dritten Welle, berichten: Seit fünf Tagen klingelt im Hotel-Restaurant das Telefon alle fünf Minuten. Die Gäste reservieren Tische oder fragen, was sie mitbringen sollen. „Die meisten kennen die Regeln gut und wollen sie sich von mir einfach bestätigen lassen“, erzählt Bauer zum Beispiel von einer kleinen angemeldeten Geburtstagsrunde mit acht Personen. Da drei als komplett immunisiert gelten, zählen sie nicht dazu, es wird klappen mit dem Zusammensitzen.

In den vergangenen Monaten hat Volker Bauer außerdem gemerkt, wie konsequent und diszipliniert die Leute freiwillig Maske zum Essenabholen aufsetzten oder, bis November, wenn sie den Tisch verließen und auf die Toilette gingen. „Von daher habe ich auch so weit Vertrauen, dass die Leute negativ getestet, geimpft oder genesen sind und mir die richtigen Nachweise dafür zeigen.“ Wer es nicht schafft, vor dem Restaurantbesuch einen offiziellen Schnelltest zu buchen, für den hält die „Schöne Aussicht“ Schnelltests vor und verlangt nur den Selbstkostenpreis.

Bis 21 Uhr ist erlaubt, draußen oder auch drinnen zu sitzen, bei Familie Bauer gar kein Problem: „Wir hatten schon vor Corona überall eine Be- und Entlüftung für den Luftaustausch. Und nun haben wir noch einen Ozongenerator für eine Luftreinigung nachts angeschafft und in den Räumen UV-Lampen, die Bakterien und Viren töten.“ Dass er da von Verhältnissen fast wie in einem OP-Saal spricht, scheint nicht übertrieben.

Café-Premiere: Bio-Bäckerei Weber erleichtert

„Endlich dürfen wir unser Café öffnen“, steht gleich einem Stoßseufzer auf der Internetseite der Bio-Bäckerei Weber. Als es an der Ringstraße 48 im Januar, vier Wochen später als der neue Laden, fertig wurde, musste es coronabedingt noch zubleiben. Inzwischen ist aber auch der Innenhof am Mehrgenerationenhaus fertig gestaltet, so dass künftig Gäste von 6.30 bis 18 Uhr und samstags von 6 bis 13 Uhr drinnen oder auch draußen Platz nehmen dürfen, zum Kaffee einen Kuchen oder etwas Salziges zum Tee bestellen und die originelle Einrichtung bewundern dürfen. „Auch wir fragen sie nach den ,drei G’“, sagt Geschäftsführer Klaus Späth, „aber noch lässt sich der erste Tag ruhig an, es sind doch viele in Urlaub gefahren jetzt in den Pfingstferien.“ Und danach, hofft das ganze Weber-Team, werden die Einschränkungen bald der Vergangenheit angehören.

Letzte Woche noch musste Gastronom Michael Kuhn einen Gast, der am Samstag seinen Geburtstag bei ihm feiern wollte, sozusagen des Kreises verweisen: Ob Ostalb oder Tübingen, woanders war die Inzidenz schon früher dauerhaft unter der 100er-Marke, die Lokale durften öffnen. Seit Montag, 31. Mai, sind die Rems-Murr-Gastronomen nun auch mit von der Partie, und dazu strahlt die Sonne aus Leibeskräften und versucht, die ungewöhnliche Mai-Kälte endlich zu verscheuchen. So gesehen haben

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