Winnenden

Discothek "Dream City Club" Winnenden in der Corona-Krise: Testen statt Tanzen

DreamCiryCoronatest
Efi und Girogios Koutsonas in ihrem Dream City Club. Hier hat seit vielen Monaten niemand mehr getanzt. © Gaby Schneider

Vor drei Jahren, im Frühjahr 2019, haben Efi und Giorgios Koutsonas die ehemalige Discothek „Samba“ in Winnenden übernommen und den „Dream City Club“ gegründet. Nach einem halben Jahr intensiver Renovierung und ein paar Monaten Anlauf brummte das Geschäft. Die Gäste tanzten, der Traum lebte. Dann kam Corona und schnürte dem Tanzlokal die Luft ab. Nach zwei Jahren Pandemie wird in der Max-Eyth-Straße immer noch nicht gefeiert – dafür jetzt aber getestet. Zumindest vorübergehend, bis es endlich weitergeht. Den Mut haben die Betreiber nicht verloren.

„Oh Mann, ich seh’ aus, als würd’ ich gleich zum Mond fliegen“, seufzt Efi Koutsonas. Ihr Gesicht ist hinter einem Plastikschutzschild und der Mund- und Nasenmaske fast komplett verschwunden. Die 42-Jährige steckt in einem blauen Schutzanzug, der aussieht wie ein großer Müllsack. Mit dunklen Trennwänden hat sie den Eingangsbereich ihrer Discothek zum PCR- und Schnelltestzentrum umfunktioniert. Vor ihr aufgereiht liegen Corona-Testkits. Das Leben als Clubbetreibern hat sie sich wahrlich anders vorgestellt.

Von Montag bis Freitag, 7.30 Uhr bis 20 Uhr, an Samstagen von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 15 bis 20 Uhr werden im „Dream City Club“ in der Max-Eyth-Straße 54 neuerdings Corona-Tests angeboten. Im Online-Portal des Rems-Murr-Kreises lässt sich das Tanzlokal als „Testzentrum K+K Gastro GmbH, medipolis“ auswählen.

Im Oktober 2021 waren die Clubbetreiber optimistisch, planten Konzerte im Winter

Vor etwas mehr als vier Monaten hegte das Ehepaar Koutsonas noch die Hoffnung, die Krise überstanden zu haben. Viel Geld hatten die beiden im einjährigen Lockdown nach der zweiten Welle 2020 in Lüftungsanlagen und CO2-Messgeräte investiert, außerdem neu gestrichen und umgeräumt. Im Spätsommer 2021 war dann für ein paar Wochen das Tanzverbot in den Discotheken aufgehoben worden. Der Dream City Club öffnete wieder, wenn auch unter strengen Auflagen. Gemeinsam mit dem Winnender Plattenfirmenchef Hans Derer planten die Clubbetreiber eine elfteilige Konzertreihe über den Spätherbst und Winter.

Doch nach dem ersten Gig im Oktober war Schluss, die Corona-Zahlen explodierten erneut. Der 980 Quadratmeter große Dream City Club, der zuvor 30 Jahre lang als „Samba“ bei Discofox-Fans beliebt war, ist seither geschlossen. Clubs und Discotheken stehen ganz am Ende möglicher Öffnungsschritte. Forderungen nach einer klaren Perspektive werden jedoch immer lauter.

Seit geraumer Zeit leben sie wegen Corona von ihren Ersparnissen

Das versprochene Geld vom Staat fließt zäh, wenn überhaupt, berichtet Efi Koutsonas. Auf einen Großteil der Überbrückungshilfe zur Deckung der Fixkosten wartet das Ehepaar Koutsonas nach eigenen Angaben seit Monaten vergeblich. „Wir hatten Gott sei Dank Ersparnisse“, sagt die 42-Jährige, die mit ihrem Mann (53) in Maubach lebt. Die beiden hoffen, dass ihr Testzentrum gut angenommen wird und sie finanziell entlastet. Und natürlich darauf, in ihrem Club bald wieder Gäste begrüßen zu dürfen.

Diese Hoffnung ist gewachsen, nachdem sich die Anzeichen verdichten, dass die Politik die Corona-Regeln bald stark lockern könnte. Die im Oktober so jäh abgebrochene Konzertreihe soll, wenn möglich, von Ende März an fortgesetzt werden, immer freitags. Das ist mit den Künstlern – unter anderem hätten im Winter Mick Scheuerle und David Hanselmann auftreten sollen – schon vereinbart.

Comedy, Theater - warum nicht? "Wir wollen Winnenden schon was bieten"

Außerdem planen die Gastronomen Comedy-Auftritte, können sich Theatervorstellungen und mehr in ihrem Club mit der großen Bühne, dem Außenbereich und der einladenden Galerie vorstellen, auch unter der Woche. Und natürlich sollen so bald wie möglich die Tanzabende zurückkehren, bei denen am Wochenende bis in die Morgenstunden gefeiert wird.

Die Mitarbeiter, alles Minijobber, stehen auf Abruf bereit. „Wir wollen Winnenden schon etwas bieten“, sagt Efi Koutsonas, „ich glaube an den Laden, der hat Potenzial.“ Ein Veranstaltungsort, in dem zum Beispiel Rockkonzerte mit bis zu 700, 800 Gästen stattfinden können, suche in der Stadt seinesgleichen.

„Wir haben insgesamt in den drei Jahren genau zehn Monate offen gehabt“, sagt Efi Koutsonas, „manchmal glaub ich es selber nicht.“ Ans Aufgeben haben sie in dieser schweren Zeit aber nicht ernsthaft gedacht: „Wir haben so viel hier reingesteckt. Das ist unser Kind, das können wir nicht einfach alleine lassen.“ Der Kontakt zu Event-Veranstaltern sei nie abgerissen. „Die warten schon darauf, dass es endlich losgeht.“

Ist der Betrieb im „Dream City Club“ wieder erlaubt, wird das Ehepaar Koutsonas unter den ersten sein, die öffnen. Dann heißt es wieder: Tanzen statt testen.

Vor drei Jahren, im Frühjahr 2019, haben Efi und Giorgios Koutsonas die ehemalige Discothek „Samba“ in Winnenden übernommen und den „Dream City Club“ gegründet. Nach einem halben Jahr intensiver Renovierung und ein paar Monaten Anlauf brummte das Geschäft. Die Gäste tanzten, der Traum lebte. Dann kam Corona und schnürte dem Tanzlokal die Luft ab. Nach zwei Jahren Pandemie wird in der Max-Eyth-Straße immer noch nicht gefeiert – dafür jetzt aber getestet. Zumindest vorübergehend, bis es

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper