Winnenden

Des Bahnhofs alter Glanz: Steinmetz aus Ulm restauriert das Gebäude in Winnenden

Steinmetz
Steinmetz Andreas Scherer (ganz hinten) begutachtet mit Berhan Tongay (orangene Weste, Projektleiter Deutsche Bahn) und Ahmad Dabash die Fassade. Foto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Nach wie vor ist das Bahnhofsgebäude eingerüstet und in weiße Folie gehüllt. Hinter den Kulissen tummeln sich von Montag bis Donnerstag Spezialisten, die die Fassade des Bahnhofs aus dem 19. Jahrhundert instand setzen. Einer dieser Spezialisten ist Andreas Scherer. Er ist Steinmetz. Seine Arbeit macht er mit Leidenschaft und viel Herzblut.

Beim Rundgang um das Bahnhofsgebäude auf dem Gerüst fallen dem Handwerker im Sekundentakt kleinere Löcher, Unebenheiten oder andere Schönheitsfehler an der Fassade auf. „Hier müssen wir noch mal ran“, empfiehlt er seinem Mitarbeiter, der ebenfalls auf dem Gerüst steht. Praktisch im selben Atemzug fängt Scherer an zu schwärmen. „Wir haben hier einen Quarzsandstein. Da hat Winnenden wirklich Glück“, meint er.

Diese Art Sandstein ist ziemlich robust und pflegeleicht. „Wenn wir hier fertig sind, dann haben auf jeden Fall zwei Generationen ihre Ruhe“, ist Scherer sich sicher. „Zumindest, wenn es keinen Vandalismus gibt“, fügt er an. „Graffitis sind ein Jammer für solch eine Fassade. Man sollte schauen, dass man sie schnell entfernt. Macht man sie nicht weg, dann kommen schnell weitere hinzu“, empfiehlt er Berhan Tongay, der die Instandsetzung als Projektleiter der Deutschen Bahn betreut.

Tongay erzählt, dass die Bahn 145.000 Euro in die Instandsetzung des Bahnhofsgebäudes investiert. „Nachdem wir bereits die Dächer rund um den Bahnhof erneuert haben, ist das jetzt vermutlich die letzte Maßnahme für die kommende Zeit“, so der Projektleiter.

Noch sind Steinmetz Andreas Scherer und sein Team ja auch beschäftigt. „Es wird noch etwa bis Mitte September dauern“, schätzt Berhan Tongay. Da das Gerüst nun sowieso schon aufgebaut ist, werde man sich wohl noch das hölzerne Dachgesims genauer anschauen, möglicherweise werden die Fensterrahmen noch gestrichen.

„Es war höchste Zeit, hier etwas zu tun“, sagt der erfahrene Steinmetz

Steinmetz Andreas Scherer beobachtet währenddessen, wie einer seiner Mitarbeiter Löcher zuspachtelt. „Die kleineren Sachen erledigen wir so. Bei einem Prestigeobjekt wie dem Ulmer Münster würden wir wohl Stücke der Fassade entfernen und einen neuen Stein einsetzen“, erklärt Scherer.

Am Winnender Bahnhof beheben die Männer nur die größeren Schäden mit neuem Sandstein. „Wir passen ihn in unserer Werkstatt an, müssen ihn dann hier sorgfältig anbringen“, erklärt der Steinmetz. Das kann schon auch mal etwas Zeit in Anspruch nehmen, vor allem wenn es um filigrane Rundungen um die Fenster des Gebäudes geht. Scherer und sein Team bearbeiten den frischen Stein dann noch per Sandstrahl, damit er farblich zur bestehenden Fassade passt. Zu tun gibt es einiges. „Solche Arbeiten sind wichtig. Je länger man wartet, desto teurer wird es“, weiß Scherer. Es sei immer auch ein Sicherheitsaspekt mit dabei. „Teile der Fassade können herausbrechen, wenn man lange nichts tut“, weiß der Experte.

Mit Wasserdampf die Fassade gereinigt

Nachdem die Arbeiter die Fassade genauestens begutachtet haben, haben sie diese zunächst gesäubert. „Es ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Da muss man vorsichtig sein“, sagt der Steinmetz. Unter anderem hat sich Lasur auf der Fassade befunden. „Manche Stellen wurden einfach mit schwarzer Farbe überstrichen. Andere waren extrem dreckig“, erklärt der Experte.

Zunächst haben die Männer das Gestein mit feinem Wasserdampf behandelt. Die massiven Verschmutzungen dann mit einem Sandstrahler. Eine extrem wichtige Rolle spielen dabei die Folien, die am Gerüst befestigt sind: Bei hoher Sonneneinstrahlung sehen die Experten die Fassade nicht gut genug, um genau zu arbeiten. Regen wäre ebenso ein Problem, etwa für den Leim beim Anbringen neuer Sandsteinstücke. „Wenn wir das Gerüst entfernen, dann werden sich einige Winnender wundern, wie hell das Gebäude wieder ist“, sagt Andreas Scherer, der abermals ins Schwärmen gerät. „Der Stein gibt einfach ein schönes Bild ab, lebendig. Alte Flickstellen und die Fugen geben der Fassade einen wunderbaren Charakter“, freut sich der Steinmetz.

Fachkräftemangel trifft das Steinmetzunternehmen

Alles andere als ein Grund zur Freude ist für den Unternehmer die momentane Situation auf dem Arbeitsmarkt. „Es gibt keinen Nachwuchs. Der Fachkräftemangel trifft uns extrem“, sagt Andreas Scherer. Dabei sei der Beruf des Steinmetzes so ein tolles Handwerk. Scherer hat einige Mitarbeiter zwischen 40 und 60 Jahren, jedoch kaum jüngere. „Es ist wirklich schlimm. Wenn es so weitergeht, dann können wir solche Arbeiten wie hier bald nicht mehr erledigen.“

Nach wie vor ist das Bahnhofsgebäude eingerüstet und in weiße Folie gehüllt. Hinter den Kulissen tummeln sich von Montag bis Donnerstag Spezialisten, die die Fassade des Bahnhofs aus dem 19. Jahrhundert instand setzen. Einer dieser Spezialisten ist Andreas Scherer. Er ist Steinmetz. Seine Arbeit macht er mit Leidenschaft und viel Herzblut.

Beim Rundgang um das Bahnhofsgebäude auf dem Gerüst fallen dem Handwerker im Sekundentakt kleinere Löcher, Unebenheiten oder andere

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