Winnenden

Die Suche nach Erziehern wird immer schwieriger

Waldorfkindergarten
Das neue Team im Waldorfkindergarten „Kinderstube“: Beate Heller, die Auszubildende Samira Kuhn und die Leiterinnen: Katharina Geiger und Bianca Schaible (von links). © Alexandra Palmizi

Die Suche nach Erzieherinnen und Erziehern ist nicht einfach. Das weiß Thomas Pfeifer, der sich für die Stadt Winnenden federführend um das Thema Kinderbetreuung kümmert. Wenn die Stadt weiter wächst, mehr Kinder in Winnenden wohnen und damit auch der Bedarf nach Betreuungsplätzen steigt, muss er das Personal für die neuen Kinderhäuser gewinnen. Die Erfahrung, dass die Suche teilweise nur sehr schleppend vorankommt, hat in den vergangenen Wochen auch der Kindergarten „Kinderstube“ gemacht. Dort ging es sogar um die Existenz.

In der Hungerbergstraße 8, mitten im Wohngebiet, hat es sich der eingruppige Kindergarten gemütlich gemacht. Das mit Holz verkleidete Zimmer bietet Platz für 21 Kinder, die ansonsten auch draußen im Garten spielen können. Das Besondere: Die Kinderstube setzt auf das Waldorfkonzept. Das verhinderte jedoch nicht, dass der Kindergarten mitten in der Corona-Krise plötzlich vor dem Aus stand. „Ende April hat uns unsere langjährige Erzieherin und Leiterin gekündigt. Plötzlich sind wir nur mit einer 20-Prozent-Kraft dagestanden“, erzählt Sandra Heller, die im Vorstand des zum Kindergarten gehörigen Vereins ist. Die Suche nach Ersatz gestaltete sich sehr schwierig. „Obwohl wir uns aktiv darum gekümmert haben. Wir haben Annoncen geschaltet und auch in den sozialen Netzwerken Beiträge veröffentlicht“, erzählt Heller. Doch Rückmeldungen haben sie kaum bekommen. „Wenn man so will, kam Corona für uns genau richtig, weil wir eben im April, Mai und Juni, also in den Monaten, in denen die Einrichtung wegen der Infektionsgefahr ohnehin geschlossen war, kein Personal hatten“, erzählt Heller.

Personalsuche: In Zukunft eine große Herausforderung

Erzieherinnen und Erzieher zu finden wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Waldorfkindergärten trifft es gleich doppelt hart, da eine spezielle Ausbildung nötig ist. „Der Markt war wie leer gefegt“, sagt Sandra Heller. Erfahrungen, die Thomas Pfeifer, städtischer Amtsleiter für Jugend und Familien, in geringerem Ausmaß ebenfalls macht. „Für uns ist es auch nicht einfach, Erzieher zu finden, allerdings auch nicht so schwierig wie für Waldorfkindergärten, da hier die spezielle Ausbildung nötig ist“, sagt Pfeifer. In Winnenden sei die Lage momentan in Ordnung. Auch was Ausbildungen von jungen Erzieherinnen und Erziehern angehe, seien die Winnender Kitas momentan gut dabei. „Besonders die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) wird in letzter Zeit immer beliebter“, weiß Pfeifer. „Allerdings sind wir quasi immer auf der Suche nach Erziehern, da in diesem Bereich auch, zum Beispiel durch Schwangerschaften, eine hohe Fluktuation dabei ist.“ Pfeifer weiß, dass sich die Situation in den nächsten Jahren zuspitzen wird. Es werde eine sehr große Herausforderung, auch in den kommenden Jahren genügend Erzieherinnen und Erzieher nach Winnenden zu bekommen. „Um vorherzusagen, dass das nicht einfach wird, muss man kein Prophet sein. Neue Kinderhäuser sind geplant. Für die großen Einrichtungen brauchen wir 15 bis 20 Erzieher. Und das geht nicht nur Winnenden so, sondern allen Kommunen im Rems-Murr-Kreis“, sagt Pfeifer.

Fast wie eine Neueröffnung

Derweil hat es in der Winnender Kinderstube zum 1. Juli nun doch geklappt. Sandra Heller und Tobias Trampe konnten eine Erzieherin, die früher bereits in der Einrichtung gearbeitet hat, und eine neue Kraft für den Waldorfkindergarten gewinnen. „Unser Kindergarten ist sehr klein, familiär und attraktiv für Erzieher“, sagt Tobias Trampe, der ebenfalls im Vorstand des Kindergartenvereins ist. Trotzdem sei einiges an Überzeugungsarbeit nötig gewesen. „Dadurch, dass wir gerade dabei sind, alles etwas neu zu strukturieren, ist das für die beiden eine spannende Aufgabe. Für uns ist das wie eine Neueröffnung. Der Gedanke, dass man Dinge so macht, weil es immer so war, ist bei uns jetzt ein Stück weit raus“, sagt Sandra Heller. In der Kinderstube ist jeder Tag festgetaktet, um den Kindern eine Orientierung zu bieten. „Erzieher machen Dinge vor, Kinder machen sie nach“, erklärt Heller. Für die kommende Zeit gebe es noch freie Plätze. Die Erzieherinnen entscheiden nach einem Gespräch mit den Eltern, welche Kinder aufgenommen werden. „Wir wünschen uns von den Eltern eine aktive Mitarbeit an unserem Konzept“, sagt Heller. So zum Beispiel beim jährlichen Basar oder bei der Gartengestaltung.

Die Suche nach Erzieherinnen und Erziehern ist nicht einfach. Das weiß Thomas Pfeifer, der sich für die Stadt Winnenden federführend um das Thema Kinderbetreuung kümmert. Wenn die Stadt weiter wächst, mehr Kinder in Winnenden wohnen und damit auch der Bedarf nach Betreuungsplätzen steigt, muss er das Personal für die neuen Kinderhäuser gewinnen. Die Erfahrung, dass die Suche teilweise nur sehr schleppend vorankommt, hat in den vergangenen Wochen auch der Kindergarten „Kinderstube“ gemacht.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper