Winnenden

Das Ende für das Backnanger Nachtleben?

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War im Januar noch im Mixx-Club zu Gast: Psaiko.Dino, Kumpel und Discjockey von Chartstürmer Cro. © Archivfoto: Alexander Becher

Backnang. Wo geht man hin, wenn man in Backnang feiern möchte? Diese Frage stellen sich die Jugendlichen Wochenende für Wochenende. Das Mixx musste schließen, das Merlin macht nur alle zwei bis drei Monate größere Clubnächte – das Nachtleben scheint eingeschlafen.

„Was? Das Backnanger Nachtleben?“, fragt Christos Kiroglou, einer der Inhaber des Merlin in Backnang, ungläubig und schiebt lachend hinterher: „Das gibt es doch gar nicht mehr.“ An normalen Freitagen und Samstagen sei schon längst nichts mehr los in der Stadt. Einen Grund dafür hat er schnell parat: „Alles konzentriert sich nach Stuttgart.“

"Leute, die tanzen wollen, werden aus Backnang weg müssen"

Nachdem die Discothek Mixx in der Stuttgarter Straße im Sommer dieses Jahres endgültig schließen musste, scheint das Backnanger Nachtleben endgültig gestorben. „Auch wenn das Mixx nicht bei allen Gruppen beliebt war und manche darüber geschmunzelt haben, ist das trotzdem sehr, sehr schlecht für Backnangs Nachtleben und die Backnanger Jugendlichen“, sagt Jugendvertreter Luca Weik, der sich das Thema auf die Fahnen geschrieben hat.

„Wenn man ein bisschen um die Häuser ziehen will, in ein paar Bars gehen und Leute treffen möchte, ist Backnang noch einigermaßen geeignet. Alle Leute, die aber tanzen wollen, werden aus Backnang weg müssen“, so sein Urteil.

"Die Leute kommen nur zu gezielten Veranstaltungen"

„Alle großen Discos haben das Problem, viele müssen schließen“, sagt Christos Kiroglou, den alle Taki nennen. „Wir haben im Merlin auch komplett umgestellt“, erklärt er. Heute mache er viele Geburtstage, private Feiern und Feste. Regelmäßig so zu feiern wie früher, das sei schon lange nicht mehr drin. „Die Leute kommen nur zu gezielten Veranstaltungen. Die Jugendlichen holt man nur noch mit Abi-Partys oder Ähnlichem.“

Und junges und älteres Publikum zusammen, das haue auch nicht hin. Das Problem habe bereits vor vier bis fünf Jahren seinen Anfang genommen, so der Merlin-Betreiber.

„Als die Stadt Backnang vermehrt Kontrollen durchgeführt hat, wurde es für uns immer problematischer.“ Natürlich habe auch die Stimmung darunter gelitten. Das zweite Problem, unter dem Backnangs Nachtleben leidet, ist die gute S-Bahn-Anbindung Richtung Stuttgart.

Die S-Bahn verkehrt auch am Wochenende die ganze Nacht

Die S 3 verkehrt am Wochenende stündlich – mittlerweile die ganze Nacht hindurch. „Man kommt nun mal jederzeit mit der S-Bahn aus Stuttgart nach Hause“, weiß Taki. Dort sei das Angebot größer, die Abwechslung vielfältiger. Leichter hätten es Discotheken erst wieder Richtung Schwäbisch Hall: „Die Clubs sind dort weit weg von Stuttgart und können sich etablieren.“

„Es ist traurig, dass eine ganze Stadt von Jugendlichen nach Stuttgart ausweichen muss, nur um feiern zu gehen“, findet Jugendvertreter Luca Weik. Gerade im Alter zwischen 16 und 20, wo man doch lieber in eine Disco als in eine Bar gehe, sei es schwierig, weite Wege auf sich zu nehmen. Trotzdem sieht er weiterhin Potenzial für eine neue Discothek in Backnang: „Sie muss nicht so geräumig sein wie das Mixx, lieber kleiner, überschaubarer und günstiger.“


Hindernisse

  • Der Betreiber des Mixx, Philip Rößlein, hatte 2015 versucht, den Club in der Stuttgarter Straße wiederzubeleben – und 606 Tage durchgehalten. Mit Acts wie Cro-DJ Psaiko.Dino, Kay One oder 187 Straßenbande wollte er Publikum in die Großraumdisco locken.
  • „Es war keine leichte Aufgabe. Und immer, wenn es mal gut gelaufen ist, kamen Hindernisse“, erzählt er. Probleme gab es beispielsweise durch Hochwasser oder neue Brandschutzvorschriften.
  • Auch Christos Kiroglou empfindet die vielen Vorschriften als Hindernis: „Wir empfinden Druck, der mit Schwierigkeiten verbunden ist.“ Auch Veranstaltungen außerhalb des eigenen Clubs aus dem Boden zu stampfen, werde immer teurer und unsicherer.