Winnenden

Chorsänger auf einmal solo: Wie Chorleiter Armin Scherhaufer es geschafft hat, sie trotzdem gemeinsam auf eine CD zu bringen

Chor-CD
Die Lieder auf der CD hat Armin Scherhaufer in seinem privaten Tonstudio selbst abgemischt. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit dem zweiten Lockdown im November hat sich so mancher Chor, so mancher Gesangverein, in den Dornröschenschlaf begeben. Keine Proben, kein Austausch, auch nicht online - doch mit jeder weiteren Woche wächst das mulmige Gefühl: Sind alle Sängerinnen und Sänger wieder mit an Bord, wenn es wieder losgeht? Wann geht es los und wie? Und, das ist auch schon vor Corona eine spannende Frage gewesen: Wie motiviert man Neue zum Mitmachen?

So mancher Kirchenchor hatte das Glück, wenigstens einem Teil seiner Sänger das Miteinander-Singen-Erlebnis bieten zu können: Als Klein-Chor, als Schola, jeweils zwei pro Stimme, höchstens acht Sängerinnen und Sänger in großem Abstand zueinander und zur Gemeinde, der sie im Gottesdienst die Kirchenlieder vorsingen.

Diese Möglichkeit bietet sich einem Gesangverein nicht. Doch der Musiker Armin Scherhaufer aus Leutenbach, der den Chor „Sing4fun“ in Birkmannsweiler und drei weitere Chorvereine in Aspach, Auenwald und Oppenweiler leitet, lud die Sängerinnen und Sänger in sein kleines privates Tonstudio zur Aufnahme ein. Natürlich nicht alle gleichzeitig, sondern schön einen nach dem anderen. „Wir wollten zunächst nur eine kleine Erinnerung produzieren für all die, die mitgemacht haben, so drei bis vier Liedle“, erzählt Scherhaufer vom Start, der den Einstieg wahrscheinlich erleichtert hat.

Nach vier Liedern einfach weitergemacht

Nicht das große Projekt Chor-CD stand auf dem Plan, kein Vorsingen oder Vorentscheid, wer dafür überhaupt infrage käme. Letztlich trauten sich 18 Frauen und vier Männer aus allen vier Chören. „Und die waren nach den vier Liedern so angefixt, es tat ihnen gut - da haben wir einfach weitergemacht“, schildert Scherhaufer, dass die Titelliste auf zwölf angewachsen ist.

Das Ergebnis lässt sich wirklich hören: Schön für Chor arrangierte, bekannte Popsongs, moderne und immergrüne, eher Rockiges wechselt mit Ruhigem ab, von „Applaus, Applaus“ von Sportfreunde Stiller bis „The Best“ von Tina Turner. Begleiter am Keyboard natürlich der Chorleiter und Soundmaster Scherhaufer, hier und da streute er auch Soli seiner Frau Petra Manon Hirzel an Violine oder Saxofon ein, oder vom Bandkollegen Ralf Scheibe an der E-Gitarre.

Online zur Verfügung gestellte Klavierbegleitung

Das Geheimnis des guten Ergebnisses liegt an zweierlei. Einer guten Vorbereitung der Einzelnen durch eine online zur Verfügung gestellte Klavierbegleitung plus jeweils vom Chorleiter eingesungener Stimme. Und der Aufnahme durch den Profi, wobei ein Sänger immer die Tracks der Vorgänger von den Vortagen über Kopfhörer eingespielt bekam und selbst live seine neue Stimme dazusang. Am Ende mischte Armin Scherhaufer alles fein ab, wobei die Technik trotz des unausgewogenen Verhältnisses von wenigen Männer- zu vielen Frauenstimmen hier den klanglichen Ausgleich geschafft hat.

Viel mehr Arbeit als bei einer wöchentlichen Chorprobe

„Das war für mich viel Arbeit, die in keiner Relation steht zu einer wöchentlichen Chorprobe. Aber sie machte auch Laune. Und ich sehe mich auch in der Verantwortung gegenüber den Vereinen, die sich in der Pandemie mir gegenüber sehr, sehr fair verhalten haben.“ Scherhaufer hieß also jeden Abend coronakonform jemand anderes bei sich willkommen und nahm seine oder ihre Stimme auf. „Das war für die meisten eine Überwindung. Auf einmal stehen sie alleine und ausgeliefert da. Sie singen und hören sich dann selbst über Kopfhörer. Natürlich hört man auch das, was nicht auf Anhieb geklappt hat.“

„Die Leute sind dabei über sich hinausgewachsen“

Probt man dagegen im Chor, singen alle gemeinsam so lange, bis es bei allen sitzt - nur wenige in solch einer Gruppe haben in der Regel Ambitionen zum Solosingen. In Scherhaufers Studio aber befand man sich immerhin in einem geschützten Raum und durfte sich unter Anleitung des Profis entwickeln. „Die Leute sind dabei über sich hinausgewachsen. Sie konnten etwas, was sie sich vorher nicht getraut hatten. Und wir haben uns viel besser kennengelernt als in den Proben davor.“ Das alles, glaubt und hofft Scherhaufer, stärkt jeden Verein in sich, aber auch die Verbindung zwischen den vier Chören.

Mit dem zweiten Lockdown im November hat sich so mancher Chor, so mancher Gesangverein, in den Dornröschenschlaf begeben. Keine Proben, kein Austausch, auch nicht online - doch mit jeder weiteren Woche wächst das mulmige Gefühl: Sind alle Sängerinnen und Sänger wieder mit an Bord, wenn es wieder losgeht? Wann geht es los und wie? Und, das ist auch schon vor Corona eine spannende Frage gewesen: Wie motiviert man Neue zum Mitmachen?

So mancher Kirchenchor hatte das Glück, wenigstens

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