Winnenden

Die verflixten Aufzüge am Bahnhof Winnenden: Schon wieder Stillstand

Aufzug
Bahnhof Winnenden. © Alexandra Palmizi

Der barrierefreie Bahnhof ist eine gute Idee, aber wer sich als Gehbehinderter auf Technik verlassen muss, die ihm hilft, Treppen zu überwinden, ist bisweilen verlassen. So wieder geschehen am 8. und 9. Juni am Winnender Bahnhof, die Aufzüge an beiden Gleisen verweigerten den Dienst. Ein Informant, der nicht im Rollstuhl sitzt, meldete das umgehend der Redaktion. Wir hakten bei der Pressestelle der Deutschen Bahn nach und erfuhren: Es war ein technischer Defekt. „Seit Donnerstag (9.6.) um die Mittagszeit funktionierten beide Aufzüge wieder“, so der Mitarbeiter.

Und die nächste Störung folgt sogleich

Als Pierre Orthen das auf der ZVW-News-App liest*, tippt er umgehend eine E-Mail. „Heute (10.6.) ist der Aufzug an Gleis 2/3 wieder defekt, genauer gesagt öffnet sich die Tür auf der Bahnsteigebene nicht. Zu dieser Störung findet sich übrigens keine Mitteilung in der App ,Bahnhof live'. Dazu kommt, dass seit über einer Woche eine Weiche defekt ist, weshalb die Bahnen nicht über das stufenfrei zugängliche Gleis 1 geleitet werden können. Das heißt, dass der Bahnhof aktuell für Rollstuhlfahrer/-innen nicht nutzbar ist.“

Pierre Orthen aus Leutenbach ist auf einen Rollstuhl angewiesen, und er wird deshalb so ausführlich (wohlgemerkt bleibt er aber überaus sachlich), weil der Bahn-Pressesprecher noch routiniert auf die Informationsmöglichkeiten hinweist, ohne natürlich zu erwähnen, dass diese auch oftmals gestört sind. Bahn: „Bei fehlender Barrierefreiheit gibt es die DB-Mobilitätsservicezentrale (MSZ), die in der Mobilität eingeschränkte Menschen bei ihren Reiseanliegen berät und unterstützt. Fahrgäste sollten sich bis zum Vortag mit ihrem Fahrtwunsch bei der MSZ melden.“ Der Kontakt dürfte Rollstuhlfahrern bekannt sein, und Gehende merken, wie Barriere-"Freiheit" im Jahr 2022 aussieht: Man muss seine Fahrt im Nahverkehr einen Tag vorher planen und anmelden. Aber die Weichenstörung ist damit auch nicht aus der Welt. 

Orthen schildert zu diesem Kapitel noch mehr Ungemach: „Im übrigen war am 3. Juni der Aufzug an Gleis 1 defekt, eine Meldung in der App lag ebenfalls nicht vor. Damals musste ich deshalb vom Bahnhof Nellmersbach zum Bahnhof Winnenden ein Taxi nehmen - Kosten dafür 18 Euro, die mir die DB hoffentlich irgendwann mal erstattet.“

Mehr als 20 Störungen in mehr als zwei Jahren

Nachdem die kompletten Aufzuganlagen von Januar bis April 2020 ausgetauscht worden waren, standen sie schon etliche Male still. Zuletzt berichteten wir ausführlicher im Oktober 2021. Doch bereits im Mai 2021 hatte die Firma umfangreich an einzelnen Teilen nachgebessert. Bis heute liegen Hinweise auf über 20 Störungen vor, häufiger traf es den Aufzug an Gleis 2/3. Daher bekommen die Aufzüge von unserer Redaktion das Attribut „verflixt“. 

Oft ist aber auch unsachgemäßer Umgang der Benutzer der Grund für eine Störung. Die Stadt bittet darum, dies bei ihr oder der Polizei anzuzeigen, wenn man Leute bemerkt, die zum Beispiel durch Hüpfen mutwillig eine Störung herbeiführen.

Sollte es solche Leute geben, dann ist das für Mobilitätseingeschränkte so traurig wie ärgerlich. Sie kommen ihretwegen nicht aufs Gleis oder vom Gleis herunter und müssen aufwendig Hilfe rufen oder ihre Reisepläne aufgeben.

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*Anmerkung der Redaktion: Nach der E-Mail von Pierre Orthen haben wir diesen Artikel, der am Freitagvormittag auf zvw.de erschienen ist, am Freitagnachmittag aktualisiert.

Der barrierefreie Bahnhof ist eine gute Idee, aber wer sich als Gehbehinderter auf Technik verlassen muss, die ihm hilft, Treppen zu überwinden, ist bisweilen verlassen. So wieder geschehen am 8. und 9. Juni am Winnender Bahnhof, die Aufzüge an beiden Gleisen verweigerten den Dienst. Ein Informant, der nicht im Rollstuhl sitzt, meldete das umgehend der Redaktion. Wir hakten bei der Pressestelle der Deutschen Bahn nach und erfuhren: Es war ein technischer Defekt. „Seit Donnerstag (9.6.) um

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