Winnenden

Deutsches Rotes Kreuz Winnenden: Freiwillig im Einsatz im Kampf gegen Corona

DRKImpfaktion
Yvonne Butzert, ehrenamtlich sehr engagiert im Deutschen Roten Kreuz, zieht im Impfstützpunkt Winnenden Spritzen auf. © Gaby Schneider

Die Ehrenamtlichen im Deutschen Roten Kreuz (DRK) haben während der Corona-Pandemie so viel gearbeitet wie noch nie. Ein Paradebeispiel: Yvonne Butzert. Die hauptberufliche Intensivpflegerin war dabei, als im Februar 2020 Reiserückkehrer aus Wuhan am Stuttgarter Flughafen abgeholt werden mussten. Sie nahm Monate später in der ersten Winnender Teststation Abstriche. Heute zieht sie in ihrer Freizeit unter anderem Spritzen im Impfstützpunkt Winnenden auf. Das tut sie gern – und sehnt sich doch wieder nach geselligen, coronafreien Einsätzen auf dem Citytreff oder anderen Festen.

So sei das vor der Pandemie gewesen, erinnert sich Raphael Rojas vom DRK-Ortsverein Winnenden: Die Rotkreuzler waren vor allem am Wochenende im Einsatz, „ein Konzert hier, ein Fußballspiel dort, ein Stadtfest da“. Heute findet sich jeden Tag ein anderer Einsatzort für die freiwilligen Helfer. „Wir haben noch nie so viele Dienststunden ehrenamtlich erbracht wie während der Pandemie“, sagt Raphael Rojas.

Ob nun im Impfstützpunkt, der bis zu dieser Woche jeden Tag geöffnet hatte, und um den sich DRK-Rettungsassistent Jörg Behrens (48) „über das übliche Arbeitspensum hinaus“ als Organisator verdient gemacht hat, oder im Kinderimpfzentrum in der Rems-Murr-Klinik – an vielen Fronten, an denen gegen Corona gekämpft wird, opfern Ehrenamtliche im Namen des DRK ihren Feierabend für die Allgemeinheit.

Im Fall von Yvonne Butzert ist das besonders beeindruckend: Die 41-Jährige arbeitet zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit als Pflegedienstleiterin im Büro und die restliche Zeit im Schichtdienst als Intensivpflegerin mit schwerstkranken Patienten. Es kommt vor, dass sie nach einer hauptberuflichen Nachtschicht noch einen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz am Tag dranhängt.

Außergewöhnlicher Einsatz? Yvonne Butzert sieht’s pragmatisch

Sie selbst findet daran offenbar nichts Außergewöhnliches, sondern sieht das äußerst pragmatisch: „Dadurch, dass ich Krankenschwester bin und viel nachts arbeite, habe ich tagsüber mehr Zeit. Ich kann flexibler sein als andere.“

Ihr jüngster Einsatzort nach mehreren Schnellteststationen und der Aufgabe, andere Rotkreuzler in Sachen Hygiene zu schulen: der Impfstützpunkt in Winnenden, den das Landratsamt, die Stadt Winnenden und Arzt Dr. Christian Schweninger eingerichtet haben. Ehrenamtliche vom Roten Kreuz aus dem ganzen Kreis sind hier im Einsatz, entweder in der Dokumentation und Erstellung von QR-Codes für den Impfnachweis oder in der „Impfstoffaufbereitung“. In der Hauptsache heißt das: Spritzen aufziehen.

Wer mit Impfstoff umgeht, braucht eine entsprechende Ausbildung

Dabei ist Geschick gefragt, weiß Yvonne Butzert. „Das Handling muss man schon haben“, sagt sie. Am ersten Tag hätten sie und ein Mitarbeiter von Dr. Schweninger 170 Spritzen in einer halben Stunde aufgezogen: „Das ging dann wie an der Maschine.“ DRK-Mann Raphael Rojas erklärt: „Wir haben unterschiedliche Anforderungsprofile für die Mitarbeiter, auch im Ehrenamt. Wer Impfstoffaufbereitung macht, muss eine rettungsdienstliche oder pflegerische Ausbildung haben. Der normale Sanitäter, der sonst superwichtige Aufgaben hat, ist nicht dafür geeignet, das zu tun.“

Das DRK Winnenden feiert in diesem Jahr 90-jähriges Bestehen. Es zählt laut Raphael Rojas derzeit 64 aktive Mitglieder in der Bereitschaft und verfügt über vier eigene Einsatzfahrzeuge.

Zu den pandemiebedingten Einsätzen als Schnelltester in Teststationen und Pflegeheimen, als Infektionsschützer und Impfhelfer in Stützpunkten und im mobilen Impftruck kommen ehrenamtliche Einsätze der „Helfer vor Ort“, die als Unterstützung in der Rettungskette dienen, oder der „Einsatzgruppe akut“, die gemeinsam mit der Feuerwehr Winnenden, Berglen und Leutenbach alarmiert wird.

So waren bei dem Feuer an Neujahr in Birkmannsweiler DRK-Retter dabei, ebenso beim jüngsten Brand am Klinikum Schloss Winnenden. Da rückte übrigens auch die nimmermüde Yvonne Butzert mit aus.

Nach dem Frühdienst direkt auf die Rettungswache

Die Winnenderin ist seit mehr als 25 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz, trat mit 15 Jahren ins Jugendrotkreuz ein. Ihre Ausbildung zur Rettungssanitäterin hat sie 2006 gemacht. „Früher bin ich sehr viel Rettung gefahren“, erinnert sich die 41-Jährige, „das war manchmal stressig. Da bin ich nach dem Frühdienst direkt auf die Rettungswache und habe noch einen Spätdienst drangehängt.“ Im Rettungsdienst fährt sie schon seit einigen Jahren nicht mehr mit.

Als Corona hier noch kein Thema war, hat sie zuletzt lieber die klassischen Rotkreuz-Festle-Dienste übernommen, zum Beispiel beim Citytreff oder Berglesbond. „Das macht einfach richtig viel Spaß“, sagt Yvonne Butzert.

So sehr ihr zum Beispiel die Arbeit mit den Kleinen im Kinderimpfzentrum oder beim Spritzenaufziehen im Stützpunkt in der Linsenhalde Freude bereitet, so sehr fiebert sie dem Ende der Pandemie entgegen. „Mir ist die Interaktion mit den Menschen wichtig – und da ist es natürlich was anderes, ohne Maske über den Citytreff zu gehen“, sagt Yvonne Butzert, als in voller Schutzmontur Impfdosen zu ziehen.

Die Ehrenamtlichen im Deutschen Roten Kreuz (DRK) haben während der Corona-Pandemie so viel gearbeitet wie noch nie. Ein Paradebeispiel: Yvonne Butzert. Die hauptberufliche Intensivpflegerin war dabei, als im Februar 2020 Reiserückkehrer aus Wuhan am Stuttgarter Flughafen abgeholt werden mussten. Sie nahm Monate später in der ersten Winnender Teststation Abstriche. Heute zieht sie in ihrer Freizeit unter anderem Spritzen im Impfstützpunkt Winnenden auf. Das tut sie gern – und sehnt sich doch

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