Winnenden

Bis zu sieben Euro für einen Döner Kebab in Winnenden: Imbisse im Überlebenskampf

Ali''s Grillhaus
Osman Osman von Alis Grillhaus an der unteren Marktstraße am Dönerspieß. © Gabriel Habermann

Der Preis für einen Döner Kebab steigt und steigt – auch in Winnenden. Gürsel Ülber, der Vorstandsvorsitzende der türkischen Dönerhersteller in Europa, sagte der Deutschen Presse-Agentur im Frühjahr des vergangenen Jahres, dass ein Döner eigentlich 7,30 Euro kosten müsse, bei der Entwicklung der Kosten. In Winnenden kommt man für die Spezialität im Fladenbrot an diesen Preis inzwischen nahezu heran. Wir haben uns umgehört.

Osman Osman von Alis Grillhaus an der Ecke untere Marktstraße/Ringstraße stöhnt, angesprochen auf die momentane Situation. „Es läuft scheiße“, sagt er, schluckt und ergänzt: „Schreiben Sie lieber, dass die Situation scheiße ist.“ Wer den sonst so freudigen Gastronom schon öfter in seinem Imbiss besucht hat, der merkt, dass die Lage ihm zusetzt. „Ich mache diesen Job jetzt schon seit über 20 Jahren. Seit 13 Jahren bin ich in Winnenden, zuvor war ich in Backnang. Was soll ich sonst machen?“, fragt er.

Ein Döner Kebab kostet bei Osman Osman inzwischen sechs Euro. „Das können sich viele nicht mehr leisten, aber ich müsste eigentlich noch mehr verlangen“, sagt er. Täglich kommen Schüler zu ihm, die nur einen Fünf-Euro-Schein dabeihaben. „Ich kann sie doch nicht wegschicken. Natürlich kriegen sie einen Döner“, meint er gutherzig.

Osman Osman merkt, dass in seinem Grillhaus weniger los ist

Über die Corona-Pandemie sei es so gewesen, dass punktuell Produkte nicht verfügbar waren. „Aber jetzt ist von der Preissteigerung alles betroffen. Von A bis Z. Egal ob Salat oder Mayonnaise“, klagt Osman Osman. Die Räume an der unteren Marktstraße hat er angemietet. Immerhin die Miete ist in ihrer Höhe bislang unverändert. Für den Betreiber von Alis Grillhaus ein Trost, wenn auch ein schwacher.

„Ich hoffe sehr, dass sich die Situation bald entspannt“, sagt er. Schließlich merke er, dass in seinem Imbiss weniger los ist als üblich.

Kaum Umsatz im Pizza- und Kebabhaus an der Kornbeckstraße

Ein noch düstereres Bild der momentanen Lage zeichnet Zulkuf Kir vom Pasa Pizza und Kebabhaus an der Kornbeckstraße. „Seit dem Beginn des Krieges ist alles teurer. Wenn ich etwas bestelle, kostet es in der einen Woche zehn Euro, ein paar Tage später schon deutlich mehr“, stöhnt er. Gemeinsam mit seiner Frau habe er sich vor etwa einem Jahr selbstständig gemacht. „Wir haben fast keinen Umsatz, es kommt kaum jemand“, sagt Kir.

Vermutlich wird Zulkuf Kir bald die Preise erhöhen müssen, momentan kostet der Döner auch hier sechs Euro. Schließlich mache er mit seiner Frau einen Großteil der Speisen, Soßen und Co selbst.

Er weiß, dass der Laden vor der Corona-Pandemie gut gelaufen ist. „Viele Mitarbeiter von Kärcher sind in der Mittagspause gekommen. Das hat sich durch das Home-Office allerdings geändert“, sagt der Inhaber des Imbisses. Mit seiner Frau hat er die Räume gekauft, muss nun einen Kredit abbezahlen. „So wie die Lage momentan für uns ist, lohnt es sich nicht. Aber wir müssen durch. Was soll ich mit meinen 58 Jahren noch anderes lernen?“, fragt der Mann, der seit 1975 in Winnenden lebt.

Kebab Palace 38: Die Betreiber sind zufrieden

Im Kebab Palace 38 an der Waiblinger Straße kostet ein Döner inzwischen sieben Euro (Filet). „Bisher hat sich bei uns niemand beschwert und wir merken auch keinen Rückgang der Kundschaft“, erzählt Sevda Ünsal am Montagnachmittag.

Zurzeit lohne sich die Arbeit für den Familienbetrieb noch. „An eine Schließung denken wir auf keinen Fall“, sagt Sevda Ünsal.

Ihrer Meinung nach zahle sich Qualität aus. „Wir machen alles frisch. Vom Brot über Lahmacun bis zu den Soßen“, erklärt sie. Die Rückmeldungen der Kundschaft seien durchweg positiv. Kinde erhalten trotz der Krise zu ihrem Essen ein Freigetränk. Das sei im Laden schon immer so und daran wolle man auch jetzt in der Krise festhalten. Da das Gebäude der Familie gehört, fällt zudem die Miete weg.

Der Preis für einen Döner Kebab steigt und steigt – auch in Winnenden. Gürsel Ülber, der Vorstandsvorsitzende der türkischen Dönerhersteller in Europa, sagte der Deutschen Presse-Agentur im Frühjahr des vergangenen Jahres, dass ein Döner eigentlich 7,30 Euro kosten müsse, bei der Entwicklung der Kosten. In Winnenden kommt man für die Spezialität im Fladenbrot an diesen Preis inzwischen nahezu heran. Wir haben uns umgehört.

Osman Osman von Alis Grillhaus an der Ecke untere

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