Winnenden

Die Rettung ist ein Dixie-Klo

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Die provisorische Notlösung der Firma Dannenmann. © Joachim Mogck

Winnenden.
Busfahrer, die aufs WC müssen, sind während der offiziellen Corona-Pause nicht zu beneiden. Wohin mit der drückenden Blase, seit sämtliche Cafés, Bäcker und Kioske geschlossen sind? Na, auf die öffentliche Toilette - sollte man meinen. In Winnenden dreht es einer Busfahrerin bei der Vorstellung daran den Magen um. Sie wandte sich mit einem dringenden Bedürfnis an die Zeitung. Ihr Chef setzte dem Notdurft-Notstand vorübergehend ein Ende und stellte auf eigene Kosten ein Dixie-Klo auf.

„Hätte mein Chef keine Toilette aufstellen lassen, würden wir vermutlich alle schon längst platzen“, sagt Uli Stuis. „Wir müssen es uns manchmal so lange verheben, dass es schmerzt und einem der Schmerz ins Herz reinzieht“, berichtet sie. Geplatzt ist der Busfahrerin nun der Kragen. „Ist es in Winnenden nicht machbar, dass man für Fahrer, Taxifahrer eingeschlossen, einen kleinen Raum am Bahnhof schafft?“ Aufs WC zu können, wenn man muss, sei „ein Menschenrecht“.

Die öffentliche Toilette am Bahnhof sei in aller Regel unzumutbar

Für sie und ihre Kollegen sei die Situation besonders schlimm, seit alles geschlossen hat. Drückt die Blase, bleibe die öffentliche Toilette am Bahnhof, aber sie sei in aller Regel „unzumutbar“. In einer Mail und am Telefon schildert sie unappetitliche Details, die sie und ihre Kollegen „nicht nur einmal“ antreffen mussten: Spritzen liegen drin, Zigarettenkippen am Boden, Kloschüssel und oft auch der Boden sind mit Fäkalien und Urin verschmutzt. „Man kann nicht reingehen, ohne fast spucken zu müssen“, so die Busfahrerin. „Viele können sich das gar nicht vorstellen, weil sie im Büro arbeiten und die Sanitäranlagen zwei Räume weiter haben.“ Vor Ausbruch der Pandemie habe man sich arrangiert, fährt die Busfahrerin fort: Toll sei es zwar nicht gewesen, beim Bäcker „wie ein Bittsteller“ dastehen zu müssen und nach dem Besuch des stillen Örtchens in der Raucherkneipe „zu riechen als wäre man ein Aschenbecher“, aber wenigstens plage einen hinterher das Bedürfnis nicht mehr.

Geradezu paradiesische Lösung in Waiblingen

Uli Stuis, die seit 32 Jahren Bus fährt, hat Vergleichsmöglichkeiten: Eine geradezu paradiesische Lösung treffe das Fahrpersonal in Waiblingen an, wo Extra-WCs mit Aufenthaltsraum und Kaffeeautomat zur Verfügung stehen. Am alten Bahnhof in Welzheim habe ihr Arbeitgeber einen Aufenthaltsraum angemietet. Auf der Negativ-Liste der Busfahrer belege Winnenden einen der vorderen unrühmlichen Plätze, zusammen mit Schorndorf - auch dort müssten sie auf das öffentliche WC ausweichen, seit die den Busfahrern wohlgesonnene Gastronomie geschlossen ist.

Ihr Arbeitgeber wollte es seinem Fahrpersonal auf Dauer nicht zumuten, darum stellte er auf eigene Kosten die Dixie-Toilette beim Feuerwehrmuseum auf. „Unser Personal trägt zum Mobilitätsaspekt der Bevölkerung bei, für die Busfahrer müssen gute Voraussetzungen geschaffen werden“, sagt Geschäftsführer Markus Dannenmann. Sein Unternehmen sei neu auf der Strecke: Anfang 2019 erhielt es den Zuschlag für das Linienbündel „Winnenden - Berglen“. Im August wurde der Fahrbetrieb aufgenommen, ohne die Toilettensituation zu kennen. Seine Mitarbeiter seien angehalten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. „Die Liniendienste dauern bis zu acht Stunden. Ein entsprechender Überhang im Körper lässt sich da nicht vermeiden“, so Dannenmann.

Dannenmann macht der Stadt keinen Vorwurf

Das Thema sei der Stadt bekannt. Zum Jahresende habe es Gespräche mit Vertretern der Verwaltung gegeben, dabei sei auch über eine eigene WC-Lösung für das Fahrpersonal gesprochen worden. Markus Dannenmann betont ausdrücklich, dass er der Stadt keinen Vorwurf macht. „Wir haben das Thema in Erwartung eines angekündigten Umbaus bislang nicht mit hoher Dringlichkeit verfolgt, wir haben uns mit dem Vorhandenen beholfen“, sagt er.

Corona habe die Dringlichkeit stark erhöht

Doch Corona habe die Dringlichkeit stark erhöht. Und nicht nur aus Busfahrersicht ist es eine „notdürftige“ Lösung für die Notdurft, auch Berufspendler, Fahrradfahrer und Touristen sind betroffen: Mit unsauberen öffentlichen Toiletten gibt die Stadt kein sonderlich gutes Bild ab. Alleine das Feuerwehrmuseum zählt mehrere Tausend Besucher pro Jahr.

Was gedenkt die Stadt, zu unternehmen? Pressesprecherin Emily Rehberger sagt, zum Planungsstand befragt: „Die öffentliche Toilette soll im Zuge der Sanierung und des Umbaus zum barrierefreien Omnibusbahnhof erneuert werden.“ Sie soll wie bisher mit einem Euroschlüssel oder Münzeinwurf betretbar sein und künftig automatisch gereinigt werden. Die jetzige Toilette werde einmal am Tag gereinigt.

Für separate Toilette Förderantrag gestellt

Zusätzlich zur öffentlichen Toilette werde über eine separate Toilette für die Busfahrerinnen und Busfahrer gesprochen. Der Antrag auf entsprechende Fördermittel sei gestellt. Mit einem positiven Förderbescheid werde Ende 2020 gerechnet. Anschließend könne mit der Ausschreibung begonnen werden. Umbau und Sanierung sollen laut Emily Rehberger im Zeitraum von April bis Oktober 2021 realisiert werden.