Winnenden

Breakdance-Bundesliga à la Backnang

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Die Breakdancer zeigen im Treff 44 in Backnang ihr Können. Eine hohe Disziplin wird von den Tänzern gefordert, die über athletische Fähigkeiten verfügen müssen. © Edgar Layher

Backnang. Backnang, das Städtchen an der Murr, macht in Sachen Breakdance richtig was her. Die Hip-Hop-Szene in Deutschland schaut mit Interesse und Bewunderung auf die Tänzer der Street Life Crew, die seit Jahren bei Battles ihr Können unter Beweis stellen. Und auch der Europameister 2015 wohnt in Backnang.

Er heißt Alexander Pusch, alias „Boyka“, ist Breakdance-Europameister 2015 und will mit seiner Backnanger Crew den Breakdance professionalisieren. Sie sind dabei, eine Breakdance-Bundesliga zu etablieren.

„Wir sind professionelle Sportler und trainieren viermal pro Woche“, sagt Alexander Pusch“. Der aus der Hip-Hop-Kultur stammende Breakdance sei als Sportart bereits professionell, 2018 bei den Olympischen Spielen soll nach Information von Alexander Pusch der Breakdance im Jugendbereich sogar olympisch werden. Deshalb sei der Schritt hin zu einem Ligasystem nur logisch. „Unsere Wettkämpfe laufen bisher im K.-o.-System ab, mit dem Ligasystem wäre Breakdance ein professioneller Sport.“

Beste DJs und Juroren stecken die Köpfe zusammen

Die Breakdancer im Treff 44 können inzwischen auf die Unterstützung der Breakdance-Szene zählen. Die besten DJs und Juroren aus Deutschland stecken übers Internet seit zwei Monaten die Köpfe zusammen und tüfteln an einem Breakdance-spezifischen Regularium. „Wir sind in der Findungsphase, es kommen täglich neue Herausforderungen auf uns zu, und stündlich Lösungen“, meint der Backnanger, dem es ernst ist mit der Professionalisierung. „Es ist kein Kindergarten, was wir hier machen“, sagt er. Dass bisher niemand ein funktionierendes System gefunden hat, habe mit der Kultur und dem Wesen des Breakdance zu tun. „Wir sind frei. Bei uns gibt es keinen Standard, Pflicht oder Kür. Wir sind Künstler und bewerten den eigenen Stil“, so Alexander Pusch.

Man weiß es aus der Kunst: Über Geschmack, Ästhetik und Stil lässt sich streiten. Hinzu kommt, dass bei einem Battle gegeneinander getanzt wird. Breakdance sei kein Vortanzen einer Choreografie, in der bestimmte Eigenschaften oder Merkmale bewertet werden könnten. Die Choreografien seien individuell. Im Gegensatz zu American Football gebe es keine Touchdowns oder Fouls und Tore. Auch fehlten klare Regeln, die in der Szene anerkannt sind. Dafür herrsche in der Szene Klarheit darüber, was nicht geht. „Klauen“ und „Kopieren“ sind verpönt. Wer Moves, Styles und Tricks anderer nachmacht, bekommt Punkteabzug wie ein Tänzer, der ausrutscht oder nicht exakt auf die Musik tanzt. „Bei uns sind das Abstrakte, das Neue und der eigene Stil top.“

Mischung aus „Extremsportler und Künstler“

Alexander Pusch, Raffael Burr („Mister fantastic“), Bobby Bougrara („Bobby Balboa“) und Miguel Alves von der Backnanger Street Life Crew sehen sich als eine Mischung aus „Extremsportler und Künstler“, ihr Sport führe aber vielerorts ein Schattendasein. „Eine Liga macht uns zu Profis“, so Pusch. Das Ligasystem könne dabei helfen, Breakdance und das Hip-Hop-Umfeld aus der „Schattengesellschaft“ herauszuführen. In den Niederlanden, Frankreich und der Ukraine gebe es bereits Nachwuchsligen, die von Tanzschulen organisiert werden. Die Idee und Pläne zur ersten professionellen landesweiten Liga mit Top-Mannschaften stammen aus Backnang und werden derzeit umgesetzt, versichert „Boyka“. In der ersten Liga sollen Profi-Breaker mit jahrelanger Erfahrung und mehreren Turniersiegen tanzen. Bis jetzt entwickele weltweit jeder sein eigenes System. „Wenn wir die Anerkennung des Sportbundes erhalten, wären wir die erste als Sport anerkannte Liga, die nichts mit Tanzschulen zu tun hat, sondern auf aktiven Tanzgruppen basiert.“ Die Antwort des Sportbundes wird bei den Backnanger Breakern darum mit Spannung erwartet. Alexander Pusch ist stolz und begeistert: „Toll, dass so etwas aus einer kleinen Stadt kommt und nicht aus Paris oder London“, meint er. Einige Breakdance-Teams hätten ihre Zusage bereits gegeben: Alex berichtet von Breakdance-Fans aus Dresden, Köln, München, Bremen und Düsseldorf, die ernsthaftes Interesse bekundet hätten. Zwei Testphasen haben sie bereits erfolgreich veranstaltet, das Feedback der Tänzer zum Liga-System sei „wirklich überwältigend“, sagt Alexander Pusch. 2018 soll die erste offizielle Saison starten. Pusch und seine Breaker-Kollegen sehen ihre Sportart schon im Fernsehen. Das große Fernziel? „Eine Breakdance-WM und Champions League“, sagen die Backnanger Street-Life-Crew-Jungs lachend.

Die dritte Saison
Nach zwei Testsaisons startet am Samstag, 21. Januar, die dritte Saison, in einem Eins-gegen-Eins-System im Treffpunkt 44 in Backnang, Erbstetter Straße 44.
DJs sind „F-One und Original“. Beginn ist um 18 Uhr, Ende gegen 21 Uhr.