Winnenden

Bio-Bäcker Weber eröffnet neuen Laden und erlebt am ersten Morgen einen Supergau

Bäckerei Weber
Die Bio-Bäckerei Weber befindet jetzt sich eine Haustür weiter, neben dem alten Laden im neuen Geschäft an der Ringstraße in Winnenden. © ALEXANDRA PALMIZI

Alles war bestens vorbereitet und exakt im Zeitplan. Die Bio-Bäckerei Weber öffnete wie angekündigt am 1. Dezember ihre Türen zum neuen Laden mit Café. Doch dann das. Von „Supergau“ spricht Geschäftsführer Klaus Späth, von einem "Albtraum für jeden Bäcker". Er meint damit nicht die Schließung des neuen Cafés, die war ja coronabedingt längst absehbar und sozusagen von der Politik angekündigt. Nein, der Grund kam urplötzlich und mitten in der Nacht, als die Teige geknetet und die Brezeln geschlungen waren: „Heute Nacht ist der Gasbrenner unseres Backofens kaputtgegangen. Wir hatten morgens keine frische Ware.“ Auweia. Keine Brötchen und Brezeln lagen also duftend in den Körben sondern nur ein paar einsame Vollkornbrote vom Vortag zierten die neuen Regale. Klaus Späth guckt  unter seiner Maske sichtlich blass, müde und mitgenommen drein. „Wahrscheinlich hat das Schneewetter uns noch in die Karten gespielt und es sind nicht ganz so viele Kunden gekommen wie sonst“, vermutet er. „Uns war klar, dass es eher eine heimliche, stille, leise Eröffnung wird und wir die Feier nachholen müssen“, so Klaus Späth. „Doch dass uns der Brenner unseres Ofens nach nur vier Jahren derart im Stich lässt, damit konnte man nicht rechnen.“

Gasbrenner kaputt, und dann auch noch die Bestellung „verhobasselt“

Doppeltes Pech für die Bio-Bäckerei war, dass erst um 6 Uhr morgens der Monteur feststellte, dass irgendjemand in der Nacht die Not-Bestellung des neuen Gasbrenners „verhobasselt“ hat, wie Späth sagt. Was auf schönstem Schwäbisch heißt: versiebt, versemmelt, vergessen.

Doch jetzt funktioniert wieder alles. Am Mittwoch kann’s ganz normal mit dem ganzen Backprogramm weitergehen. Am Dienstagnachmittag immerhin liegen einige frische Laibe und Kapselbrote mit reichlich Körnern oben drauf appetitlich verlockend in der großen Auslage, stecken Urweizenbaguettes in den geflochtenen Körben und liegen Seelen auf den Blechen in der Vitrine. Auch drei verschiedene Kuchen gibt’s und der Automat für Kaffee und Tee zum Mitnehmen tut ebenfalls seinen Dienst. Die Bäckerei hat ihren eigenen To-Go-Becher, ist aber auch am Recup-System angeschlossen.

Leuchtende Augen und Lob von der eintretenden Kundschaft

Die Kunden betreten mit leuchtenden Augen den neuen Laden, der direkt neben dem alten liegt. Lassen ihre Blicke schweifen über die verglaste Theke, die auf einem hell gebeizten Holzsockel sitzt. Gratulieren den Verkäuferinnen und dem Geschäftsführer – und genießen die hohe Decke aus schwarz gestrichenem Holz, die gleichzeitig für eine angenehme, nicht hallige Akustik sorgt. Von ihr herab hängen über der Theke ovale und gebogene Metallscheiben, die jeweils einen Scheinwerfer halten.

Über den Holztischen an den Fenstern zur Ringstraße hängen ganz andere Leuchten. An unterschiedlich langen Kabeln befinden sich nebeneinander große Glasbirnen mit verschiedenen Mustern, eine heimelige, aber doch moderne Interpretation eines Kronleuchters. „Die Materialien wirken hochwertig, aber nicht kalt“, sagt Marion Fritz, die mit einer großen Brezel aus Moos und bepflanzt mit Sukkulenten gratuliert. Sie hat zwölf Jahre lange mitgearbeitet, die Bio-Bäckerei Weber mit aufgebaut, und arbeitet mittlerweile bei der OBEG Hohenlohe, der Bioland-Erzeugergemeinschaft, die den Winnender Betrieb mit Mehl und anderen Rohstoffen beliefert.

Das Lob aus Marion Fritz’ Mund tut gut, ein kleiner Trost an diesem Katastrophentag, zumal sie am orientalisch gemusterten, hellen Fliesenboden und den vielen liebevollen Details erkennt, dass hier die Mischung aus modern und gemütlich gelungen ist.

Wegen der Coronavorgaben bleibt das Café im etwa 100 Quadratmeter großen Laden zwar noch geschlossen, aber betreten und anschauen darf man es natürlich trotzdem. Man geht dazu an der Adventsdekoration vorbei, einem sehenswerten alten Kinderherd und einem prächtig geschmückten Tannenbaum. Rechter Hand befinden sich die 20 bis 25 Sitzplätze des Cafés. Manche sind neue Bänke und Stühle, in frischem, hoffnungsvollem Grün gepolstert, unter einer großen, mit Pflanzenmotiven tapezierten Wand. Manche sind aber auch alte Stühle, mit Stoff oder Leder bezogen, mit gedrechselten Lehnen und Beinen. Diese acht stehen an einem langen, neuen, hölzernen Tisch und unter einem großen dunkelgrauen Ring, wiederum eine Interpretation eines Kronleuchters, aber dieses Mal ganz spartanisch, auf die Form reduziert.

An der bodentiefen Fensterfront zum Innenhof hin stehen kleine Sesselchen an einem runden niederen Tisch aus Altholz. „Diese Retroelemente sollen das Neue auflockern“, sagt Klaus Späth.

Café eröffnet womöglich erst im Frühjahr – je nach Pandemielage

„Ich glaube nicht, dass wir im Januar das Café öffnen dürfen“, sagt Klaus Späth, da geht’s den Bäckern wie allen anderen Gastronomen auch. Sie müssen abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt und wie die Politik mit ihr weiter umgeht. „Ich rechne damit, dass wir erst im Frühjahr aufmachen, aber dann wird auch unser Außenbereich im Hof fertig sein.“ Dort wird es weitere 20 bis 25 Sitzplätze geben.

Die Bio-Bäckerei pachtet das Ladenlokal und hat in die neuen Räume etwa 250 000 Euro investiert. Der alte Laden wird nun in eine Konditorei umgebaut, in der auch Snacks gerichtet und Geschirr gespült werden können.

Lesen Sie hier nach, was vor dem Umzug über die Bäckerei Weber geschrieben wurde:

Alles war bestens vorbereitet und exakt im Zeitplan. Die Bio-Bäckerei Weber öffnete wie angekündigt am 1. Dezember ihre Türen zum neuen Laden mit Café. Doch dann das. Von „Supergau“ spricht Geschäftsführer Klaus Späth, von einem "Albtraum für jeden Bäcker". Er meint damit nicht die Schließung des neuen Cafés, die war ja coronabedingt längst absehbar und sozusagen von der Politik angekündigt. Nein, der Grund kam urplötzlich und mitten in der Nacht, als die Teige geknetet und die Brezeln

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