Winnenden

Corona Selbsttests bei Lidl, Aldi und Müller in Winnenden ausverkauft

Schnelltest
Eines der letzten Testkits vom dm-Markt: Wann neue Ware kommt, ist noch nicht klar. © Gabriel Habermann

Auch Geimpfte haben manchmal das Gefühl: Sie brauchen einen Schnelltest. Schließlich können sie Infektionsträger sein, ohne irgendwelche Symptome zu haben. Zudem wird den Geimpften in jüngster Zeit bewusst, dass die Impf-Wirkung nachlässt – meist erst nach einem halben Jahr, bei Älteren aber auch schon nach vier Monaten. In den beiden Winnender Teststationen gibt es Schnelltest wieder gratis, und dies öfter, als viele Leute denken. Winnenden ist sehr gut versorgt mit Teststationen. Trotzdem ist der kurze Selbsttest erste Wahl für viele. Von dieser Entwicklung wurden Handel und Lieferanten kalt erwischt. So begehrt sind die Selbsttests, dass am Donnerstagabend um 18.15 Uhr die allerletzten fünf Testkits von Winnenden verkauft wurden. Der Redakteur unserer Zeitung war Zeuge des letzten Verkaufs und hat zuvor bei einem Rundgang zu den bekannten Einkaufsquellen erfahren, wie leergekauft die Regale für Testkits sind.

Der sonst oft sehr lieferfähige Aldi muss bei Testkits passen

Erste Station: Aldi beim Björn-Steiger-Kreisel. Der Discounter war vor Monaten einer der verlässlichsten Lieferanten für Schnelltests, manchmal war er der Einzige, der noch ein paar Kits liefern konnte. Damals schon hatte er die Tests behandelt wie heiße Ware. Besser gesichert als Wein der gehobenen Preisklasse wurden die Testkits, auch wenn sie nur 80 Cent kosteten. Nur direkt an der Kasse sind sie zu bekommen. Das wäre auch jetzt wieder so, wenn es überhaupt welche gäbe. Die Frau an der Kasse schüttelt den Kopf: „Wir haben keine mehr.“ Wann wird es wieder welche geben? „Wir wissen es nicht.“

Bei Lidl lohnt sich das Warten in der Kassenschlange gar nicht

Lidl hat genauso wenig zu bieten. Die Schlangen an den Kassen sind lang. Wer nur ein Testkit möchte, muss viele Minuten warten, bis er zur Kasse vorkommt, um nachzufragen. Zum Glück läuft eine Lidl-Mitarbeiterin am Redakteur vorbei. „Nein, wir haben keine Schnelltests“, sagt sie und guckt dabei traurig und auch ein bisschen erbost. Was ist da los? „Seit einer Woche haben wir keine Tests mehr. Die Leute fragen nach. Wir haben welche bestellt, aber es kommt nichts.“ Wann rechnet sie mit Nachschub? „Ich weiß es nicht.“ Ihr Gesicht sagt: Sie möchte eigentlich den Leuten das beschaffen, was viele dringend brauchen. Aber es geht nicht.

In der Apotheke am Torturm erzählt eine Apothekerin, dass die Bestände alle weggekauft wurden in dieser Woche. Viele Leute haben jetzt einen Schnupfen, fühlen sich unsicher, obwohl sie geimpft sind, und kaufen dann einen Test. Nun sind die Bestände der Apotheke leergekauft. Bestellt sind die Tests schon länger. Aber wann werden sie geliefert? „Wir wissen es nicht. Vielleicht schon am Freitag. Vielleicht erst nächste Woche“, sagt die Apothekerin entschuldigend. In der Apotheke beim Rathaus ist der Fall ganz klar: „Wir haben keine Tests“.

In den Drogeriemärkten sind die Vorräte auch aufgebraucht

Weitere Apotheken haben wir nicht befragt, aber die Drogeriemärkte waren vor Monaten immer verlässliche Lieferanten. Kurze Frage an der Kasse des Müller-Markts – nein, sie haben keine Tests mehr und sie wissen auch nicht, wann sie wieder welche reinkriegen.

Bleibt noch der dm-Drogeriemarkt, und da haben wir tatsächlich Glück. „Schnelltests? Wie viele möchten Sie denn?“ Einer genügt. Kostet 1,85 Euro. Das ist ein guter Preis. Den kaufe ich. Hinter mir blickt eine Frau bang auf den Verkaufsvorgang und lächelt milde, als sie nur ein einziges Testkit sieht. „Ich brauche auch noch welche“, sagt sie entschuldigend. Wie viele denn? „Zehn.“ „Fünf kann ich Ihnen noch geben. Das sind die Letzten“, sagt die Frau an der Kasse. „Dann fünf“. Es ist Donnerstag, 18.15 Uhr. Die Testkit-Vorräte sind alle aufgekauft.

Nur ein Gratistest pro Woche? Ein weit verbreiteter Irrtum

Schlaumeier schauen jetzt ins Internet. Da finden sie Testkits, die vor einigen Wochen noch 80 Cent gekostet hatten zu Preisen von 5 Euro das Stück. Viele Testwillige sind dem weit verbreiteten Irrtum aufgesessen, dass Tests aus den Teststationen nur einmal pro Woche gratis wären. Die Aussage der Bundesregierung ist: Mindestens einmal pro Woche ist der Test gratis. Dieses „mindestens“ sagt, dass auch sieben Tests pro Woche gratis sind, dass aber im Zweifel der Stationsbetreiber verpflichtet ist, die Leute wenigstens mit einem Test pro Woche zu versorgen.

Noah Schäftlmeier bekommt wöchentlich 150 000 Testkits aus Asien

„Jeder kann sich so oft testen lassen, wie er will. Es ist wie in der ersten Zeit der Gratistests“, sagt Noah Schäftlmeier, der die größte Winnender Teststation betreibt. Schafft er es, alle täglich mit Tests zu versorgen? Die Teststationen hatte Schäftlmeier nie ganz runtergefahren. Darum war er startklar am ersten Tag der zweiten Gratistestphase, und kann jetzt die Testzeiten ausweiten und mehr Personal einsetzen. 250 bis 300 Tests machen seine Mitarbeiterinnen am Tag. Und, was beachtlich ist: Lieferschwierigkeiten hat er überhaupt keine. „Wir bestellen direkt in Asien und haben feste Lieferverträge. Wöchentlich bekommen wir 150 000 Tests.“ Sein einziges Problem ist kein großes: Wegen des geplanten Weihnachtsmarkts musste er seine Testcontainer umsetzen lassen auf den Kronenplatz vor der Kastenschule. Ab Samstag kann sich dort jeder gratis testen lassen und bekommt das Testergebnis bescheinigt. Geöffnet ist montags bis samstags von 6.30 bis 20.30 Uhr, am Sonntag von 9 bis 15 Uhr.

Drive-in-Station beim Wunnebad: Alle zwei Minuten ein Corona-Schnelltest

Auch die Drive-in-Teststation von Philipp Hatzis beim Wunnebad-Parkplatz läuft wie am Schnürle. Zurzeit macht sie alle zwei Minuten einen Test. Geöffnet hat sie unter der Woche von 13 bis 16 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 13 Uhr. Sie ist so gut besucht, dass Hatzis weitere Stationen an anderer Stelle aufbaut. Ab Montag testet er in Oppelsbohm beim Rathaus. Übernächste Woche eröffnet er Stationen bei Giesser in Birkmannsweiler und bei Giesser in Hertmannsweiler.

Auch Geimpfte haben manchmal das Gefühl: Sie brauchen einen Schnelltest. Schließlich können sie Infektionsträger sein, ohne irgendwelche Symptome zu haben. Zudem wird den Geimpften in jüngster Zeit bewusst, dass die Impf-Wirkung nachlässt – meist erst nach einem halben Jahr, bei Älteren aber auch schon nach vier Monaten. In den beiden Winnender Teststationen gibt es Schnelltest wieder gratis, und dies öfter, als viele Leute denken. Winnenden ist sehr gut versorgt mit Teststationen. Trotzdem

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