Winnenden

Der neue Feuerwehr-Kommandant erkundet Winnenden und Umgebung

Feuerwehrkommandant Yosh Dollase
Yosh Dollase ist der neue hauptberufliche Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Winnenden. Fürs Foto nahm er in großem Abstand zu den Journalisten kurz die Maske ab – die Maskenpflicht im Feuerwehrhaus nimmt er ansonsten sehr ernst. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Feuerwehr, insbesondere die Freiwillige in Winnenden, ist eine Truppe, auf die man sich verlassen kann. Das zeigt beispielhaft das Ankerwerfen des neuen hauptberuflichen Kommandanten in der Stadt. Yosh Dollase kommt aus dem hohen Norden, aus Kiel, wo er schon lange eine Wohnung hatte. „Beim Blick auf den Wohnungsmarkt hier dachte ich gleich, oh mein Gott! Und machte zur Bedingung, dass ich erst anfange, wenn ich eine Wohnung habe.“ Auf den Artikel über seine Wahl hin meldete sich eine Bürgerin mit einem Angebot, doch schließlich wurde zufällig die Wohnung von der Familie eines Winnender Kameraden frei.

Der Dialekt und ein skurril anmutendes Schild

„Auch am Umzugstag konnte ich mit vielen fleißigen Helfern rechnen“, erzählt Yosh Dollase. Weil er die 750 Kilometer mit einem geliehenen Sieben-Tonner nicht ohne einen längeren Stau bewältigen konnte, kam er aber erst spätabends an, zu spät, um im Haus Krach zu machen. Kurzerhand lagerten die Winnender Dollases Hausrat im Feuerwehrhaus zwischen, liehen am nächsten Tag einen Lkw der Firma Schief und brachten die Sachen in die Wohnung.

Mit dem schwäbischen Dialekt seiner neuen Kollegen und Mitbürger kommt er ganz gut klar, „ich verstehe alles, und wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach“, sagt er. So weiß er schon, dass wir zu Weinbergen Wengert sagen und dass schaffen bei uns auch arbeiten bedeutet. Und: Auf seinem Facebook-Auftritt findet sich eine Fotomontage mit einem Kehrwochenschild ... „Auch ein paar Flüche habe ich schon kennengelernt“, deutet er an, dass er als neuer Chef bald offenbar für alle Lebenslagen verbal munitioniert sein wird.

Der Teil-Lockdown unterbindet derzeit Übungen

Einen knappen Monat konnte sich Yosh Dollase bisher einarbeiten und sich mit den Kollegen bekanntmachen. „Ein Teil kennt mich schon persönlich vom Feuerwehrausschuss, bei der Altersfeuerwehr habe ich auch mal Hallo gesagt“, erzählt er, „aber ich bedaure es, dass ich die meisten der rund 200 Feuerwehrleute bisher noch nicht live gesehen habe“. Im Teil-Lockdown untersagte die Landesregierung zur Corona-Prävention auch den kompletten Übungsbetrieb, im Feuerwehrhaus Mitte an der Mühltorstraße, wo Dollases Büro ist, herrscht Maskenpflicht. „Wir besprechen uns also hauptsächlich über Videokonferenzen mit Webex. Die Arbeitsgruppen zur Ausstattung des neuen Drehleiterfahrzeugs und des Einsatzleitwagens beraten auf diesem Weg, und die Jugendfeuerwehr übt online Knoten, macht ein Quiz und plant sogar auf diese Weise, ihre Weihnachtsfeier abzuhalten“, freut sich der 34-Jährige über die Bereitschaft der Gruppenleiter, all das in der Pandemie auf anderen Wegen als den üblichen zu machen. Dollases nächstes Projekt ist die Vorbereitung der Hauptversammlung im Februar unter Pandemiebedingungen – mit Briefwahl.

Das Wetter darf gerne schmuddelig sein

Im Ernstfall aber, bei Bränden oder Unfällen, hilft alles nichts: Zum Lebenretten müssen die Feuerwehrfrauen und -männer zusammenkommen. Yosh Dollases Einsatz-Premiere war bei einem vergleichsweise kleinen Vorfall, durch eine defekte Pellet-Heiz-Anlage an der Brunnenstraße war die Markthaustiefgarage verraucht. „Obwohl ich viele noch nicht kannte, lief alles schnell und routiniert ab“, lobt er die Truppe.

Yosh Dollase ist in Heiligenhafen „im wunderschönen Ostholstein“ aufgewachsen, was kurz vor der Insel Fehmarn liegt. Zu etlichen Stränden und auch zur Landeshauptstadt Kiel ist es nicht weit, in die er nach einem dreijährigen Intermezzo in Hamburg zog. Nach der Trennung von seiner Partnerin suchte Yosh Dollase eine neue berufliche Herausforderung – und fand sie 750 Kilometer weiter südlich. „Bei so einem regnerischen Herbstwetter fühle ich mich wohl“, sagt er beim Gespräch am Mittwoch, das erinnert ihn wenigstens ein bisschen an die dort oben wesentlich steifere Brise und das „Schiet- und Schmuddelwetter“.

Der Lehrer, der auch Berufsfeuerwehrmann ist

Wie war sein beruflicher Werdegang bisher? Nach seinem Realschulabschluss hat er eine Ausbildung zum Rettungsassistenten gemacht, stieg dann aber in den Vorbereitungsdienst für die Laufbahn bei der Feuerwehr bei der Stadt Kiel ein und arbeitete anschließend sechs Jahre bei deren Berufsfeuerwehr. „Nebenher habe ich studiert“, verweist er darauf, dass das nicht zu schaffen gewesen wäre, wenn er nicht gerne strukturiert arbeiten würde. Sein Studienabschluss lautet auf Deutsch „Gefahren-, Katastrophen- und Krisenmanagement“, seine Bachelor-Arbeit ist ein Konzept für eine Waldbrand-Dazu hat er sich 2019 mit dem Verbandsführer die passende Qualifikation für den Kommandantenposten erworben.

Seit 2013 unterrichtet Yosh Dollase auch. Er wurde Lehrrettungsassistent und 2017 Praxisanleiter, außerdem baute er eine Selbstständigkeit auf in Brandschutzberatung und mit Erste-Hilfe-Kursen. „Sie läuft im Norden weiter unter meinem Namen, hier bin ich mit meinem Hauptjob zunächst mal ausgelastet.“ Langfristig kann er sich aber vorstellen, seine Kurse in der Region Stuttgart zu geben, aber nicht direkt als Konkurrent von Winnender Anbietern.

Bevor er nach Winnenden wechselte, hat Yosh Dollase zudem drei Jahre lang Feuerwehrleute unter anderem für die Führungsrolle vorbereitet an der Landesfeuerwehrschule Schleswig Holstein. „Das Unterrichten zähle ich zu meinen Hobbys“, sagt er, es mache ihm Spaß, sein Wissen weiterzugeben, und der Praxisbezug sei da besonders wertvoll.

Der Multi-Sportler freut sich über die traumhafte Natur

Noch was? Na klar. Der Mann ist auch Rettungsschwimmer, und außerdem, als Sohn eines Binnenkapitäns und Reservist der Deutschen Marine mit dem Wasser verbunden. Wie läuft das auf die Entfernung? Das sei, sagt der vor vielen Aufgaben nicht Zurückschreckende, im Jahr mit zwei Wochen Übung im Einsatzausbildungszentrum für die Schiffsbrandbekämpfung abgedeckt.

Doch vorerst wird Yosh Dollase überwiegend hier zwischen Zipfelbach und Buchenbach seine Nase in den Wind halten und die neue Umgebung erkunden. Er wohnt im Schelmenholz, genießt dort die Waldnähe zum Wandern, Radfahren und den Trimm-dich-Pfad zum Joggen und Fitnesstraining. „Ich war am Wochenende auch schon am Blautopf“, erzählt er. „Die Berge, die Natur: Es ist echt traumhaft hier.“ Zum Skifahren, hofft er, wird er nun wieder öfter kommen und das Segeln auf dem Bodensee auf jeden Fall mal ausprobieren.

Privat hört er sehr gern Musik, am liebsten querbeet mit einer Musik-App, „tagsüber im Büro läuft bei mir immer das Radio“, erzählt er lachend. Privat kocht er sehr gern „und backen kann ich sehr gut“. Auf die schwäbischen Spezialitäten ist er neugierig, Spätzle hat er schon probiert, von Maultaschen immerhin gehört. Er, der sich selbst als „nordische Frohnatur“ und humorvollen Menschen bezeichnet, ist offen für alles.

Die Feuerwehr, insbesondere die Freiwillige in Winnenden, ist eine Truppe, auf die man sich verlassen kann. Das zeigt beispielhaft das Ankerwerfen des neuen hauptberuflichen Kommandanten in der Stadt. Yosh Dollase kommt aus dem hohen Norden, aus Kiel, wo er schon lange eine Wohnung hatte. „Beim Blick auf den Wohnungsmarkt hier dachte ich gleich, oh mein Gott! Und machte zur Bedingung, dass ich erst anfange, wenn ich eine Wohnung habe.“ Auf den Artikel über seine Wahl hin meldete sich eine

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