Winnenden

Brand an Neujahr 2022 in Winnenden-Birkmannsweiler: Hausbesitzerin vor Gericht

Gebäudebrand, Silcherstr., Winnenden-Birkmannsweiler, 01.01.2022.
Hausbrand in Birkmannsweiler am 1. Januar 2022: Ein Feuerwehrmann versucht, das Feuer von der Drehleiter aus zu löschen. © Benjamin Beytekin

Die Menschen in Winnenden-Birkmannsweiler werden sich noch gut daran erinnern: Der erste Tag des Jahres 2022 brachte Feuer. Die Feuerwehr fuhr einen großen Einsatz, eine damals 58-Jährige verlor ihr Haus an die Flammen. Jetzt, fast ein Jahr später, nimmt sie auf der Anklagebank im Amtsgericht Waiblingen Platz. Der Vorwurf lautet: fahrlässige Brandstiftung. Eine nicht gelöschte Kerze im Wohnzimmer soll den Brand ausgelöst haben.

Drei Stunden lang sind 60 Feuerwehrleute im Einsatz, um den Brand zu löschen

1. Januar 2022, 9.30 Uhr: Die Freiwillige Feuerwehr Winnenden wird zu einem Zimmerbrand nach Birkmannsweiler gerufen. Vor Ort stellen die Einsatzkräfte fest: Das Feuer breitet sich rasant aus, bald brennt es im gesamten Gebäude. Die Rauchsäule ist kilometerweit zu sehen. Drei Stunden lang sind rund 60 Männer und Frauen mit elf Fahrzeugen im Einsatz, bis die Flammen gelöscht sind.

Die Bewohnerin, der das Haus gehört und die selbst noch verzweifelte Löschversuche angestellt hat, wird in eine Klinik gebracht. Sie darf diese aber rasch wieder verlassen. Auch ihre zwischenzeitlich vermisste Katze, nach der sie trotz Lebensgefahr im brennenden Haus noch gesucht hatte, taucht lebendig wieder auf. Der Schaden am Wohnhaus wurde auf 450.000 Euro beziffert.

Die Polizei erstattet Anzeige wegen „fahrlässiger Brandstiftung“

Während die obdachlos gewordene Frau beim Feuerwehrmann und Stadtrat Hanspeter Luckert (der keine drei Monate später viel zu früh verstorben ist) eine vorübergehende Bleibe findet, beginnen die Ermittlungen zur Brandursache. Mitte Januar teilt die Polizei unserer Redaktion mit, sie werde der Staatsanwaltschaft Stuttgart „eine Anzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung“ übermitteln. Gegen wen sich diese Anzeige richtet, wird damals nicht kommuniziert. Freilich naheliegend ist, dass es sich um die Hausbewohnerin selbst handelt.

Tatsächlich: Im Sommer wird der Frau ein Strafbefehl zugestellt: 60 Tagessätze zu je 20 Euro soll sie zahlen, insgesamt also 1200 Euro. Der Vorwurf: Die Frau hat über Nacht unbeaufsichtigt eine Kerze brennen lassen und damit einen ebenso vorhersehbaren wie vermeidbaren Schaden herbeigeführt. Sie hat zwar bestimmt ohne Vorsatz gehandelt, aber doch fahrlässig.

Denn dass die Kerze den Brand ausgelöst hat, da sind sich die Ermittler und der Brandgutachter sicher. Ob sie nun zu nah an einem der zahlreichen Einrichtungsgegenstände gebrannt hat, ob sie von der Katze umgestupst wurde oder beim Abbrennen gekippt und vom Fensterbrett auf das darunterstehende Schlafsofa gefallen ist ... das alles lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Doch fest steht: Der Brand ist an dieser Stelle im Wohnzimmer ausgebrochen. Die Kerze brannte hier, das hat die Frau selbst bestätigt. Und ein technischer Defekt kann mangels angeschlossener elektrischer Geräte ausgeschlossen werden, wie der Brandgutachter jetzt im Amtsgericht Waiblingen ausführte.

Die Frau fragt: Sind Fremdeinwirkung und ein technischer Defekt ausgeschlossen?

Zur Verhandlung unter Vorsitz von Richter Linder ist es in dieser Woche nur gekommen, weil die Winnenderin Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt hat. Vor Gericht erklärt sie ihre Motivation. Es gehe ihr nicht um die Geldstrafe oder darum, sich vor der Verantwortung zu drücken. Sie wolle aber sichergehen: „Kann man Fremdeinwirkung und einen technischen Defekt ausschließen?“ Bei den Aufräumarbeiten sei ihr manches komisch vorgekommen, berichtet sie, bleibt dabei aber überwiegend vage.

Ob der Brandsachverständige, der sich seiner Sache sehr sicher ist, am Ende zu ihr durchdringt? Vor Gericht geht dieser jedenfalls konkret auf ihre Ängste ein: „Was ich ausschließen kann, ist, dass der Brand von außen nach innen gewandert ist. Der Brand ist neben dem Sofa ausgebrochen.“

Es steckte keine böse Absicht dahinter, daran gibt es keine Zweifel

Ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zieht die Frau schließlich zurück. Das hat Richter Linder ihr, die ohne Verteidiger erschienen ist, mit Blick auf die eindeutige Sachlage zuvor nahegelegt. Sie wird die 1200 Euro also zahlen.

Wie es mit ihrem nicht mehr bewohnbaren Haus weitergeht, ist ungewiss. Die Frau wohnt mittlerweile in einem weniger beschädigten Anbau, den sie dafür hergerichtet hat. Sie träumt davon, auch das Haupthaus zu renovieren. Für den Brandschaden komme die Versicherung zumindest in Teilen auf.

Dass sie den Brand nicht mutwillig gelegt hat, daran gibt es keine Zweifel. Eindrücklich hat sie vor Gericht geschildert, wie der Rauchmelder sie aus dem Schlaf gerissen hat, wie sie versuchte, den Brand mit Wasser aus der Flasche zu löschen, wie sie den Feuerlöscher im Erdgeschoss nicht habe finden können. Von ihrer Sorge um die Katze. Von Zeit und Geld, die in das Haus geflossen seien, und von weiteren Plänen, die das Feuer gnadenlos zunichtegemacht hat.

Die Menschen in Winnenden-Birkmannsweiler werden sich noch gut daran erinnern: Der erste Tag des Jahres 2022 brachte Feuer. Die Feuerwehr fuhr einen großen Einsatz, eine damals 58-Jährige verlor ihr Haus an die Flammen. Jetzt, fast ein Jahr später, nimmt sie auf der Anklagebank im Amtsgericht Waiblingen Platz. Der Vorwurf lautet: fahrlässige Brandstiftung. Eine nicht gelöschte Kerze im Wohnzimmer soll den Brand ausgelöst haben.

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Drei Stunden lang sind 60 Feuerwehrleute im

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