Winnenden

Der Winnender Wochenmarkt hat jetzt einen Unverpackt-Stand

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Martina Mohr und Uta Grasmannsdorf füllen Linsen, Reis und Knabbersachen in mitgebrachte Gefäße der Winnender Wochenmarktkunden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Eben erst hat die Stadt auf dem Wochenmarkt die kleinen dünnen Plastiktüten als Ausnahme noch erlaubt, nur kommen zwei Markthändlerinnen und verzichten bewusst auf Plastik. Ein Unverpackt-Stand steht jetzt immer donnerstags bei der Kreissparkasse in der Marktstraße. Der Stand ist klein und steht leicht zurückversetzt im oberen Teil des Markts. Es passiert schnell, dass man ihn übersieht, wenn man ihn nicht bewusst sucht.

Eine Frau kauft ein, hat aber kein eigenes Schächtele dabei

„Ich möchte erst mal gucken“, sagt eine Frau, die den Stand gerade entdeckt hat. „Dann hätte ich gerne eine Tüte von dem Müsli.“ Sie hat jetzt kein Schächtele mitgebracht, weil sie mit dem Laden nicht gerechnet hatte, aber Martina Mohr vom Unverpackt-Stand hält Papiertüten bereit. Notfalls wird eben doch verpackt – aber plastikfrei. Sie füllt ein: „Sie saget, wenn’s gnug isch.“ „Machetse ‘s so, dass des Tütle halt no zugeht.“ Gut. „Noch etwas?“ „Auf jeden Fall möchte ich noch vegane Marshmallows.“ Die gibt’s selbstverständlich, und auch genau in der gewünschten Menge, nicht irgendwie vorverpackt. Vegan sind sie, weil ihre Gelatine auf rein pflanzlicher Basis hergestellt wurde und nicht wie üblich aus Haut und Knochen von Tieren.

Fertig-Semmelknödel aus dem übrigen Brot von Bäckereien

Martina Mohr (57) und Uta Grasmannsdorf (38) achten auf Herkunft und Herstellung ihrer Waren. Zum Beispiel verkaufen sie Semmelknödel in Weck-Gläsern von der Firma „Knödelkult“, die nach einem festen Prinzip arbeitet: Der Rohstoff für die Knödel ist aus Brot, das nicht mehr so frisch ist, dass es Bäckereien noch verkaufen könnten. Sie liefern es an Knödelkult, womit vermieden wird, dass Lebensmittel in den Müll gelangen. „Wir haben auch Lebensmittel aus der Nähe“, erzählt Martina Mohr. Kaffee (in vorgefertigten Verpackungen) kommt von Herrmanns Rösterei in Hertmannsweiler, Reis und Flocken von der Hegnacher Mühle.

Das Abwiegen und Einfüllen erinnert ältere Kunden an früher

„Haben Sie auch ganz feine Haferflocken von der Hegnacher Mühle?“, fragt eine ältere Dame. „Ja. So Zarte, oder? Die hab ich auch da.“ Die Kundin ist ganz glücklich: „Das ist ja wie früher, als der Kaufmann alles noch in großen Glasbehältern gelagert hatte. Als Kind konnte man sehen, wie die Bonbons aus dem Glas rieselten.“ Händlerin Mohr holt einen Papiersack mit Haferflocken, und die Kundin fragt gleich nach: „Wie viel haben Sie da noch?“ Martina Mohr wiegt. „1,7 Kilo.“ „Die nehm ich.“

Um 11 Uhr bringt Uta Grasmannsdorf Nachschub in einem großen Sack aus der Hegnacher Mühle. Für die beiden Frauen ist der Marktstand eine Übergangslösung. Sie suchen einen festen Laden, in dem sie große Glasbehälter installieren können, in denen das Rieseln der Linsen in den Ohren klingelt und in dem sie größere Vorräte direkt am Ort halten können. Aber jetzt sind sie froh, dass der Handel mal begonnen hat mit ihrem Marktstand.

Beide Gründerinnen stören sich schon lange am Plastikverbrauch

Vor einem halben Jahr hatten sie beschlossen, dieses Geschäft aufzubauen. Sie kommen von außerhalb des Rems-Murr-Kreises und tragen beide seit Jahren die Idee von einem Unverpacktladen im Kopf, ohne dass sie voneinander gewusst hätten. Uta Grasmannsdorf ist Betriebswirtin, arbeitete immer in der Verwaltung und versucht seit Jahren mit ihrer Familie plastikreduziert zu leben: „Wir haben drei Kinder und kommen jetzt im Monat nur noch auf einen halben gelben Sack.“ Am Wegwerfplastik stört sich auch Martina Mohr schon lange. 30 Jahre hatte sie als Zahntechnikerin gearbeitet, dann im Vertrieb. Als sie in einem Unverpacktladen in Sillenbuch ein Hart-Schampoo entdeckte, dachte sie an die vielen Plastikflaschen, die man regelmäßig wegwirft, und wollte selbst einen Unverpacktladen gründen. Beide zusammen packten das Projekt an, haben den Start geschafft und schauen jetzt, dass es sich entwickelt.

Eben erst hat die Stadt auf dem Wochenmarkt die kleinen dünnen Plastiktüten als Ausnahme noch erlaubt, nur kommen zwei Markthändlerinnen und verzichten bewusst auf Plastik. Ein Unverpackt-Stand steht jetzt immer donnerstags bei der Kreissparkasse in der Marktstraße. Der Stand ist klein und steht leicht zurückversetzt im oberen Teil des Markts. Es passiert schnell, dass man ihn übersieht, wenn man ihn nicht bewusst sucht.

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