Winnenden

Coworking-Space in Winnenden: Was hinter "Winworks" steckt

Winworks
Manuel Walker, der „Winworks“-Chef, in seinem „Coworking-Space“ im vierten Stock eines Firmengebäudes in der Max-Eyth-Straße. Früher war hier ein Fitnessstudio. © Gabriel Habermann

Im obersten Stock des Hochhauses in der Max-Eyth-Straße 7, über dem Central Hotel und mehreren Restaurants, haben bis vor einigen Monaten die Mitglieder eines Frauen-Fitnessstudios ihre Körper gestählt. Doch Corona machte dem Betrieb den Garaus. Das wiederum eröffnet einem Winnender Unternehmer die Chance, etwas Neues zu schaffen: einen „Coworking-Space“, Büroplätze zum Mieten.

Seit Januar arbeiten in den hellen, modern eingerichteten Räumen der Firma „Winworks“ Software-Programmierer, Konstrukteure und Grafik-Designer.

Was steckt hinter dem Konzept? Winworks-Geschäftsführer Manuel Walker erklärt: „Der Trend ist, gerade auch durch die Pandemie, hybrides Arbeiten. Es gibt größere Firmen, die Büro-Kapazitäten abbauen, weil sie Leerstand haben. Coworking-Spaces füllen eine Lücke zwischen Home-Office und Büro.“

Eigentlich plante Manuel Walker nicht, noch eine Firma zu gründen ...

Der 36-Jährige stammt aus der Nähe von Böblingen, wohnt seit drei Jahren in Winnenden, ist verheiratet, Vater dreier Kinder. Eigentlich war er lediglich auf der Suche nach einem Büro für seine Werbeagentur „Vinati“. Manuel Walker beschäftigt in dieser Agentur vier Festangestellte, ein paar Minijobber und Freelancer. „Wir sind ein sehr kleiner Laden. Ich habe jetzt nicht nach einem 320-Quadratmeter-Office gesucht. Dann ist diese Fläche hier frei geworden.“

Also beschloss Manuel Walker, mit „Winworks“ eine zweite Firma zu gründen, das Stockwerk zu mieten und als „Coworking-Space“ mit Leben zu füllen.

Das Objekt mit den hohen Decken und den großen Dachfenstern sei „etwas, an das man wahrscheinlich nur in Krisenzeiten rankommt“, sagt Manuel Walker und zeigt aus dem Fenster. „Man überblickt die ganze Stadt.“ Die S-Bahn ist fünf Minuten entfernt, der Supermarkt direkt nebenan, Restaurants befinden sich im selben Haus. In der Tiefgarage hat der Vermieter extra für Winworks Ladestationen für Elektro-Fahrräder installiert. „Das ist der Hit hier“, schwärmt der Winnender.

15 großzügige Büroplätze für alle, die einen Ort zum Arbeiten suchen

Rund zwei Drittel der Fläche sind heute „Coworking-Space“, circa ein Drittel wird von der Werbeagentur genutzt. Manuel Walker und seine Mitarbeiterinnen haben das Objekt seit August vergangenen Jahres renoviert und 15 großzügige Büroplätze geschaffen, die jeder mieten kann, der einen Platz zum Arbeiten sucht.

Das Prinzip von Coworking-Spaces ist, dass mehrere Menschen in offenen Büros nebeneinander, aber auch miteinander arbeiten, gegebenenfalls Projekte gemeinsam umsetzen und voneinander profitieren. Manuel Walker berichtet: „Wir wussten von diesem Trend und haben uns erst mal reingearbeitet: Ist das wirklich ein Thema für Winnenden? Gibt es einen Markt dafür?“

Coworking-Spaces: Aus den großen Städten in die kleinen Städte

Das Prinzip Coworking gibt es in Deutschland erst seit circa Ende der 2000er Jahre. „Das hat angefangen in den großen Städten: Hamburg, München, Berlin, Frankfurt. Das Zielpublikum von den großen Playern im Coworkingbereich ist das Corporate Business. Ganze Bürobereiche werden an Firmen vermietet.“

Manuel Walker hat sich beim größten Anbieter, der US-Firma Wework (Jahresumsatz: mehr als drei Milliarden US-Dollar) in Köln, umgesehen. „Die haben da fünf Stockwerke. Es gibt Unternehmen, die ein ganzes Stockwerk buchen. Für die ist das viel günstiger, als eigene Büros zu betreiben. Man kann Kapazitäten ganz flexibel auf- und abbauen.“

Aktuell breite sich der Coworking-Trend, auch befeuert von Corona und der Digitalisierung, auch im ländlichen Bereich aus, sagt der 36-Jährige. In Schorndorf bietet neuerdings die Firma „Cowirken“ ihre Büroplätze an, in Winnenden jetzt „Winworks“.

Manuel Walker: "Wir zielen nicht auf große Firmen ab"

Manuel Walker erklärt: „Wir zielen nicht auf große Firmen ab. Bei uns geht’s um kleine Teams und Firmen, die zum Beispiel die Buchhaltung ausgliedern wollen.“ Das Angebot richte sich aber auch an Selbstständige oder Angestellte, die pandemiebedingt zu Hause arbeiten sollen, bei denen im Home-Office aber schlechte Rahmenbedingungen herrschen oder die einfach keine Ruhe finden.

Eine Situation, die Manuel Walker als Vater dreier Kinder gut nachvollziehen kann. Er sagt: „Uns ist wichtig, dass es hier ruhig ist, vielleicht nicht so still wie in der Landesbibliothek, aber so, dass die Leute konzentriert arbeiten können.“

Ein Monatsticket für einen Arbeitsplatz im Winworks-Büro kostet 299 Euro, ein Tagesticket 25 Euro, es gibt aber auch 10er-Karten und Jahresverträge. Die 15 Büro-Plätze sind noch nicht alle besetzt.

„Community-Managerin“ Paula Oßwald (27) kümmert sich um die Zusammensetzung der Gäste bei „Winworks“, unterstützt sie dabei, sich gegenseitig zu unterstützen. So kann zum Beispiel der Grafik-Designer von der Expertiste des Finanzbuchhalters profitieren und andersherum.

Manche wünschen sich einfach nur den Smalltalk an der Kaffeemaschine

Es wird aber niemand gezwungen, mit den anderen Coworkern zusammenzuarbeiten. Manche suchen laut Manuel Walker nur den sozialen Austausch: „Die Leute sind isoliert zu Hause. Viele sagen: Mir fehlt das, mit jemandem einen Smalltalk an der Kaffeemaschine zu haben.“ Deshalb gibt es in der Max-Eyth-Straße nicht nur ergonomische Bürostühle, schnelles Internet, Drucker und einen Konferenzraum, sondern auch eine Kaffee-Ecke.

Im obersten Stock des Hochhauses in der Max-Eyth-Straße 7, über dem Central Hotel und mehreren Restaurants, haben bis vor einigen Monaten die Mitglieder eines Frauen-Fitnessstudios ihre Körper gestählt. Doch Corona machte dem Betrieb den Garaus. Das wiederum eröffnet einem Winnender Unternehmer die Chance, etwas Neues zu schaffen: einen „Coworking-Space“, Büroplätze zum Mieten.

Seit Januar arbeiten in den hellen, modern eingerichteten Räumen der Firma „Winworks“

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