Winnenden

Drei kurze Aufzugstörungen am Bahnhof

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Pierre Orthen vor dem störungsanfälligen Bahnhofsaufzug an Gleis 1. © Palmizi / ZVW

Winnenden/Leutenbach. Immer wieder steht der Aufzug am Winnender Bahnhof, macht die Tür nicht auf und auch sonst keinen Muckser. Wer Treppen nur schlecht oder allein gar nicht bewältigen kann, fühlt sich darum überdurchschnittlich oft hängen gelassen. Der 19-jährige Pierre Orthen zum Beispiel. Er kommt zweimal die Woche von Nellmersbach nach Winnenden zur Physiotherapie.

Von dem jüngsten Ausfall des Aufzugs hat Pierre Orthen unserer Redaktion sofort berichtet (siehe „Ärgernis des Tages am 14. April), schiebt aber noch etwas Positives hinterher: „Die Gleisverlegung hat funktioniert.“ Das heißt, wegen des Lift-Ausfalls und weil Pierre Orthen sich vorher angemeldet hatte, weil also der Bahn bekannt war, dass ein Rollstuhlfahrer aus- und einsteigen möchte, wurde die S-Bahn vom üblichen Gleis 2/3 aufs Gleis 1 umgeleitet, so dass der barrierefreie Zugang zur Stadt genutzt werden konnte. Ein feiner Zug. Die Bahn will und kann dieses Manöver jedoch aus Gründen der Pünktlichkeit aller S-Bahnen und Regionalzüge nicht zur Regel machen, vor allem nicht in den Hauptverkehrszeiten, sondern allenfalls in den weniger frequentierten Zeiten.

Pierre Orthen, den unsere Redaktion am 9. März bereits am funktionierenden Aufzug getroffen hatte, befürchtet für sich große Schwierigkeiten, wenn der Zug einmal nicht mehr auf Gleis 1 umgelenkt wird. „Ein Taxi will mir die Bahn nicht bezahlen. Es fährt aber auch nicht immer der passend ausgestattete Bus, in den ich mit meinem Rollstuhl einsteigen kann.“ Manchmal muss Orthen auf ihn eine zusätzliche Stunde warten. Einen Führerschein hat er auch noch nicht. „Ich würde aus Gründen des Umweltschutzes gern weiterhin Bahn fahren“, sagt er. Immerhin sieht er die Bereitschaft des in Stuttgart arbeitenden Bahnhofsmanagers Nikolaus Hebding, mit dem er persönlich gesprochen hat, etwas für Gehbehinderte zu verbessern. „Er sicherte mir in Nellmersbach das Versetzen von Splittkästen zu, damit dort mehr Platz für die Anlage von Rampen zum Bahnsteig ist.“

Sensible Türen blockieren schnell

Zum Grund der erneuten Aufzug-Ausfälle an Gleis 1, am 4., 13. und 14. April, teilt die Bahnpressestelle nach der zweiten Nachfrage unserer Redaktion Folgendes mit: Es waren kleinere technische Störungen, die innerhalb kurzer Zeit behoben werden konnten, so ein Sprecher der zuständigen Deutschen Bahn.„Im März haben wir einen Qualitätscheck gemacht und sämtliche störanfällige Teile austauschen lassen“, so der Mann über den Winnender Aufzug, der bis dato zur traurigen Ausfall-Fünfer-Spitzengruppe der 93 Aufzüge in der Region Stuttgart gehört hatte. Ein Komplett-Austausch kam aufgrund seines geringen Alters jedoch noch nicht infrage. Ein- bis zweimal im Monat, schätzt Bahnkunde Pierre Orthen, blieb der Lift bisher stehen.

„Seit dem Qualitäts-Check läuft der Aufzug unauffällig, blieb bloß dreimall stehen“, sagt der Mann von der Bahn, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte. Welches Teil letztlich schuld war, kann er nicht genau sagen. Am Samstag, 14. April, traf es eine Familie mit Kinderwagen, die von der Feuerwehr befreit werden musste. „Die Türen dieser Aufzüge sind sehr sensibel, sie blockieren manchmal, wenn man sie nur mit dem Fahrrad anstößt“, erklärt der Sprecher. Aber es gebe eine Überwachungsanlage, die dem Instandhalter sofort Signal gebe, dass etwas nicht mehr funktioniert.

Auch die Nutzer sollten eigentlich umgehend über eine Störungsmeldung auf vvs.de informiert werden - glücklich ist, wer a) ein Smartphone hat und b) diese Meldung auch rechtzeitig erhält. Es klappt nicht immer. Eine bessere App als die Vorhandene sei aber wieder ein Kapitel für sich, so der 19-jährige Pierre Orthen: „Ich war Testnutzer für die Störungs-App. Bisher lief sie nicht.“


Bitte melden Sie es, wenn der Bahnhofaufzug kaputt ist, an winnenden@zvw.de

Nie ohne Helfer

  • Unsere Redaktion hat bei der großen diakonischen Behinderteneinrichtung der Stadt, der Paulinenpflege Winnenden, zum Thema nachgehakt. Pressesprecher Marco Kelch antwortet umgehend. Bisher habe man sich nicht offiziell an die Bahn gewandt, sondern die Angehörigen darum gebeten, sich zu beschweren, denn es gibt nur wenige Klienten, die im Rollstuhl sitzen und die direkt betroffen sind.
  • Theoretisch könnten manche Paulinenpflege-Klienten ohne Betreuung Kurzstrecken alleine bewältigen – „wenn der Aufzug zuverlässig funktionieren würde. Er ist jedoch bisher so oft kaputt gewesen, dass wir ihn nicht mehr einplanen“, schreibt Marco Kelch. „Wenn ein Zusammenhang mit unserem Betreuungsauftrag besteht, zum Beispiel eine Einkaufsfahrt oder ein Arztbesuch, dann geht von uns grundsätzlich mit den Rollstuhlfahrern ein Mitarbeiter mit, der an der Treppe helfen kann.“ Dadurch steigt die personelle Belastung bei der Paulinenpflege.
  • Sonny, einer der Rollstuhl-Klienten der Paulinenpflege, den unsere Zeitung im März zufällig vor Ort traf, ist durch den kaputten Lift massiv in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, vor allem in der nicht-betreuten Freizeit.