Winnenden

Blick auf die Wege des Traubensafts

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In Zehnergruppen durften die Besucher bis auf den obersten Laufsteg der Kelter. © Ramona Adolf
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Die Wengerter Karlheinz Eckstein und Dr. Werner Vollmer erklärten den Zeitungslesern die Kelter. © Steinemann / ZVW
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Genuss in der Abendsonne: ZVW-Besucher probieren eine Riesling-Spätlese vom Winnender Haselstein unterm Vordach der Stöckachkelter. © Steinemann / ZVW
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Noch ist sie ein Genossenschaftsprojekt: Die Kelter am Stöckach. © Steinemann / ZVW
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Haushoch und glänzend: Safttanks. © Steinemann / ZVW

Winnenden. Da sitzen sie, die 40 Zeitungsleser, die zur ZVW-Sommertour ausgelost wurden, und genießen die Winnender Kelter, die Sonne am Stöckach, den Blick auf die Rieslingreben und die Winnender Weine im Glas – und ganz zum Schluss fragen etliche: „Was wird aus diesem schönen Haus?“ Sicher ist: Die Genossenschaftswengerter werden es verkaufen. Aber wer kauft es?

Video: Sommertour in die Winnender Kelter mit Karlheinz Eckstein.

Man müsste sich zusammentun. Grad alle, die da sitzen und sich freuen. Sie müssten eine Firma gründen, eine Genossenschaft. „Wir sollten Aktien verkaufen an alle, die die Kelter so erhalten möchten“, meinte Karlheinz Eckstein beim Gespräch über die Zukunft – ein Scherz. Sollte es nicht klappen mit den Aktien, „müssten wir dieses Haus verkaufen. Vorgesehen ist es.“ Dr. Werner Vollmer ergänzte: „Weinverkauf und Feste werden dann nicht mehr möglich sein.“ Der Verkauf von Winnender Weinen an wenigen Stunden in der Woche würde nicht das Geld einbringen, das man bräuchte, um das Haus zu unterhalten und um es der Genossenschaft abzukaufen. Es wird wahrscheinlich zum Besitzerwechsel kommen. Aber noch können Besucher bei öffentlichen Terminen die Kelter genießen.

Zutritt zu allem

Besucher stehen über den Bottichen

Der nächste Herbst steht bevor. Die Keltergeräte und -Räume sind schon seit der letzten Weinernte blitzblank geputzt. Dafür sorgt Wengerter Eckstein persönlich: „I kann a Tier werra, wenn’s dohenna ned saubr isch.“ Aber am Mittwoch mit den ZVW-Besuchern war Eckstein absolut locker. Sie durften in Zehnergruppen mit nach ganz oben auf den Laufsteg über den Geräten und Bottichen. Überall, wo bei Betrieb das Betreten streng verboten ist, durften sie reingehen und reingucken.

Stiel und Stängel

Abbeermaschine ist nötig

Es fing an bei der Abbeermaschine, bei der im Herbst die Trauben zuallererst ankommen. Die ganzen Trauben werden in einen Trichter geschüttet und von einer Schnecke in die Abbeermaschine getrieben. Hinten kommen die Stiele und Stängel heraus. Nach unten fallen die Beeren, die auf dem Weg in den Bottich noch angequetscht (nicht ausgequetscht) werden. „Da gab’s doch früher so eine Werbung für den Amselfelder“, dämmerte es einem Besucher. Die machten damals einen Riesenbohau davon, dass ihr Wein „ohne Stiel und Stängel“ gekeltert werde. „Stimmt“, erinnerte sich auch Dr. Werner Vollmer, „aber das war bei uns immer schon selbstverständlich.“ Nur Amselfeld hat aus der Banalität einen Werbespruch gemacht, der sich tief in die Erinnerung der heute 60-Jährigen eingegraben hat.

Farbe des Rotweins

Kurzzeithocherhitzung hilft

Sind Stiel und Stängel weg, werden die Öchsle gemessen und dann wird entschieden, über welche Leitung der Saft weitergepumpt wird: Qualitätswein? Spätlese? Für den Rotwein führen die Leitungen zum mehrere Meter hohen Kurzzeithocherhitzer mit seinen vielen, dicken, glänzenden Edelstahlrohren. Für ganz kurze Zeit wird der Saft auf 80 Grad erhitzt, damit die Beerenschalen ihre rote Farbe an den Saft abgeben. Sofort wird wieder heruntergekühlt, damit der Wein seinen Geschmack behält.

„Gibt’s da nichts anderes für die Rotweinherstellung?“ Ein Besucher hatte in Frankreich erfahren, dass die ganzen Trauben einige Tage in einem Bottich gären. „Maischegärung. Das hatten wir früher auch“, sagt Werner Vollmer. In Winnenden sind die Wengerter froh, dass sie die nicht mehr brauchen, weil die Kurzzeiterhitzung schneller geht. Und der Rotwein wird gut, hat vielleicht weniger Gerbstoffen als bei Maischevergärung, aber das kann auch ein Vorteil sein.

Der fertige Saft wird weitergepumpt in die Edelstahltanks im hintersten Raum der Kelter und von dort möglichst am selben Tag noch abgeholt mit dem Tankfahrzeug und nach Beutelsbach in die Remstalkellerei gefahren. Denn am nächsten Tag bringen die Wengerter wieder Trauben. Sie brauchen Platz.

„Kriegen Sie das hin, wenn die alle dann ihre Trauben direkt nach Beutelsbach fahren? Haben Sie dann keine Warteschlangen?“, fragte eine Besucherin „Das kriegen wir hin“, versprach Karlheinz Eckstein. Aber solange es noch nicht soweit ist, werden Wengerter und sicher auch noch viele Gäste die Winnender Genossenschaftskelter nutzen und genießen.

Weinprobe

Die ZVW-Sommertour durch die Stöckachkelter begann mit einem trockenen Sekt aus der Remstalkellerei unter dem Vordach der Kelter.

Der Weinberg an der Kelter ist im unteren Bereich mit Riesling bepflanzt, im oberen mit Trollinger.

Nachdem die Besucher die Keltertechnik gesehen hatten, gab es eine Riesling-Spätlese vom Winnender Haselstein, die sehr gut ankam bei den Besuchern.

Ebenfalls vom Winnender Haselstein, nicht weit von der Kelter entfernt, kommt ein Zweigelt Rosé, mit schöner, kräftiger Farbe, den die Besucher probierten.

Der Spitzenwein des Abends war ein Spätburgunder vom Winnender Holzenberg, einer der besten Lagen für diese Traubensorte.