Winnenden

Der Verdi-Streik in Kitas trifft Eltern, die im Corona-Jahr ohnehin strapaziert sind

STreikschild
Christian-Wunderlich-Kindergarten. © Schmitzer

Verdi hat am Mittwoch wieder Erzieherinnen zum Streik aufgerufen, um höhere Gehälter für den Öffentlichen Dienst durchzusetzen. In diesem Jahr ist so ein Erzieherinnenstreik besonders schmerzhaft. „Hatten wir nicht schon genug Ausfälle in der Kita“, fragen sich Eltern. Der Lockdown im Frühjahr hat sie Nerven gekostet und die Furcht vor den nächsten Kitaschließungen macht Eltern wieder verletzlich und unduldsam.

Andererseits wissen sie auch, dass Erzieherinnen eine große Last tragen im Coronageschehen: Ganz nah bei den Kindern sein, sie berühren, sie in den Arm nehmen, Hygieneregeln durchziehen und organisieren, alles für den Beruf geben und dafür im Privatleben die Kontakte besonders einschränken – Erzieherinnen tragen viel auf ihren Schultern und können in diesem Jahr noch mehr Gründe nennen als sonst, warum sie ein höheres Gehalt verdient hätten und warum sie streiken.

Ein Vater: "In der Coronazeit gehört so was einfach verboten"

Trotzdem reißt manchen Eltern der Geduldsfaden: „Ich finde es eine bodenlose Frechheit“, schreibt ein Vater aus Schwaikheim in einer E-Mail an unsere Zeitung. Er habe nichts gegen Streiks – ob Kitas betroffen sind oder die öffentlichen Verkehrsmittel. „Aber in der Corona-Zeit gehört so was einfach verboten. Erst freuten sich die Kinder wieder alle, dass sie miteinander spielen dürfen – dann werden sie wieder komplett getrennt.“ Die Eltern haben einen fünfjährigen Sohn, von dem sie sagen: „Er kommt Gott sei Dank gut damit klar. Noch versteht er so das Ganze nicht.“ Aber jedes Mal einem Fünfjährigen erklären zu müssen, warum er jetzt seine Freunde nicht treffen kann und zu Hause bleiben müsse, sei „echt nervig“. „Die Kinder waren doch lange genug nicht in den Kitas“, erinnert er an den Lockdown vom Frühjahr, um jetzt im Herbst gleich zu fragen, wann die Kitas wieder ganz schließen werden. Eltern führt dieser Streik in eine stark angespannte Situation.

Die Ganztags-Gruppe bleibt vom Streik verschont

Manche Erzieherinnen dachten beim Streiken durchaus an Eltern und daran, große Härten zu vermeiden. Im Gretel-Nusser-Kindergarten wurden am Mittwoch zwar drei von vier Gruppen bestreikt, aber eine Erzieherin erklärte dem Redakteur: „Die Ganztagsgruppe läuft weiter, weil wir wissen, dass dort von den meisten Kindern beide Eltern berufstätig sind.“

Elternbeiratsvorsitzende: "Bei einigen sind Urlaubstage schon aufgebraucht"

Selina Bochnig, Gesamtelternbeiratsvorsitzende für die Winnender Kindergärten, kann die Streikenden verstehen, aber auch die Eltern, denen noch die Kitaausfälle vom Frühjahr in den Knochen stecken: „Es waren so viele Schließzeiten in diesem Jahr, dass bei einigen schon die Urlaubstage aufgebraucht sind.“ Wenn dann wie im Seewasen der ganze Kindgarten geschlossen wird, kann es Eltern hart treffen. Allerdings beobachtet Bochnig auch, dass Eltern nur ganz selten protestieren oder Mails schreiben an den Elternbeirat. Für Bochnig persönlich verlief der Mittwoch ganz passabel: Sie bekam frei an ihrer Arbeitsstelle und konnte sich um ihren Sohn kümmern. Bei ihr springt ansonsten auch oft die Oma ein.

Wenn der Kindergarten geschlossen ist, springt der Opa ein

Der andere Kindergarten, der komplett geschlossen wurde am Mittwoch, war der Christian-Wunderlich-Kindergarten. Wenige Meter weiter unterhalb an der Breuningsweiler Straße sah man Betroffene des Streiks: ein Opa mit zwei Kindergartenkindern. Er half aus als Kinderbetreuer, machte ein fröhliches Gesicht dazu und meinte: „Ha, für so was bin i doch do.“ Glück für die Eltern, wenn der Opa in der Nähe wohnt oder wenigstens schnell da ist. Und ganz fair von den streikenden Erzieherinnen war es, dass sie ihren Streik wenigstens einen Tag vorher angekündigt hatten, so dass der Opa sich den Tag frei halten konnte für die Enkele.

Streikende ziehen in einem Demonstrationszug durch die Winnender Kernstadt

Der Streik traf außer den genannten Kindergärten auch den Kindergarten in der Jahnstraße in Birkmannsweiler, und das Kinderhaus Schafweide zum Teil. Die Streikenden blieben nicht einfach zu Hause – sie zogen um 9.45 Uhr in einem 40-köpfigen Demonstrationszug durch die Winnender Kernstadt und trugen Transparente mit, einige davon selbst bemalt. Ein Mann am Straßenrand schüttelte nachdenklich den Kopf: „Ich weiß nicht, ob das sein muss, gerade jetzt in Coronazeiten.“ Die Streikenden demonstrierten fröhlich weiter und zeigten ihre Schilder: „Wir sind es wert!“

Verdi hat am Mittwoch wieder Erzieherinnen zum Streik aufgerufen, um höhere Gehälter für den Öffentlichen Dienst durchzusetzen. In diesem Jahr ist so ein Erzieherinnenstreik besonders schmerzhaft. „Hatten wir nicht schon genug Ausfälle in der Kita“, fragen sich Eltern. Der Lockdown im Frühjahr hat sie Nerven gekostet und die Furcht vor den nächsten Kitaschließungen macht Eltern wieder verletzlich und unduldsam.

Andererseits wissen sie auch, dass Erzieherinnen eine große Last tragen im

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