Winnenden

Deutsches Kindermedienfestival: Elfjährige aus Winnenden in der Jury

Leonie
Leonie Kokott mit der Symbolfigur des Festivals, dem Goldenen Spatz. © Gabriel Habermann

Leonie Kokott ist elf Jahre alt und in der Medienwelt ein gefragtes Mädchen: Die Lessing-Gymnasiastin saß in der Jury beim 28. Deutschen Kinder-Medien-Festival „Goldener Spatz“. Das Besondere an dem von der Deutschen Medienstiftung ausgelobten Wettbewerb: Die Zielgruppe selbst vergibt die Hauptpreise in den Kategorien „Kino/TV“ und „Digital“. Wie hat es die Elfjährige geschafft, aus 800 Kindern bundesweit ausgewählt zu werden?

Leonie liest und schreibt. Tagein, tagaus. Am liebsten schreibt sie Rezensionen in ihren Blog, der sich täglich füllt und inzwischen die Aufmerksamkeit großer Kinder- und Jugendbuchverlage auf sich zieht.

Sie meidet Lobhudelei und vertritt einen Standpunkt

Um sich den Platz in der „Digital“-Jury beim größten deutschen Kinder-Medien-Festival zu sichern, hat sie die App des Kindersenders „KiKA“ bewertet und eingereicht. „Damit kann man sich Sendungen downloaden und vieles mehr, aber man braucht eine sehr schnelle Internetverbindung, das ist nicht so optimal“, sprudelt es aus ihr heraus. Sie habe die App mehrmals neu starten müssen - was Punkteabzug bei der Bedienbarkeit gab. Leonies Mutter, die beim Interview mit der Winnender Zeitung zuhört, vermutet, dass die Kritikfähigkeit ihrer Tochter das Komitee überzeugt hat. „Sie finden es gut, dass sie nicht nur Lobhudeleien zum Besten gibt, sondern einen kritischen Standpunkt einnehmen und vertreten kann.“ Die Organisatorin habe zudem die Eigenständigkeit von Leonie hervorgehoben. „Sie können nach fast 30 Jahren erkennen, ob wirklich ein Kind die Kritik geschrieben hat oder ob die Eltern die Schreibarbeit übernommen haben, damit ihr Kind genommen wird.“ Leonie hat derlei Eltern-„Support“ nicht nötig.

Grob geschätzt hat die Elfjährige schon mehr als 1000 Bücher gelesen

Sie besucht die achte Klasse am Lessing-Gymnasium, weil sie zwei Grundschulklassen überspringen konnte. Lesen und schreiben konnte sie schon im Kindergarten. Die aufgeweckte, intelligente und umtriebige Schülerin hat mit ihren elf Jahren geschätzt schon mehr als 1000 Bücher gelesen. Sie ist also gut im Training: Bücher lese sie „in einem Ruck“ runter, noch Tage und Wochen später könne sie sich an die Handlung erinnern, habe Schreibstil und Spannungsbogen im Kopf. „Ich schreibe die Rezension an einem Stück runter, ohne mir Post-its zwischen die Seiten zu legen“, sagt sie über ihre Methode.

Wie ist es, vor mehreren Hundert Gästen auf der Bühne zu stehen?

Ihrem ausgeprägten Leseeifer hat sie ein großes Allgemeinwissen und eine geschliffene Ausdrucksweise zu verdanken. Besonders gut kann sie Vergleiche zwischen dem Gelesenen ziehen und kritisch hinterfragen. Das tat sie in der Jury zum Medienpreis „Goldener Spatz“ erstmals im digitalen Sektor. Das Highlight war für sie die Preisverleihung: „Bei so was dabei zu sein, auf der Bühne zu stehen, im Kino vor mehreren Hundert Zuschauern, ich bin eine Bühnensau, ich mag das.“

Zu fünft hätten sie und die anderen Kinder der Digital-Jury abwechselnd das Ergebnis verkündet. Leonie präsentierte „Ratzfatz durch die Mauer“, ein Spiel, bei dem mehrere Level zu durchqueren sind. „Man erfährt, was in der Nacht des Mauerfalls passiert ist“, erzählt sie. Comicelemente und Animationen erklären die historischen Ereignisse entlang eines Parcours, den der oder die Spieler mit unterschiedlich begabten Figuren durchlaufen. In der Begründung habe ihre Jury „Spannung“ vermerkt. „Es ist anspruchsvoll, man hat etwas gelernt und es machte trotzdem Spaß.“

Wie geht es weiter? Sitzt Leonie jetzt öfter in der Jury?

Für sie persönlich war die Erfahrung spannend, „andere Kinder kennengelernt zu haben und mit ihnen zu arbeiten und zu diskutieren“. Eine Woche lang durften sie fern der Heimat, in Erfurt und Gera, täglich acht Stunden lang Webseiten und Spiele testen, ausprobieren und bewerten. Gewohnt hat Leonie im Hotel. Gearbeitet wurde im Vorraum des Planetariums, wo ihre Laptops und PCs standen. „Ich fand es cool, mich eine Woche lang einer Sache vertieft zu widmen und mal digitale Sachen zu bewerten“. Sie würde es gerne wiederholen, aber jedes Kind darf nur einmal Jury-Mitglied sein.

Der Jury-Job habe ihr nicht zu Folgeaufträgen verholfen, aber Leonie leidet gewiss nicht an Unterbeschäftigung: Seit 2019 schreibt sie Rezensionen in ihrem Blog, der durch die Decke geht. Im Sommer 2020 habe sie 60 000 Zugriffe pro Monat gezählt, auf Instagram 5500 Follower. Die Verlage schicken ihr inzwischen Kinder- und Jugendbücher, damit Leonie sie in ihren Blog aufnimmt und bekanntmacht. „Der Postbote kennt uns gut“, sagt Leonies Mutter.

Ein gefragtes Mädchen auf vielen Medienkanälen

Neulich wurde Leonies Zimmer renoviert und erweitert, um weitere Bücherregale zu installieren. Übers Wochenende nach dem Medienfestival wuchs auch ihr Blog weiter an. Darin hat sie den Reiter zum „Goldenen Spatz“ eingebaut und die wichtigsten Links eingefügt. Darunter auch den zu einem Radio-Interview, das Leonie einen Tag vor der Preisverleihung einem Erfurter Lokalsender gegeben hat. Das ist typisch Leonie: auf vielen Medienkanälen ein gefragtes Mädchen.

Leonie Kokott ist elf Jahre alt und in der Medienwelt ein gefragtes Mädchen: Die Lessing-Gymnasiastin saß in der Jury beim 28. Deutschen Kinder-Medien-Festival „Goldener Spatz“. Das Besondere an dem von der Deutschen Medienstiftung ausgelobten Wettbewerb: Die Zielgruppe selbst vergibt die Hauptpreise in den Kategorien „Kino/TV“ und „Digital“. Wie hat es die Elfjährige geschafft, aus 800 Kindern bundesweit ausgewählt zu werden?

Leonie liest und schreibt. Tagein, tagaus. Am liebsten

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