Winnenden

Boehringer-Schule: Noch haben wir Hoffnung

Baumgärtner-Interview
Hans-Dieter Baumgärtner hält es für denkbar, die Schulbaukosten in Richtung 16 Millionen Euro zu drücken. © Büttner / ZVW

Winnenden.
Ist die Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule doch noch zu retten? SPD-Stadtrat Hans-Dieter Baumgärtner, pensionierter Schulleiter, ehemaliger Mathelehrer und immer noch Zahlenmensch, gibt die Hoffnung nicht auf. Vergleichszahlen hat er sich besorgt, mit Architekten geredet, sich im Rathaus ausführlich erkundet, Haushaltspläne durchgeackert. Bei all dem ist ihm manche Hoffnung geplatzt, aber noch nicht jede. Ein Gespräch mit unserem Redakteur Martin Schmitzer.

Sie haben im Gemeinderat darauf bestanden, dass die Stadt weiter Kostenvergleiche anstellt, dass man Beispiele für Schulbauten heranzieht, um herauszufinden, ob die Winnender Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule vielleicht zu einem günstigeren Preis gebaut werden könnte. Sie haben dann auch selbst verglichen und mitgerechnet. Was ist dabei herausgekommen?

Ich bin jetzt ziemlich sicher, dass für den Leistungsumfang, den wir in Winnenden vorgesehen haben, keine günstigeren Kosten darstellbar sind. Die vorliegenden Pläne für die Robert-Boehringer-Schule sind maßvoll in der Ausstattung und in der Größenordnung.

Was ergeben die Vergleiche mit anderen Schulneubauten?

Wir haben kein Beispiel gefunden, das Hinweise darauf gibt, dass man mit geringeren Kosten etwas Vergleichbares bauen könnte. Landauf, landab nicht. Es gibt Kostenkennwerte von einem Baukosteninformationszentrum, und auch diese Werte zeigen, dass die Winnender Schulbaukosten im Rahmen sind.

Sind alle Möglichkeiten schon ausgelotet?

Fragen sind noch offen zum Neubau einer Schule in Konstanz. Da müssen wir noch genauer hinschauen. Die reinen Quadratmeterkosten sind dort wirklich geringer. Aber das Beispiel ist nicht gut mit Winnenden vergleichbar, denn Konstanz ist eine preisgünstigere Region, der Bau der Schule wurde schon vor zwei Jahren begonnen, sie hat eine viel größere Dimension und andererseits eine viel kleinere Mensa.

Könnte Winnenden seine Gemeinschaftsschule bescheidener bauen und damit Kosten sparen?

Die Architekten haben schon im Sommer angedeutet, dass zehn Prozent Kosteneinsparung möglich wären.

Sie waren Anfang November bei einem Gespräch mit den Architekten dabei, bei dem weitere Einsparungen zur Sprache kamen ...

Dort wurde angesprochen, dass die Mensa kleiner werden könnte, dass weitere Verzichte denkbar wären, und dann kämen die Architekten auf etwas über 18 Millionen Euro.

Das würde nicht reichen. Sehen Sie noch Möglichkeiten?

Die Frage, wo wir verzichten könnten, die sollten wir noch vertiefen. Wenn wir sparen wollten, müsste das gesamte Gebäude mit der Mensa kleiner werden, alles auf das mittelfristig notwendige Maß reduziert werden, und da ist aus meiner Sicht noch Luft drin. Um weitere Kosten zu sparen, muss eben der Bruttorauminhalt geringer werden.

Brauchen Sie dazu Gespräche mit dem Kultusministerium?

Die Vorgaben des Kultusministeriums sind da. Die können wir nachlesen. Mit den Architekten, mit der Stadtverwaltung und Vertretern der Schule müssen wir zeitnah darüber reden.

Und dann?

Wir müssen sehen, welche Zahl damit herauskommt. Es wird nicht zu den 14 Millionen führen, die vor einem Dreivierteljahr noch als finanzierbar galten. Aber vielleicht schaffen es die Architekten, eine Zahl mit 16 Millionen, plus minus eine Million darzustellen. Wir müssten dann schauen, ob diese Zahl belastbar ist, und zugleich überlegen, ob wir sie in den Haushaltsplänen der nächsten Jahre unterbringen können. Darüber müssen wir diskutieren im Gemeinderat und mit der Stadtverwaltung, leider alles unter Zeitdruck. Solange dieses Verfahren läuft, gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Was ist dann mit der Schwaikheimer Schule?

Schwaikheim bleibt eine Möglichkeit. Parallel zu unseren eigenen Bau-Überlegungen müssen wir weiter besprechen, wie wir den Weg mit Schwaikheim gehen, weil das auch ein gut gangbarer Weg ist. Die Schule dort kann ihre Qualität entfalten – auch mit den Winnender Schülern, weil dort mit einer neuen Schulleitung und auch mit einem Neubau ein guter Start möglich ist.

In Schwaikheim gibt es ein Schulgebäude, ein Anbau soll entstehen. Wie gefällt Ihnen das Schwaikheimer Schulgebäude?

Der Altbau ist sicherlich keine optimale Voraussetzung für die Lernformen der Gemeinschaftsschule, aber durch die Planung für den Neubau kann dort sehr viel realisiert werden, was eine gute Gemeinschaftsschule braucht. Allerdings: Wenn wir den Weg mit Schwaikheim gemeinsam gehen, dann würden wir sehr gerne mitberaten an dem, was dort entsteht. Wir wollen dann gemeinsam einen guten Schulstandort für die Schüler aus beiden Kommunen entwickeln.

Mehr Steuern!

Die Stadt hat für die Gemeinderatssitzung heute die Zahlen für den Haushaltsplan 2017 aktualisiert: Sie steht nach dem Haushaltserlass des Landes bei den Steuereinnahmen besser da, und auch die gesenkte Kreisumlage lässt mehr Spielraum, so dass 2017 nur 6,53 Millionen statt 8,65 Millionen Euro Schulden gemacht werden müssen. Bis 2020 steigen die Schulden auf 14,89 Millionen Euro.

Der Neubau der Boehringer-Schule mit Mensa zu 18,2 Millionen Euro könnte finanziert werden – wenn die Grundsteuer 2019 um 20 Prozentpunkte und um weitere 10 im Jahr 2020 erhöht wird und Investitionen für 3,8 Millionen Euro auf die Jahre nach 2020 verschoben werden.