Winnenden

Corona-Regeln auf dem Winnender Weihnachtsmarkt: Zwei Hürden für einen Glühwein

Weihnachtsmarkt
Wurstgrill auf dem Weihnachtsmarkt 2019. © Benjamin Büttner

Weihnachtsmarkt ja oder nein, daran scheiden sich dieser Tage die Geister. Die einen sehen den Budenzauber mit Ausschank alkoholischer Heißgetränke in den Städten für das falsche Signal in Zeiten voll belegter Intensivstationen. Kommentieren unseren Artikel zum Festhalten am Winnender Weihnachtsmarkt mit einem Wut-Symbol oder kommentieren es entsprechend deftig. Die anderen sehnen sich nach einem Rest Normalität, einer gegrillten Wurst und etwas Lichterglanz, durch den sie bummeln können, und sehen als getestete Geimpfte bei einem Markt im Freien wenig Ansteckungspotenzial.

Update: Inzwischen hat auch Winnenden den Weihnachtsmarkt abgesagt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Masken und für eine Bratwurst 2Gplus - wer soll das kontrollieren?

Wie wollen die Winnender ihre scharfen Vorgaben kontrollieren? Das fragen sich ganz viele. Richtig ist zwar, dass das Weihnachtsmarktgelände nicht eingezäunt werden kann. Es wäre sonst gar kein Durchkommen mehr, weder in die Geschäfte noch zu den Wohnungen. Schön wär's auch nicht. Ganz wichtig zu wissen ist aber in diesem Zusammenhang, dass die einzelnen Standbetreiber, ob Kunsthandwerker oder Verein, ob Profi oder Laie, so gut wie nichts mit den Kontrollen zu tun haben.

Der VAW bezahlt die Kontrolleure und die Security

Das (und die beträchtlichen Kosten dafür) übernimmt komplett der Veranstalter, der Verein Attraktives Winnenden (VAW), und er setzt dafür reichlich Personal ein. „Wir haben insgesamt 15 Personen zeitgleich im Einsatz, die für die Hygieneregelungen zuständig sind“, sagt der Geschäftsführer des VAW, Timm Hettich. „Neun Personen kontrollieren an drei Stationen 2Gplus und geben die Bändchen aus. Für die Kontrolle der Maskenpflicht und sonstiger sicherheitsrelevanter Themen sind sechs Personen unterwegs.“

Klar, dass sich kleinere Kommunen solch einen Aufwand gar nicht leisten können oder wollen und daher ihre Weihnachtsmärkte reihenweise absagen. Die Größeren, im Kreis sind das Fellbach, Waiblingen, Schorndorf und Backnang, halten noch wie Winnenden an ihren Weihnachtsmärkten fest.

Nur die Gastro-Stände müssen auf die farbigen Bändchen ihrer Kunden achten

Doch wo genau gilt denn nun 2Gplus? Die Gastrostände müssen ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen als die anderen Stände: Bei der Bestellung von Punsch oder Langosch müssen die Mitarbeiter darauf achten, dass der Kunde ein tagesaktuelles 2Gplus-Bändchen trägt. Und wenn nicht, muss der Mensch weggeschickt werden zu einer der drei Kontrollstationen.

„Die Bändel sind sehr fälschungssicher“, sagt Timm Hettich, „niemand weiß, wie sie aussehen und welcher Text darauf gedruckt ist.“ Wäre aber auch schlimm, wenn man wegen eines Tässchens Glühwein zum Fälscher würde.

Dürfen Ungeimpfte den Weihnachtsmarkt besuchen?

Dürfen Ungeimpfte den Weihnachtsmarkt besuchen? Das kommt darauf an! Wir spielen die Frage mit einem Beispiel durch. Wenn zwei Freundinnen, eine geimpft, die andere ungeimpft, miteinander über den Winnender Weihnachtsmarkt bummeln wollen, dann ist das problemlos möglich. Sofern die Freundinnen nur nach Geschenken suchen oder ihre Deko-Vorräte auffrischen wollen. Sie behalten einfach ihre Masken auf dem Gesicht und schlendern durch, lassen sich beraten, kaufen.

Darf die Geimpfte der Ungeimpften einen Punsch kaufen?

Bekommen die Beispiel-Freundinnen aber Lust auf eine Suppe oder eine Portion Pommes, einen Glüh-Met oder was noch Stärkeres, ist's sozusagen aus mit der Freundschaft. Wäre die Ungeimpfte allein unterwegs, hätte sie sowieso Pech. Sie bekäme gar nichts zu essen und zu trinken. Nur die Geimpfte kriegt etwas, unter den weiter unten geschilderten Auflagen. Aber dazu kommt: Die Geimpfte darf der ungeimpften Freundin nichts mitbringen. Das „ungleiche Paar“ darf sich eben nicht miteinander pustend, schlürfend und schwatzend an eine Hausecke stellen. „Wir haben in unserer Marktordnung geregelt, dass 2Gplus für den Kauf und den Verzehr gilt“, sagt Ann Kristin Fischer vom Verein Attraktives Winnenden.

Wie kommen Geimpfte und Genesene an ihr Verzehrbändchen?

Bevor unsere Beispiel-Geimpfte in ein Wurst-Weckle beißen kann, muss sie allerdings auch noch zwei Hürden nehmen. Sie muss sich zuerst einen offiziellen Schnelltest besorgen. Das ist zum Beispiel auf dem Stadionparkplatz oder im Container von Minessa Medical möglich, der vorübergehend nicht mehr auf dem Marktplatz steht, sondern auf den Kronenplatz umgezogen ist. Der Test kostet nichts, nur Zeit. Dann steuert die Frau die Kontrollstation an, zum Beispiel vor Friseur Scholz am Torturm, zeigt ihren Personalausweis, ihr negatives Testergebnis und ihren Nachweis für vollständigen Impfschutz. Ist alles in Ordnung, erhält sie ein Bändchen.

Hettich: Es wird ein kleiner, lokaler, heimeliger Weihnachtsmarkt

Dieses ganze Heckmeck, Timm Hettich nennt es „Sicherheitsvorkehrungen“, wird mit Sicherheit für eine „deutlich reduzierte Besucherzahl“ sorgen. „Die Menschen sind sensibilisiert und es wird ein anderes Weihnachtsmarkterlebnis als die letzten Jahre.“ Der Appell des Chefs des Robert-Koch-Instituts und nicht zuletzt von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, doch bitte auf vermeidbare Kontakte zu verzichten, wird verfangen. Hettich glaubt nicht, dass das Angebot die Massen anzieht. „Es wird ein heimeliger, lokaler, kleiner Weihnachtsmarkt.“

Dazu kommt, dass einige der 34 angemeldeten Stände ihre Teilnahme abgesagt haben. Entweder, weil sie für ihre Mitarbeiter Ansteckung befürchten, oder weil ihnen der erwartete niedrigere Umsatz die Mühen und kalten Füße nicht wert ist. Abgesprungen sind unter anderem das Feuerwehrmuseum, die Querköpf, der FC Winnenden, Luckerts Weihnachtsbaumverkauf und ein Crepes-Stand. „Auch zwei Schulen haben uns die Teilnahme in den Holzhütten abgesagt - hier sind wir aktuell auf der Suche nach Ersatz“, berichtet Timm Hettich. Alle anderen Lücken in der Marktstraße werden voraussichtlich mit den für den Santo-Domingo-de-la-Calzada-Platz (zwischen Volksbank und Rathaus) vorgesehenen Ständen aufgefüllt. Die Belegung der Marktstraße wird allerdings so „luftig“ sein, dass Ballungen vermieden werden.

Weihnachtsmarkt ja oder nein, daran scheiden sich dieser Tage die Geister. Die einen sehen den Budenzauber mit Ausschank alkoholischer Heißgetränke in den Städten für das falsche Signal in Zeiten voll belegter Intensivstationen. Kommentieren unseren Artikel zum Festhalten am Winnender Weihnachtsmarkt mit einem Wut-Symbol oder kommentieren es entsprechend deftig. Die anderen sehnen sich nach einem Rest Normalität, einer gegrillten Wurst und etwas Lichterglanz, durch den sie bummeln können,

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