Winnenden

Das Fett in der Nuss macht nicht fett

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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Benjamin Büttner
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Benjamin Büttner
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Benjamin Büttner
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz
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Volles Haus bei Bas Kast: Rund 500 Gäste kamen ins Kärcher-Auditorium nach Winnenden. © ZVW/Sarah Utz

Winnenden. Der Mensch ist, was er isst – doch was soll der Mensch essen? Auf der Suche nach Antworten fraß sich der Wissenschaftsjournalist Bas Kast durch ungezählte Studien. Für sein Fazit interessierten sich am Dienstagabend rund 500 Gäste im Kärcher-Auditorium. Der Zeitungsverlag Waiblingen hatte den Erfolgsautor nach Winnenden geholt. Bas Kasts wichtigste Regeln: Selber kochen. Fertigessen meiden. Eiweißreiche Kost genießen. Pflanzliche Lebensmittel bevorzugen.

„Auf fitte Weise alt werden“ möchte der 46-Jährige gern. Den Wunsch teilt er vermutlich mit den meisten. Bas Kast versucht’s mit Nüssen und Brokkoli, Olivenöl und dunkler Schokolade, doch ohne Dogmen: Ernährungstipps sollten nicht den Status einer Religion erlangen, sagt er, und nur wer’s wirklich will, wird sein Ess-Verhalten auf Dauer ändern.

Bas Kast quälte sich, obwohl am laufenden Band joggend unterwegs, im Midlife-Crisis-Alter mit Herzproblemen. Seine damals lieblose Schnell-Schnell-Ernährung geriet in Verdacht: „Wenn Essen uns krank machen kann, kann es uns dann auch heilen?“

Die Suche nach dem Teufel, der im Detail steckt

Wie die Antwort lautet, weiß die Menschheit schon lang, sonst hätte sie vermutlich gar nicht überlebt.

Spannend wird’s bei der Suche nach dem Teufel, der im Detail steckt. Bas Kast beginnt seine Detailsuche mit Kannibalismus-Fragen: Warum fressen Mormonengrillen, eine Art Heuschrecken, lieber ihre plattgefahrenen Artgenossen als das Gras, durch das sie wandern?

Die Viecher schätzen eiweißreiche Kost. Eine kluge Entscheidung.

Menschen sollten sich nicht am Kannibalismus, aber doch an der Vorliebe für Eiweiß ein Beispiel nehmen, findet Bas Kast: Der Körper braucht Eiweiß so dringend wie ein Neubau Balken. Klug wär deshalb, ihm das Eiweiß in Form von Lebensmitteln zu schenken, die viel Protein enthalten – als da wären: fetter Fisch. Joghurt. Linsen. Bohnen. Nüsse. Spinat. Eiweißreiche Kost „hilft beim Abnehmen“, verspricht Bas Kast – weil der Mensch Proteine nicht speichern kann wie Fett und Zucker und er deshalb aufhört zu essen, sobald sein Körper genügend Proteine erhalten hat. Experimente mit entsprechend befüllten Buffets stützen diese These.

Der geplagte Kochfeind muss jede Menge Kram mitschlucken

Der moderne Mensch glaubt unterdessen, keine Zeit für die Zubereitung von Vollkornnudeln mit Lachssoße zu haben. Die Lebensmittelindustrie versorgt ihn ausgiebig mit Fertigem, das dem Eiweiß gern große Mengen Fett und Zucker beimischt. So muss der geplagte Kochfeind, was bleibt ihm anderes übrig, jede Menge Kram mitschlucken, um auf sein Eiweiß-Minimum zu kommen.

Bas Kasts Rat Nummer eins: „Fangen Sie an, selber zu kochen.“ Und wählen Sie Lebensmittel, die auch Ihre Urgroßmutter als solche erkannt hätte.

Konkreter bitte, Herr Kast: Wie setzt sich ein perfektes Frühstück zusammen?

Es enthält ein paar Tassen Filterkaffee aus frisch gemahlenen Bohnen. Stimmt gar nicht, dass Kaffee schadet, sagt Kast und verweist auf eine der zahllosen Studien, die er durchforstet hat. Er selbst wählt als erste Mahlzeit des Tages ein Stück dunkel-dunkle Schokolade, Kakaoanteil 90 Prozent. Wer’s mag. Wer nicht, der wähle Joghurt mit frischen Früchten, Zimt und Cashewkernen oder Haferflocken mit Himbeeren und Sonnenblumenkernen. Oder Vollkornbrot mit Erdnussbutter.

„Du kannst auch mal Fleisch essen“

Den Großteil der Kalorien sollte der Mensch in der ersten Tageshälfte zu sich nehmen, rät Bas Kast. Er selbst isst – meistens – abends nach 18 oder 19 Uhr nichts mehr. Die uralte Regel, iss abends wie ein Bettler, habe durchaus ihre Berechtigung.

Die ebenso alte Regel, Milch sei gesund, gilt ebenfalls – aber nicht für Erwachsene. Milch zählt in Bas Kasts Ernährungskompass-Ampel zu den gelben Lebensmitteln, das heißt: geht schon. Aber ohne geht auch. Denn die „Wachstumsstoffe“ in der Milch brauche nicht, wer nicht mehr wachse.

Bas Kast bevorzugt Mandelmilch. Wer den schwindelerregend hohen Fettgehalt von Nüssen kennt, schlägt angesichts seiner Empfehlung erst mal innerlich die Hände überm Kopf zusammen: Was soll ich? Sogar mehr als eine Handvoll Nüsse essen? Jeden Tag?

Unbedingt. Das hilft beim Abnehmen, verspricht Bas Kast. Denn Nüsse sättigen super. Für Vollkornbrot gilt dasselbe, und während sich Billionen Darmbakterien nach Vollkornbrot-Genuss über Ballaststoffe hermachen, kann der Mensch in aller Ruhe seinen Speiseplan für den Mittag und Abend schreiben.

Böse Kartoffeln

Auf dem Plan steht am besten Obst am Stück statt Fruchtsaft pur. Aus Bulgur oder Vollkorn-Couscous, aus kaltgepresstem Olivenöl und Hanfsamen, aus Datteln, Austernpilzen, Ingwer und Kürbiskernen lassen sich Gerichte zubereiten, welche die Sehnsucht nach Kartoffeln ganz vergessen lassen. Kartoffeln sortiert Bas Kast in die Kategorie „böse“, ganz besonders dann, wenn sie in gebratener Form oder als Pommes den Insulinspiegel in ungeahnte Höhen treiben.

„Du kannst auch mal Fleisch essen“, sagt Bas Kast auf dem Podium im Kärcher-Auditorium im Gespräch mit Frank Nipkau und Liviana Jansen. Der Redaktionsleiter des Zeitungsverlags Waiblingen und die Redakteurin kennen gleichwohl die These ihres Gastes: Gemüse ist das neue Fleisch. „Pflanzliche Lebensmittel sind das A und O einer gesunden Ernährung“, so fasst es Bas Kast zusammen.

Sein Ernährungskompass hält sich dauerhaft vorn in der Spiegel-Bestseller-Liste und hat es bis zum Wissensbuch des Jahres 2018 gebracht. Nun ist noch ein Kochbuch dazu herausgekommen. Offenbar verspüren Menschen einen dringenden Informationsbedarf zu Ernährungsthemen – obwohl es an Informationen dazu auf keinen Fall mangelt. Das Widersprüchliche nervt. Ständig neue Diäten, neue Erkenntnisse, neue Moden. Kast hat offenbar einen Nerv getroffen, weil er den ganzen Informationswust zu einem klaren Werk zusammengefasst hat. Und weil er den Fokus auf Gelassenheit legt und auf Genuss: „Letztlich ist wichtig, dass es Ihnen schmeckt.“